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In das Militär getrommelt

Svea Berchtold bestand die Aufnahmeprüfung für die RS in der Militärmusik. Der Weg dorthin war lang.

Svea Berchtold trommelt leidenschaftlich gerne.
Svea Berchtold trommelt leidenschaftlich gerne.
Patric Spahni

Fragte man Menschen, welchen Teil ihres Körpers sie optimieren möchten, lauteten die Antworten wohl: Bauch, Beine, Bizeps. Vielleicht noch die Nase. Kaum jemand würde den linken Zeigefinger nennen. Svea Berchtold tut es.

Nun, die 19-Jährige ist eben nicht irgendjemand. Sie ist die dritte Trommlerin, welche die Rekrutenschule in der Schweizer Militärmusik besucht. Der letzte weibliche Tambour absolvierte die Musik-RS vor zehn Jahren.

Den Finger umtrainieren

Bis Berchtold im Januar für 18 Wochen einrückt in die Kaserne Aarau, übt sie, was ihr die Experten nach der bestandenen Aufnahmeprüfung aufgetragen haben: «Mein linker Zeigefinger liegt zu lose am Schlägel. Das muss ich jetzt umtrainieren.»

Seit zehn Jahren trommelt Berchtold, da falle es ihr schwer, bei Bewegungen, die sie tausendfach ausgeführt hat, die Finger plötzlich anders zu platzieren.

Zumindest Zeit zum Üben habe sie im Moment genügend. Im Sommer machte sie die Matur, seither ein Zwischenjahr. Das nützt sie auch, um ihr Wissen mit Jüngeren zu teilen.

«Mein linker Zeigefinger liegt zu lose am Schlägel. Das muss ich jetzt umtrainieren.»

Svea Berchtold

Bei den Kadetten, wo sie selber das Handwerk lernte, unterrichtet sie, wenn der Leiter in den Ferien ist. Und im Winter will sie vielleicht im Wallis als Skilehrerin arbeiten, wie sie es letztes Jahr getan hat.

Erste Priorität: Trommeln

Als Berchtold 2014 Tambourenmajor bei den Kadetten war, schwärmte ihr damaliger Leiter von der Militärmusik, deren toller Ausbildung und den Auftritten an renommierten Anlässen wie dem Royal Edinburgh Military Tattoo. Seine Schülerin war begeistert – und geimpft mit einem neuen Ziel.

Nach dem Austritt aus den Kadetten liess sie die Trommel nicht verstummen, sondern schloss sich der Showformation Cliffhangers Thun an, reiste nach Bern in die Kaserne, als die Militärmusik informierte über die Aufgaben der Aufnahmeprüfung. Ein Saal, 20 Männer und Svea.

«Dass ich die einzige Frau war, störte mich nicht. Ich habe zwei ältere Brüder, da bin ich solche Situationen gewohnt.» Viel mehr interessierte sie, was verlangt wird an der Prüfung: Theorie, Notenlesen, Grundlagen und zwei Stücke. Vier Jahre übte Berchtold diese Aufgaben, die letzten Monate vor der Prüfung derart intensiv, dass sie austrat aus ihrem Volleyballverein.

Die nächste Prüfung wartet

Nach ihrer längeren Sportabstinenz muss Berchtold jetzt wieder trainieren – im November steht die Sportaushebung an. «Ich habe ein Abo gelöst in einem Fitnesscenter, doch das ist nicht so mein Ding. Teamsport mag ich lieber.» Wenn sie nach der RS zurückkehrt nach Thun, will sie darum ein neues Team suchen.

Noch wichtiger ist ihr aber ein anderer Plan: die Vorbereitung für die nächste Aufnahmeprüfung, dieses Mal jene für das Studium der Zahnmedizin.

«Rächt ufgregt» fühle sie sich im Moment. Denn was genau sie in der RS erwartet, weiss Berchtold nicht. Vielleicht werde sie vor der RS einmal nach Aarau reisen, sich Stadt und Kaserne ansehen. Die Kulissen ihres Abenteuers.

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