Thun

Hochwasserschutz am Thunersee: Die Geschichte wiederholt sich

ThunSeit jeher wird der Hochwasserschutz im Kanton Bern diskutiert. Viel wurde seither unternommen, trotzdem kam es immer wieder zu erheblichen Katastrophen.

Ein Schild an der Lütschine warnt vor plötzlichen Hochwassern.

Ein Schild an der Lütschine warnt vor plötzlichen Hochwassern. Bild: Fritz Lehmann

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Das Hochwasser von 1868, das den Schweizer Alpenbogen heimsuchte, setzte ein Umdenken in Politik und Gesellschaft in Gang. Nach der Katastrophe genoss der Hochwasserschutz plötzlich Priorität. Doch die Gefahr geriet in Vergessenheit - auch im Kanton Bern.

Ein erster Weckruf kam 1999. Ein äusserst schneereicher Winter führte im Frühjahr zu einem verheerenden Hochwasser. Stark betroffen waren namentlich die Stadt Thun, die Gebiete am Thunersee und entlang der Aare. Seit Menschengedenken hatte man in der Region keine solche Flut mehr erlebt.

Zwar wusste man von verheerenden Hochwassern im 19. Jahrhundert, nicht zuletzt durch die vom Emmentaler Dichter Jeremias Gotthelf beschriebene «Wassernot im Emmental». Doch im 20. Jahrhundert gab es kaum mehr grössere Ereignisse. Umso ungläubiger rieben sich die Thunerinnen und Thuner im Juni 1999 die Augen, als der See- und Aarepegel kräftig anstieg und die Stadt unter Wasser setzte.

Die Diskussionen über Hochwasserschutzmassnahmen kamen nach dem Ereignis zwar in Gang, doch im konkreten Einzelfall erwies sich die Realisierung aber als ausgesprochen zäh.

2005 rollte bereits die nächste «Jahrhundertflut» an. Spätestens jetzt war klar, dass der Hochwasserschutz mit Volldampf vorangetrieben werden musste.

In der Bevölkerung begann sich auch zunehmend die Erkenntnis durchzusetzen, dass die vor Generationen gezähmten und verbauten Gewässer wieder mehr Platz bekommen sollen. Denn aufgrund des Klimawandels würde man künftig häufiger mit grossen Hochwassern rechnen müssen.

Seit den grossen Hochwasserkatastrophen von 1999 und 2005 wurde der Kanton Bern immer wieder von schweren, aber lokaleren Ereignissen heimgesucht. 2007 traf es die Region Huttwil schwer. Auch im Seeland kam es zu Verwüstungen. 2008 und 2012 war das obere Emmental betroffen, 2011 das Kandertal.

Landauaf, landab wurden und werden zahlreiche Hochwasserschutzprojekte umgesetzt. 2009 konnte in Thun der über 50 Millionen Franken teure Hochwasser-Entlastungsstollen eingeweiht werden. 2012 nahm auch ein Entlastungsstollen in Lyss seinen Betrieb auf.

An der Aare bei Rubigen entstand eine komplett neue Uferlandschaft. Die Aare wurde verbreitert und neue Seitenarme und Inselchen prägen nun die Landschaft. Ein Schutzdamm verhindert, dass die nahe Autobahn überflutet wird. (lub/sda)

Erstellt: 11.09.2018, 17:08 Uhr

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