Zum Hauptinhalt springen

«In Thun wäre das Potenzial da»

Ein Fahrradparadies nach dem Vorbild Kopenhagens? Um Thun velofreundlicher zu machen, solle man nicht kopieren, sondern adaptieren, meinte Verkehrsexperte Fritz Kobi.

Fritz Kobi, ehemaliger Kreisoberingenieur Bern-Mittelland, sprach an der Mitgliederversammlung von Pro Velo Region Thun über eine mögliche Kopenhagenisierung Thuns.
Fritz Kobi, ehemaliger Kreisoberingenieur Bern-Mittelland, sprach an der Mitgliederversammlung von Pro Velo Region Thun über eine mögliche Kopenhagenisierung Thuns.
Manuel Berger

Standardmässig über drei Meter breite Fahrradspuren, Radschnellwege, neue Velobrücken und ein Radverkehrsanteil von rund 30 Prozent: Kopenhagen gilt seit einiger Zeit als die Fahrradstadt schlechthin. Für die Umgestaltung von Städten mit besonderer Bevorzugung des Radverkehrs hat sich daher gar der Begriff «Kopenhagenisierung» eingebürgert.

Wie viel Kopenhagenisierung ist in Thun möglich und sinnvoll? Im Anschluss an den ordentlichen Teil der Mitgliederversammlung von Pro Velo Region Thun ging Fritz Kobi, ehemaliger Kreisoberingenieur Bern-Mittelland, genau dieser Frage auf den Grund.

«Es ist letztlich ein Verteilkampf.»

Fritz Kobi, ehemaliger Kreisoberingenieur Bern-Mittelland

Anhand von Bildern brachte Kobi den anwesenden Mitgliedern näher, was die dänische Hauptstadt als Fahrradparadies auszeichnet. Oft seien die bis zu vier Meter breiten Radwege, zwischen Trottoir und Strasse liegend, mit einem eigenen Bordstein versehen, sagte Kobi. «Die breiten Streifen geben den Radfahrern ein hohes Sicherheitsgefühl.»

Dieses Gefühl werde noch verstärkt, wenn zwischen Radweg und Strasse Parkfelder angelegt seien, auf denen die Wagen einen visuellen Schutz vor den fahrenden Autos böten. Allein das hohe Sicherheitsgefühl führe dazu, dass die Menschen sich bei der Wahl des Verkehrsmittels öfter für das Fahrrad entscheiden würden, sagte Kobi. Ein anderer Faktor sei die Zeit. Auf den Radspuren entlang der Hauptachsen sei das Fahrrad in der Stadt das schnellste Verkehrsmittel.

Der Platz ist begrenzt

Und in Thun? «Wir müssen uns nicht verstecken», sagte Kobi und versuchte seine Aussage sogleich mit positiven Beispielen aus der Region zu untermauern. Auf dem Veloweg zwischen Thun und Heimberg hätten Radfahrer fast durchgehend freie Fahrt, und das Miteinander mit Fussgängern auf dem Aarequai gefalle ihm, sagte der ehemalige Kreisoberingenieur. Anhand Thuns «berühmten blauen Wellen» führte Kobi an, was in der Stadt fast immer zum Problem wird: der Platzmangel. Zwar hätten die Radfahrer durch die Mittelinsel mehr Platz und Sicherheit beim Linksabbiegen, doch dieselbe Mittelinsel führe dazu, dass es an der Seite der Fahrbahn eng werde.

Angesichts des Modal Split – also der Verteilung des Transportaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel – gäbe es in der Kyburgstadt noch viel Luft nach oben, sprich bis zu Kopenhagener Verhältnissen. «In Thun wäre das Potenzial da», sagte Kobi, denn fast die Hälfte der Etappen entfalle noch auf den motorisierten Individualverkehr. Doch was in Thun so sei, gelte generell: Je urbaner der Raum, umso kürzer die Wege und umso höher das Velopotenzial, aber eben auch umso enger und begrenzter der Platz. «Es ist letztlich ein Verteilkampf», sagte Kobi.

Fachleute miteinbeziehen

Der Verkehrsexperte zeigte auf, dass allein mit Markierungen viel aus der bestehenden Infrastruktur herausgeholt werden kann. Durch eine optimale Nutzung des Verkehrsraumes fühlten sich auch im Kanton Bern Radfahrer sicherer und würden die schnelleren Hauptstrassen vermehrt nutzen, meinte Kobi. Man könne Kopenhagen nicht kopieren, sagte er zusammenfassend, aber man solle von der Stadt lernen und gute Ideen adaptieren. Und: «Verwaltungen sollen keine Angst vor Velofachleuten haben.» Es sei immer besser, viele verschiedene Meinungen in Projekte einzubeziehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch