Gemeinderat in Kampfwahl neu bestimmt

Unterlangenegg

Der Souverän wählte Michael Graf zum Gemeindepräsidenten und setzte den Gemeinderat in einer Kampfwahl neu zusammen.

Der neue Gemeinderat Unterlangenegg mit Präsident Michael Graf (in der Mitte) sowie (von links) Christian Bohnenblust, Daniel Reusser, Karl-Ludwig Hertig und René Künzi.

Der neue Gemeinderat Unterlangenegg mit Präsident Michael Graf (in der Mitte) sowie (von links) Christian Bohnenblust, Daniel Reusser, Karl-Ludwig Hertig und René Künzi.

(Bild: Andreas Tschopp)

Gemeindepräsident Rudolf Reusser zeigte sich hocherfreut, 120 oder mehr als 15 Prozent der 780 Stimmberechtigten zur Gemeindeversammlung Unterlangenegg im Singsaal des Oberstufenzentrums begrüssen zu dürfen. Einen solchen Aufmarsch hätte er zum Abschied nicht erwartet, meinte der scheidende Gemeindepräsident zum Auftakt der Versammlung. Diese stand ganz im Zeichen der Erneuerungswahlen. Dazu wurde gleich zu Beginn der Antrag gestellt, die Gemeinderatswahl vorzuziehen und erst danach den neuen Präsidenten zu wählen. Dem Antrag wurde stattgegeben.

Keine Frau, sechster Bewerber

Rudolf Reusser rief in der Folge die drei Personen auf, die der Gemeinderat nach aufwendiger Suche (Ausgabe vom Dienstag) zusammen mit den zwei Bisherigen neu zur Wahl vorschlug. Es sind dies Christian Bohnenblust, Bauführer und bislang Mitglied der Baukommission, Daniel Reusser, 33-jähriger Telematiktechniker und Landwirt, sowie Karl-Ludwig Hertig, Lehrer und Heilpädagoge, der sich erst spät zur Verfügung stellte.

Sie hätten zwar eine Frau gesucht, aber keine habe gewollt, erklärte der Gemeindepräsident. An der Versammlung wurde dann doch noch ein Frauenname genannt. Die Angesprochene winkte jedoch sogleich ab. Stattdessen meldete ein sechster Mann seine Kandidatur an. Er stehe kurz vor der Pensionierung und habe somit Zeit, sich für die Gemeinde einzusetzen, betonte der selbstständig erwerbende Manfred Rhyn.

Bestergebnisse für Neue

Somit kam es zu einer Kampfwahl, die geheim mit Stimmzetteln durchgeführt wurde. Nach deren Auszählung gab Gemeindeschreiber Hans Tschanz das Wahlergebnis bekannt. Am besten gewählt wurden die drei Neuen: Daniel Reusser erhielt 117 Stimmen, Karl-Ludwig Hertig 89 und Christian Bohnenblust deren 70. Auf die bisherigen Gemeinderäte Michael Graf und René Künzi entfielen 68 und 67 Stimmen. Mit 64 Stimmen schaffte auch Manfred Rhyn das absolute Mehr, fiel jedoch als überzählig aus dem Rennen.

Bei der nachfolgenden Wahl des neuen Präsidenten wurde neben Vizegemeindepräsident Michael Graf auch Daniel Reusser als Bestgewählter vorgeschlagen. Der neu gewählte Gemeinderat machte jedoch klar, dass er sich nicht in der Lage fühle, gleich das Präsidium zu übernehmen. Graf, der seit zehn Jahren im Gemeinderat sitzt und in Rudolf Reusser einen guten «Lehrmeister» hatte, wie er betonte, wurde darauf mit Akklamation zum neuen Gemeindepräsidenten bestimmt.

Steuersenkung auf 1,75

Mit vier Gegenstimmen wurden 105'000 Franken bewilligt für die Strassensanierung Graben–Höchmatt im Gebiet Betrug. «Wir haben uns gewagt, eine Steuersenkung zu beantragen», betonte Rudolf Reusser zum Budget 2019. Dieses sieht bei Gesamtaufwendungen von 4,35 Millionen einen Aufwandüberschuss von 198100 Franken vor und basiert neu auf einer Steueranlage von 1,75 (bisher 1,85 seit 2016). «Unser Mut wird belohnt», meinte Reusser nach der Annahme des Voranschlags mit einigen Enthaltungen.

Nach Diskussionen über die Baukon­trolle im Dorf und die Auftragsvergabe durch die Gemeinde wurde noch beklagt, dass die neue Eisbahn in Oberlangenegg nicht mehr so gut frei zugänglich sei. Eine Dauervermietung sei für den Betrieb wichtig, da diese fixe Einnahmen bringen, erklärte Samuel Krähenbühl als Verwaltungsratspräsident. Über die Festtage werde die Eisbahn aber regelmässig offen sein, versprach Krähenbühl, der aufs Jahresende aus dem Gemeinderat ausscheidet.

Ebenso tut dies Elisabeth Kropf. Die beiden wurden von Rudolf Reusser gewürdigt und verabschiedet. Dann war der Gemeindepräsident selbst an der Reihe. Michael Graf blickte zurück auf dessen sechzehnjährige Amtszeit und dankte Rudolf Reusser. «Ich will es nicht übertreiben, sondern Vernunft walten lassen und zur rechten Zeit aufhören, sagte Reusser zum Abschied und wurde von der Versammlung mit kräftigem Applaus bedacht.

Thuner Tagblatt

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