«Go Girl!»

Thun

56 Frauen bewiesen am Suisse Rugby Ladies Day in Thun, dass Rugby sehr wohl eine Frauensportart ist.

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Das Tor ohne Netz erinnert an den Buchstaben H und ragt von der Eigermatte in den dunklen Thuner Himmel, die Zahnschutze sind montiert, und die pink-grau gestreiften Kniestrümpfe sitzen. Jetzt hält nur noch ein einziger Pfiff des Schiedsrichters die Frauen auf dem Feld davon ab, taktisch klug und mit vollem Körper- und Stimmeinsatz ihr Ziel zu erreichen: Es gilt, den Rugbyball als erste Mannschaft im gegnerischen Malfeld auf dem Boden abzulegen.

Doch der Sieg, der ist an diesem Plauschturnier, das vom TV Thun organisiert und gemeinsam mit der Fédération Suisse de Rugby (FSR) realisiert wurde, eigentlich gar nicht so wichtig. Inmitten von nassem Gras und wärmenden Sonnenstrahlen erfreuen sich die Frauen am Zusammensein, schliessen neue Freundschaften oder entdecken eine spannende Sportart oder neue Freunde.

«Wir spielen hier nicht gegeneinander, sondern vor allem miteinander», sagt Ramona Schuller, bevor sie sich wieder voller Energie auf das Feld begibt und leidenschaftlich versucht, ihre Gegnerin daran zu hindern, mehr als einen Meter mit dem Ball im Arm zurückzulegen.

In die Atmosphäre verliebt

Am Samstag widmen sich 56 sportbegeisterte Frauen der Sportart Rugby. Alter oder Erfahrung spielen dabei keine zentrale Rolle. «Es sind einige dabei, die noch nie Rugby gespielt haben», freut sich die Organisatorin Christa Herrmann. Sie ist bei der Fédération Suisse de Rugby für sämtliche Aktivitäten der Damen zuständig und Rugbyspielerin aus Leidenschaft.

Seitdem sie 2005 durch eine Freundin vom Geräteturnen zum Rugby wechselte, kann sie sich ein Leben ohne die Sportart nur noch schwer vorstellen und engagiert sich für die in der Schweiz immer noch relativ unbekannte Sportart.

«Eigentlich kam ich durch Zufall zum Rugby», erzählt sie. «Ich habe mich aber vom ersten Moment an in diese Atmosphäre verliebt.» Dann richtet sie einen analytischen Blick auf das Spielfeld vor der Progymatte-Turnhalle und schreit auf Französisch und Englisch einige Anweisungen.

Starke Frauen

«Man muss schon ein bisschen crazy sein, um als Frau Rugby zu spielen», erzählt Christa Herrmann danach weiter. Schliesslich sei Rugby ein «typischer Männersport». Ein Vorurteil, das sie nervt: «Wir dürfen auch hart sein!»

Und Edel O’Sullivan, eine der Teilnehmerinnen und gebürtige Irin, betont: «Hier können wir Frauen zeigen, dass wir stark sind. Bei uns in Irland ist Rugby eine sehr wichtige Sportart, hier hat sie immer noch keinen Status.» Genau deshalb findet sie es sehr wichtig, dass solche Events wie der Suisse Rugby Ladies Day organisiert werden.

Auch Ramona Schuller findet den Anlass cool: «Der Frauen-Rugby-Tag ist eine super Sache.» An der Sportart schätzt sie nicht nur die bekannte «3. Halbzeit», die am Sonntag nach dem Plauschturnier auf dem Mühleplatz in der Innenstadt bis spät in die Nacht zelebriert wurde.

Die 20-Jährige spielt seit drei Jahren Rugby: «Mein Freund ist rugbybegeistert und hat mich auf die Idee gebracht», erklärt sie. Heute liebt sie die Sportart, bei der sie sich völlig auspowern kann. «Mir gefällt das Spiel, vor allem auch, weil es Körperkontakt nicht ausschliesst, sondern davon lebt», erklärt Ramona Schuller heute die Motivation für ihr doch etwas aussergewöhnliches Hobby.

Mit Teamspirit zum Erfolg

«Auf dem Feld sind sie böse, neben dem Feld aber umso friedlicher», bemerkt eine Teilnehmerin. Dieser Teamspirit, der die ganze Szene durchdringt, schätzen alle Besucherinnen und Teilnehmer.

«Im Rugby kämpft man wortwörtlich füreinander», erklärt Christa Herrmann, «daraus entsteht eine extrem enge Verbindung.» Diese Verbindung erleben am vergangenen Samstag Spielerinnen aus verschiedensten Teilen der Schweiz.

Ob Lausanne, Uri, Zürich, Bern, Zug, Jura oder Uri – viele Kantone sind vertreten. Sprachbarrieren sind am Plauschturnier keine auszumachen. «Go girl» verstehen alle, von der 15-Jährigen aus Lausanne, die das erste Mal Rugby spielt, bis zu der 35-jährigen erfahrenen Spielerin aus Zürich.

Thuner Tagblatt

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