Gut gelaunt gegen Schnee und Regen

Thun

Die 10. Ausgabe des Swatch Rocket Air bot viel sportliches Spektakel am Limit, hatte aber weniger Zuschauer als auch schon – wohl auch wegen der Schnee-Premiere zum Jubiläum.

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Marco Zysset@zyssetli

Bunte Bonbons. Tischbomben. «Rittiplampi». Rutschbahn. Zuckerstöckli. Torte. Ein Clown. Und ein Häuschen, in dem man Verstecken spielen kann. Die Organisatoren des Swatch Rocket Air haben für die Party zur 10. Ausgabe alles hervorgeholt, was das Kinderherz für ein echtes Geburtstagsfest begehrt. Bunt, ausgelassen und fröhlich war sie denn auch, die Jubiläumsausgabe des Events in der Eishalle Grabengut in Thun, der zu den zehn wichtigsten seiner Art auf der Welt gehört. Oder anders gesagt: Kindergeburtstag ist, wenn niemand sauer wird, wenn die Kids öfter die Rutschbahn hochgehen als runterrutschen.

Die Kinder – pardon, die Fahrer – waren auf jeden Fall in allen Phasen des Wettkampf-Wochenendes froh um die Rutsche. Aber eben nicht als Rutsche, sondern als Möglichkeit, nach einem Sturz auf der grossen Landung zu Fuss aufs nächste Hindernis zu gelangen. Dieser Stürze gab auch bei der 10. Ausgabe etliche – weil die Fahrer hoch motiviert und mit viel Ehrgeiz zu Werke gingen. Dass das Publikum dieses Spektakel mit grossartiger Stimmung dankte, dafür ist der Anlass in Thun mittlerweile weltbekannt – auch wenn dieses Jahr nicht zuletzt als Folge der schlechten Wetterprognosen namentlich am Samstagnachmittag nicht ganz so viele Leute aufs Gelände rund um die Eishalle strömten wie in den Vorjahren.

Langjährige Partner geehrt

Trotz des Weltruhms haben die Organisatoren nicht vergessen, an der Jubiläumsausgabe jenen zu danken, die seit der ersten Ausgabe 2010 mit dabei sind: Vertreter der Stadt Thun, von BeO Logistik, der Bank AEK sowie Autoradio Moser wurden für ihre langjährige Treue als Eventpartner geehrt. «Jeder Biker hat ein Mobiltelefon, die meisten haben ein Auto», antwortete Christian Eichenberger, Inhaber von Autoradio Moser, auf die Frage, warum er mit seinem Kleinbetrieb den Grossanlass unterstütze. «Und weil der Event einfach cool ist und alle ihren Teil zum Gelingen beitragen.» Wobei auch er selber heuer seinen Beitrag etwas anpassen musste: Der ansonsten beliebte Töggelikasten an seinem Stand blieb mit Blick auf das Wetter daheim.

Aktiv betätigen konnten sich die Besucher am Stand von Energie Thun, wo sie mit Körpereinsatz auf einem umgebauten Velo das eigene Hotdog-Würstchen zum Verzehr aufheizen konnten. Ein Angebot, das offensichtlich Anklang fand, war doch die berechnete Anzahl Wienerli nach kurzer Zeit weg, wie die Stand- und Marketingverantwortliche Monika Spycher erklärte.

Wie die Energie Thun AG ist auch die Niederhornbahn als Tochterfirma der Verkehrsbetriebe STI seit mehreren Jahren am Rocket Air präsent: heuer mit einem Trottinettparcours, auf dem Gross und Klein nicht nur Geschicklichkeit beweisen konnte, sondern auch die Fähigkeit, die eigenen Skills einzuschätzen. «Es fägt eifach», schwärmte Yvonne Tschabold, welche den Stand zusammen mit der neuen Marketingleiterin Livia Zehnder betreute, «nicht zuletzt, weil wir jedes Jahr neue Ideen aushecken können, wie wir uns präsentieren und den Besuchern etwas bieten wollen.»

Favoriten scheitern

Etwas bieten wollten auch die Sportler dem Publikum. Nachdem Vorqualifikation und Qualifikation schon auf hohem Niveau abgelaufen waren, mussten die zwanzig Finalteilnehmer am Samstagabend allesamt von Anfang an ans Limit gehen, wollten sie einen Spitzenrang herausfahren. Zwei der Topstars, die ihr Leistungsniveau nicht abrufen konnten, waren die beiden zweifachen Rocket-Air-Sieger und Publikumslieblinge Nicholi Rogatkin (USA) und Sam Pilgrim (GB). Beide patzten und landeten ausserhalb der Top 10: «Aber hier in Thun spielt der Rang eine untergeordnete Rolle – weil das Publikum sowieso das beste der Welt ist!», schwärmte Pilgrim indes im TV-Interview.

Gemischte Gefühle

Dass Thun laut sein kann, bewiesen die Fans bei den Läufen des Zürchers Lucas Huppert. Doch auch ihm gelang kein fehlerfreier Wettkampf; er landete wie im Vorjahr auf Platz 8. Den Sieg holte erstmals der Pole Dawid Godziek, notabene der Einzige, der im Finale ohne Fehler und auf Topniveau durchkam.

Lucas Huppert war indes schon am Freitag der spektakulärste Fahrer des Schweizer Teams in der Teambattle, des notabene mit Abstand grössten Teams am Wochenende, an dem Fahrer aus zwölf Nationen am Start waren. Dass die Lokalmatadoren so zahlreich wie nie zuvor an den Start gingen, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Organisatoren des Rocket Air in Thun den Nerv nicht nur der Zeit, sondern einer ganzen Generation treffen mit ihrem Anlass.

OK-Chef Jérôme Hunziker zeigte sich am Sonntag insgesamt zufrieden mit der Jubiläumsausgabe des Swatch Rocket Air. «Wir, die Fahrer und das Publikum hatten viel Spass», sagte er, «und wir haben richtig grossen Sport gesehen.»

Sportlich habe sich der Seeding Run am Samstagabend vor dem Finale bewährt, sagte Hunziker. In diesem absolvierten die Fahrer, die nicht durch die Quali mussten, einen Wettkampflauf vor dem Final. Die Zuschauer ohne Finalticket konnten so die Topstars wenigstens einmal in Action zu sehen. Organisatorisch sei namentlich das aufgeräumtere Aussenfeld mit Messebetrieb gut angekommen. Allerdings mahnte Hunziker auch: «Wir haben Sponsoren verloren und werden heuer mit einem Defizit abschliessen. Das zeigt, dass es auch nach 10 Jahren nicht selbstverständlich ist, einen Anlass wie den Rocket Air zu haben.»

Thuner Tagblatt

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