Im Wacker-Modus

Die Thuner deklassieren Suhr 27:18 und sind dabei jene Version ihrer selbst, vor der sich die Konkurrenz fürchtet.

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Adrian Horn

Am Ende ergibt alles irgendwie Sinn. Grün gewinnt am Gründonnerstag, die Leute vom Fanclub Green Hornets jubeln. Ihren ersten Heimsieg im neuen Jahr feiern die Berner Oberländer. Sie tun dies ungewöhnlich spät, erst im sechsten Anlauf. Aber es geschieht zumindest aus ihrer Perspektive zum richtigen, weil wichtigen Zeitpunkt.

Der Abend hätte für sie ja ein sehr bitterer werden können. Hätten die Thuner verloren, wäre ihre Saison vielleicht schon am Sonntag zu Ende gegangen. So aber gleicht Wacker die maximal fünf Partien dauernde Playoff-Viertelfinal-Serie gegen Suhr zum 1:1 aus. Und der Titelverteidiger bezwang den Kontrahenten nicht bloss; er deklassierte ihn. Ans Lichterlöschen denkt in der Lachenhalle gerade keiner.

Des Cupsiegers Vortrag war eine Demonstration seiner Wucht und seiner Klasse. Es handelte sich um eine Darbietung jenes Wackers, vor dem sich die Widersacher so sehr fürchten. 12:3 (!) führten die Hausherren nach 23 Minuten, später lagen sie mit 13 Treffern Differenz vorn. 27:18 gewannen sie eine Partie, die gefühlt nach der Startphase entschieden gewesen war. Abermals lieferte Martin Rubins Mannschaft in einer zentralen Begegnung.

Es war einer jener Tage, an denen Wacker zumindest von der inländischen Konkurrenz gewissermassen nicht zu schlagen ist, vergleichbar mit dem 37:28 gegen die Schaffhauser oder dem 32:23 gegen die Winterthurer letzte Saison. Die Gastgeber überrannten die Aargauer förmlich, und mit Keeper Marc Winkler sowie den Aufbauern Nicolas Suter und Nicolas Raemy wussten sie die Figuren des Spiels in ihren Reihen. 1230 Leute sahen ihnen zu; eine Stunde vor Matchbeginn hatte sich vor dem Bratwurststand bereits eine Schlange gebildet. Die Thuner und ihr Umfeld: Sie sind angekommen im Playoff.

Das Cup-Gesicht

«Genau so müssen wir auftreten: mit Leidenschaft und viel Tempo», sagt Rückraumakteur Damien Guignet. «Wir können nur Erfolg haben, wenn wir alles in die Waagschale werfen.» Am Dienstag habe dies nicht geklappt. 24:27 verlor Wacker da. «Wir waren alle mit uns selber beschäftigt und konnten unser Potenzial nicht abrufen», erzählt der Westschweizer. 48 Stunden später präsentierte die Mannschaft ihr anderes Gesicht: jenes, das sie bis dahin vornehmlich im Cup gezeigt hatte.

«Genau so müssen wir auftreten: mit Leidenschaft und viel Tempo.»Damien Guignet

Begegnung 3 folgt morgen (16 Uhr, live auf Mysports) in Aarau. Gewinnen die Thuner erneut, können sie am Dienstag zu Hause in den Halbfinal einziehen. Nicht nur wegen des deutlichen Erfolges liegen die Vorteile nun auf ihrer Seite. Mit Martin Slaninka fällt ein Schlüsselspieler Suhrs aus. Der Slowake – wirkungsvoll am Kreis, unnachgiebig im Verteidigen – verletzte sich in der Auftaktpartie.

Aufseiten der Thuner figurierten jene Akteure in der Startaufstellung, die bereits im Schachen hatten beginnen dürfen. Sie bilden gegenwärtig den Stamm. Ivan Wyttenbach führt Regie, flankiert im Rückraum von Suter und Raemy. Das Trio steht für Spielwitz und Abschlussstärke. Die Routiniers Luca Linder, Jonas Dähler (Flügel) und Reto Friedli (Kreis) sind genauso erste Wahl, wenngleich sich Letzterer unverändert steigern kann. Den Innenblock belegen Stefan und Simon Huwyler, das Tor hütet Winkler. Leute wie Flavio Wick, Thomas Lanz und Guignet sind in der Lage, in die Bresche zu springen. An Krücken geht Phillip Holm. Auch ohne ihn und den gleichfalls verletzten Ron Delhees verfügen die Oberländer über ein Team, für das die Saison bis Ende Mai dauern kann.

Berner Zeitung

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