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«Ich könnte den ganzen Tag nichts anderes machen»

Mit «Ume» ist dem Thuner Rapper Saimon Disko ein angenehm frisches und eigenständiges Erstlingswerk gelungen.

Manuel Berger
Der Thuner Rapper Saimon Disko präsentiert stolz sein jüngstes Werk.
Der Thuner Rapper Saimon Disko präsentiert stolz sein jüngstes Werk.
Manuel Berger

Er wurde 2016 zum inoffiziellen Schweizer Meister in der Kategorie «Freestyle Battle Rap» gekürt. Nun legt Saimon Disko mit «Ume» ein beeindruckendes Debutalbum vor. Mit zwölf Liedern, die den Nerv der Zeit treffen, beweist der talentierte Thuner Rapper, dass sich Hip-Hop aus der Kyburgstadt nicht zu verstecken braucht.

Wie fühlt es sich an, das eigene Debutalbum in Händen zu halten?

Saimon Disko: Es fühlt sich an, als hätte sich die Arbeit gelohnt. Ich bin stolz. Auch weil ich es zusammen mit meinen Jungs gemacht habe. Wir können sagen: Hey, wir haben diesen Shit gemacht.

Sie reden von den Produzenten?

Ja. Hauptproduzent war Darrell, daneben wirkte auch N. Müller als Produzent mit. Beide sind wie ich in Thun aufgewachsen. Zudem wurde alles hier im Steaming Stack Studio in Spiez aufgenommen.

«Ume» ist der Titelsong des Albums von Saimon Disko. Video: Youtube/Saimon Disko

Wie muss man sich die Arbeit am Album vorstellen?

Ich lieferte die Texte und die Raps. Zusammen haben wir an der Musik gefeilt. Sie ist komplett am Computer entstanden.

Die Produktion klingt sehr professionell und modern. Wie sind die Songs stilistisch einzuordnen?

Ich würde sie dem New School und dem Trap zuordnen (Anm. d. Red.: Charakteristisch für Trap sind ein elektronischer Sound, schwerfällige Beats mit schnellen Hi-Hats und sehr tiefen Bässen. Im Hip-Hop-Trap variiert der Rap Tempo und Rhythmus in typischen Mustern). Zuvor hatte ich eher Old School gemacht und mehr Wert auf die Message gelegt. Nun geht es mehr um die Vibes.

Stehen hinter diesem Entscheid auch kommerzielle Gründe?

Auch. Aber das Album ist nicht allein auf kommerziellen Erfolg ausgerichtet. Es ist mir auch darum gegangen, mit der Zeit zu gehen. Es sind vielmehr Songs als nur Raps, und die kreierten Soundbilder stehen im Vordergrund. Das heisst aber nicht, dass die Songs keine Messages enthalten, sie sind nur besser versteckt.

Worum geht es denn in den Texten?

Thematisch bewegen sie sich zwischen Conscious Rap (Anm. d. Red.: politischer, sozialkritischer Rap) und Battle Rap. Der Battle Rap gibt einem die Freiheit zu «proleten», aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Und dann gibt es lustige und tiefgründige Dinge, die mich im Alltag prägen.

Können Sie ein Beispiel geben?

In der ersten Single «Chopin» gibt es zum Beispiel diese Zeile «Lueg, i weiss, äs git Länder, wo drunger lide, dass mir sones grosses Agebot hei / Aber wäg däm mues i glich öpis ässe u bringe am Aabe Brot hei». Der Song ist eine lustige wie auch kritische Auseinandersetzung mit unserem Konsumverhalten.

Im Titelsong des Albums geht es um wahre Freundschaft. Das will wiederum so gar nicht zum heutigen Mainstream-Hip-Hop mit seiner Gangsta-Attitüde passen.

Ich bin kein Gangster. Das würde man mir auch nicht abnehmen, wenn ich so tun würde als ob.

Trotzdem gebrauchen Sie Wörter wie «Nutte» oder «Bitch». Ist das nicht sexistisch?

Meine Mutter fragte mich schon, ob es nicht ohne gehe, und natürlich haben Mütter immer recht. Aber der Gebrauch dieser Wörter ist für mich wie ein Stilmittel. Ich kann nicht anders. Die Frage ist, ob man es als Teil des Hip-Hops anerkennen kann. Ich kann verstehen, wenn jemand das nicht gutheisst. Aber alle, die mich kennen, wissen, dass ich kein Sexist bin.

Abgesehen von Ihrer Mutter: Hat das Album Anklang gefunden?

Ich habe viele Komplimente für die Musikvideos erhalten. Viele meiner Kollegen hören überhaupt keinen Schweizer Rap, dennoch habe ich grosse Unterstützung von ihnen gespürt. Aber manchmal habe ich mich gefühlt wie ein Staubsaugerverkäufer.

Steht es so schlecht um die Thuner Rap/Hip-Hop-Szene?

Die Szene im ganzen Oberland ist massiv unterbewertet. Dabei ist das Potenzial riesig. Allein in diesem Jahr wurden starke Alben veröffentlicht von NDM, Rapamole oder Beosquad.

Könnte der Erfolg des Berner Rappers Nativ helfen?

Ja, alle, die in der Schweiz Hip-Hop machen, profitieren davon. Man könnte ihn schon als Wegbereiter bezeichnen.

Ist es denn ein Ziel, von der Musik leben zu können?

Ich könnte den ganzen Tag nichts anderes machen, von daher würde ich gerne davon leben. Aber im Moment sehe ich keinen realistischen Weg, wie das möglich sein sollte. Hauptsache ist, ich kann mein Ding machen.

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