Hotel-Halbtax wurde zu Volltreffer

Thun

Vor sechs Jahren lancierten die beiden Thuner Ivan Schmid und Marco Zumkehr die Hotelcard. Inzwischen beschäftigt die Firma 17 Angestellte und hat bereits 160'000 Karten für Hotelübernachtungen zum halben Preis verkauft.

Sie freuen sich über den Erfolg der Hotelcard (v.?l.):?Fabio Bolognese, Ivan Schmid und Marco Zumkehr.

Sie freuen sich über den Erfolg der Hotelcard (v.?l.):?Fabio Bolognese, Ivan Schmid und Marco Zumkehr.

(Bild: Markus Hubacher)

Eigentlich hatte der Thuner Ivan Schmid mit der Hotellerie nichts am Hut. Als Gründer der Firma Comvation ist er in der IT-Branche tätig. Doch in einem ­Gespräch mit den Eltern seiner damaligen Freundin, die im Bündnerland ein Hotel führten, entstand die Idee eines Halbtax-Abonnements für Hotels.

Ausgangspunkt war die schlechte Auslastung vieler Hotels übers ganze Jahr hinweg. In Anlehnung an das Halbtax-Abonnement der SBB war die Geschäftsidee ge­boren. «Die Anfangszeit war jedoch harzig», erinnert sich Fabio Bolognese, der seit dem Anfang als CEO dabei ist und das Geschäft seit Ende 2009 aufgebaut hat.

Es dauerte rund neun Monate, bis 200 Hotels einen Vertrag für die Zusammenarbeit unterzeichnet hatten und mitmachten. «Da brauchte es teilweise grosse Überzeugungsarbeit», erzählt Bolognese. Inzwischen gibt es auf der Buchungsplattform der Hotelcard 570 Hotels, davon etwa 150 auch aus dem näheren Ausland. Letztes Jahr konnten so fast 300'000 Logiernächte vermittelt werden.

Rund 100 000 Karten

Auch finanziell wurde die Idee zur Erfolgsstory. Bereits 2012 habe man die Gewinnzone erreicht. Letztes Jahr konnte der Umsatz nochmals um 58 Prozent auf gut sechs Millionen Franken gesteigert werden. «Klar wird es nicht immer so weitergehen, aber das Potenzial ist noch gross», ist Bolognese überzeugt.

Momentan seien rund 100'000 Hotelcards im Umlauf. Diese Karten, die 95 Franken kosten, bringen der Firma den Umsatz. Denn die Hotels bezahlen im Unterschied zu anderen Buchungsplattformen keine Kommissionen.

«Aufgrund des Reiseverhaltens der Schweizerinnen und Schweizer schätzen wir die Marktsättigung der Hotelcard bei 500'000 bis 800'000 Abos ein», meint Bolognese. Zudem wolle man ins grenznahe Ausland expandieren. Dazu wurde Ende 2015 eigens eine neue Firma gegründet.

Mehrumsatz für Hotels

Nicht nur für die Macher der Hotelcard, sondern auch für die beteiligten Hotels erwies sich die Idee laut Bolognese als gewinnbringend. «Unsere Partnerhotels sind sehr zufrieden, denn sie können mit dem Halbtax-Tarif Zusatzbuchungen in schwächeren Zeiten generieren», sagt Bolognese.

Zudem würde in der Regel auch der Umsatz in der Restauration steigen. Für die Hotels entstehen ausserdem keine Zusatzkosten, da keine Kommissionen oder Gebühren bezahlt werden müssen. Die Partnerhotels müssen sich einfach verpflichten, an 180 Tagen im Jahr ein Kontingent an Zimmern zur Verfügung zu stellen. Und dies mit einem Rabatt von 50 Prozent auf dem Listenpreis.

Mehrheit erneuert Abo

Aber auch die Reaktionen der Gäste beurteilt Bolognese als mehrheitlich positiv. So würden 75 Prozent der Karteninhaber ihr Abonnement jeweils erneuern. Allerdings sei klar, dass zu stark nachgefragten Zeiten nicht immer Zimmer verfügbar seien.

«In Städten hingegen findet man bei uns praktisch immer ein Zimmer», sagt Bolognese. Auch die Einhaltung des 50-Prozent-Rabatts werde regelmässig kontrolliert. Beanstandungen gebe es hin und wieder, sie seien aber selten.

Allerdings sei es den Hoteliers nicht verboten, auch andere Aktionen zu machen. «Darauf können wir dann allerdings nicht den halben Preis anbieten», stellt Bolognese klar. Aber insgesamt zieht er ein positives Fazit: «Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.»

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