Frischer Wind im Altersstübli

Oberdiessbach

Das Seniorentheater Silberdischtle aus räumt in seinem neuen Stück «Jetz geit’s los» von Kurt Frauchiger mit mancherlei Alters-Klischees auf.

Es ist nie zu spät für frischen Wind: Szene aus «Jetz geit’s los». Foto: Christina Burghagen

Es ist nie zu spät für frischen Wind: Szene aus «Jetz geit’s los». Foto: Christina Burghagen

Obwohl Abwart Jan van der Grachten (Hansueli Tschanz) fleissig mit dem Staubwedel fuchtelt, hat der Seniorentreffpunkt Altersstübli reichlich Patina angesetzt. Doch der ehemalige Gemeindepräsident Josef Joster (Manfred Zwahlen) hat die Leitung übernommen und möchte frischen Wind in den Treffpunkt bringen.

Nicht nur Martina und Heidi (Ursula Suter, Ruth Aeschbacher) beäugen skeptisch die Szenerie, auch Anna, Katharina und Vreni (Nelli Dürrenfeld, Annemarie Locher, Jrene Hauser) schauen sich kritisch im Treffpunkt um, in dem noch der alte Muff herrscht.

Auf Gesellschaftsspiele oder das Strümpfestricken können die Seniorinnen und Senioren getrost verzichten. Sprachwissenschaftler Armin Dreistein (Wolf Zimmerli) wittert als zerstreuter Professor die Chance, sein akademisches Wissen im Alterstübli auszubreiten. Er möchte einen Vortrag über Jugendsprache halten und übt schon mal «Oh cool, ich finde das affengeil».

Liebe kapituliert nicht

Bei der ersten Versammlung trägt die muntere Truppe eifrig neue Ideen zusammen. Kein Makramee-Uhu soll im Treffpunkt hängen, betont Anna. Per Abstimmung schafft es der neue Name «Häb mi» an die Spitze. Denn alle sind sich einig, dass es wichtig ist, in Krisen für den anderen da zu sein. Auch die Liebe kapituliert nicht vor dem Alter, wie zart entstehende Romanzen beweisen.

Unter der Regie von Esther Widmer entstand eine lebhafte Inszenierung, die als Rahmenhandlung Reporterin Betty Schall (Elisabeth Vogel) per Einspieler oder in Echtzeit auf den Plan ruft: «Hier ist das Radio Silberdischtle mit ... Megaherz», flötet sie regelmässig.

Frischer Elan

Herrlich verschroben wirkt der Sprachprofessor, der zu allen Unzeiten sein breites Wissen anbringt. Auf den Flügeln der Liebe schwebt Martina, die dem Treffpunktleiter unermüdlich Avancen macht. Auch der Abwart hat ein Auge auf eine gewisse Dame geworfen.

Mit Liebe zum Detail dekoriert die Truppe ihren Treffpunkt «Häb mi» kunterbunt um, was das Bühnenbild von Theo Widmer und die Kostüme von Irene Stalder bestens unterstreicht. «Neues Leben aus alten Ruinen» zaubert den Oldies frischen Elan ins Gemüt. Die Botschaft der Seniorenkomödie «Jetz geit’s los» von Kurt Frauchiger kommt an: Es ist nie zu spät für frischen Wind und neue Liebe.

Komödie «Jetz geit’s los» von Kurt Frauchiger, Oberdiessbacher Seniorentheater Silberdischtle: Donnerstag, Freitag und Samstag, jeweils um 20 Uhr im Kirchgemeindehaus, Eintritt frei, Kollekte.

Thuner Tagblatt

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