Im Justistal entsteht ein Naturwaldreservat

Sigriswil

Rund um die Schwandflue im Justistal wird künftig der natürlichen Waldentwicklung freien Lauf gelassen. Das 56-Hektaren-Waldstück wird für mindestens 50 Jahre unter Schutz gestellt.

Keine Eingriffe mehr: Die Schwandflue wird sich selbst überlassen.

Keine Eingriffe mehr: Die Schwandflue wird sich selbst überlassen.

(Bild: zvg)

Nein, im wildromantischen Justistal entsteht kein Indianerreservat, dafür ein sogenanntes Naturwaldreservat: Das teilten am Freitag die Gemeinde Sigriswil, Pro Natura Bern und Pro Natura Schweiz mit. Die Parteien haben am Donnerstag einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Die Schaffung des neuen Naturwaldreservates leiste einen «dringend benötigten Beitrag an das schweizweite Netz der Waldreservate» (siehe Kasten).

Das Justistal am Nordostufer des Thunersees ist bekannt für den alljährlichen «Chästeilet» und die Rothirschbrunft jeweils im Herbst. Und nun entsteht dort gemäss Medienmitteilung offiziell eine neue Naturattraktion. Für die kommenden 50 Jahre wird sich auf einer Fläche von rund 90 Fussballfeldern (56 Hektaren) um die Schwandflue am Westhang des Tales der Wald ganz natürlich und ohne grosse Eingriffe entwickeln können.

Das neue Naturwaldreservat im Justistal ist ein stufiger Bergwald. Der von der Topografie her nutzbare Teil des Waldes wird seit einigen Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet.

Totholz lebt

Das bringt mit sich, dass bereits einiges an Alt- und Totholz vorhanden ist und die natürlichen Prozesse im Wald ungestört ablaufen. «Dies ist für die Artenvielfalt im Wald von grossem Nutzen», teilen die Partner mit. Denn in Höhlen von alten oder abgestorbenen Bäumen nisteten seltene Vögel oder würden die nachtaktiven Fledermäuse ein Lager finden, um den Tag zu verbringen. Diese Bäume werden auch zur Heimat von Dutzenden Insekten-, Flechten- und Pilzarten, die wiederum teilweise als Futter für Tiere dienen können. Das Justistal ist zudem reich an Brutvogel- und Wildvorkommen und beheimatet seltene Waldgesellschaften wie den sogenannten Blockschutt-Fichtenwald.

Lokales Engagement

Die Initiative für das neue Naturwaldreservat ging vom lokalen Forstbetrieb Sigriswil aus. Förster Björn Weber habe den ökologischen Wert des abwechslungsreichen Waldstücks am Westhang des Justistals erkannt. In Pro Natura Bern und Pro Natura habe er Partner gefunden, die geholfen hätten, den Plan für das neue Naturwaldreservat umzusetzen. Der Verzicht auf die wirtschaftliche Nutzung des Waldes ist das zwingende Merkmal eines Naturwaldreservates. Diesen Nutzungsverzicht gilt Pro Natura den Waldbesitzern finanziell ab.

Im Fall Justistal sind das laut Verena Wagner, Präsidentin Pro Natura Bern, für die nächsten 50 Jahre insgesamt 55 000 Franken, die an die Waldbesitzer, die Einwohnergemeinde Sigriswil, gehen. Für den Forstbetrieb der Gemeinde Sigriswil, mit insgesamt 1450 Hektaren Wald, hat der Nutzungsverzicht gemäss Mitteilung auch positive Auswirkungen auf die Tätigkeiten des Forstpersonals. Durch die Kombination von nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Naturschutz «ergeben sich immer wieder interessante Aufträge im Bereich Biodiver­sität».

Thuner Tagblatt

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