Grosse Scheune bald fertiggestellt

Sigriswil

Eine der auffälligsten Baustellen in der Region findet bald ihren Abschluss. Ab Anfang Mai ist die neue Grossscheune auf dem Margel in Schwanden bei ­Sigriswil bezugsbereit.

Hinter ihm liegt eine schwere Zeit: Bauer Simon von Gunten ist deshalb froh, dass seine neue Grossscheune bald bezugsbereit ist.

Hinter ihm liegt eine schwere Zeit: Bauer Simon von Gunten ist deshalb froh, dass seine neue Grossscheune bald bezugsbereit ist.

(Bild: Hans Peter Roth)

«Bald haben wir es geschafft.» Schon in einem Monat sollen die Kühe von Simon von Gunten den neuen Laufstall beziehen. «Bis dahin muss aber doch noch sehr viel gehen.» Der Landwirt rückt die Dächlikappe nach hinten, wischt sich den Schweiss von der Stirn und blickt, die Arme in die Seiten gestemmt, auf den grossen Neubau. Ein Bild mit Symbolkraft.

«Ich weiss nicht, ob wir das nochmals anpacken würden, wenn wir gewusst hätten, was alles auf uns zukommt», meint der Bauer aus Schwanden bei Sigriswil nachdenklich. «Aber irgendwann gibt es kein Zurück mehr.» Der Entscheid zum Bau des 32-plätzigen Laufstalls mit Scheune fiel vor fünf Jahren.

Von Guntens übernahmen sechs Hektaren Land vom «Heimet» eines benachbarten Bauern, der den Betrieb aufgab. «Daneben hatten wir schon ordentlich Land dazugepachtet», erinnert sich Simon von Gunten: Durch die Erweiterung seines Hofs wurde eine effizientere Bewirtschaftung und damit auch der neue Bau unumgänglich.

Aufgeben oder erweitern

Allein in der Gemeinde Sigriswil sind seit dem Jahr 2000 etwa 15 vergleichbare Anlagen errichtet worden. Mit von Guntens Scheune findet diesen Frühling nun die vielleicht auffälligste Baustelle der Region ihren Abschluss. Schaut man zurzeit von Spiez über den See auf die «Sigriswiler Seite», geht der Blick automatisch auf den markanten hellen Fleck am Margel.

«In einem Jahr sieht das schon anders aus», ist der Bauer und Bauherr überzeugt. «Dann ist der Umschwung wieder grün, und das Holz der Scheune dunkelt durch Sonne und Wetter langsam ab.» Zudem soll auf der Unterseite eine Obstbaumreihe Teile der Fassade kaschieren.

Die Situation der Familie von Gunten steht für viele Landwirte und Bergbauern. «Weil sie zu klein sind oder keine Nachfolge finden, werden in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren nochmals rund ein Drittel der Bauernbetriebe verschwinden», schätzt Simon von Gunten. «Aufgeben oder erweitern» bedeute es für viele. Das Land der aufgegebenen Betriebe übernehmen jene, die erweitern.

Schicksalsschlag

Die Vorteile der neuen Scheune neben dem bestehenden Hof und Wohnhaus an der Margelstrasse 57 liegen auf der Hand. Endlich sind alle Tiere und das Futter unter einem Dach. Es gibt Luft und Raum. Bis anhin war das Vieh auf zwei Ställe verteilt; Heu, Stroh und Siloballen mussten sogar in vier verschiedene kleine alte Scheunen eingelagert und von dort dann wieder zugeführt werden. Ein zeitraubendes Hin und Her.

So plante Simon von Gunten 2013 gemeinsam mit Vater Andres und seiner Frau Manuela den Neubau, der vom Familienbetrieb zu grossen Teilen in Eigenleistung realisiert werden sollte.

Doch dann schlug das Schicksal zu, mit bitterer Ironie. Ausgerechnet beim Führen von Stroh zu einer kleinen Scheune wurde Andres von Gunten im Spätsommer 2015 bei einem tragischen Unfall aus dem Leben gerissen.

Durch dick und dünn

Zum Verarbeiten des Verlusts kam die massive zusätzliche Arbeitsbelastung. Den Bauernbetrieb führen und gleichzeitig Tag für Tag alle Arbeiten auf der Baustelle planen, koordinieren und dirigieren. Zum Glück kam viel Hilfe aus Familie, Verwandtschaft und von einer Nachbarsfamilie.

Und Manuela von Gunten, die zu 50 Prozent als Niederlassungsleiterin einer Bankfiliale in Sigriswil arbeitet, erledigte alle Büroarbeiten rund um das Bauprojekt – ein enormer adminis­trativer Aufwand. «Ohne sie hätte ich das niemals bewältigen können», sagt Simon von Gunten dankbar.

«Einen solchen Betrieb kann man nur führen, wenn man gemeinsam durch dick und dünn geht und gesund bleiben darf.» Nach dem Bezug des Stalls in einem Monat dürfte dann endlich einiges «ringer» gehen.

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