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«Ja, aber...» zu den Plänen der Biker

Werden bestimmte Bedingungen eingehalten, können sich die Burgergemeinde Thun, aber auch Pro Natura Bikestrecken durch Wälder in Thun und Steffisburg vorstellen. Dennoch stehen die Pläne für zwei solche Strecken nun im Gegenwind.

Ein Biker fährt durch den Wald Richtung Tal. Dieses Bild stammt vom Homberg Race. Der Verein Bikepark Thunersee will nun zwei permanente legale Bikestrecken in Thun und Steffisburg realisieren.
Ein Biker fährt durch den Wald Richtung Tal. Dieses Bild stammt vom Homberg Race. Der Verein Bikepark Thunersee will nun zwei permanente legale Bikestrecken in Thun und Steffisburg realisieren.
Christoph Kummer

«Das Hauptproblem ist, dass der Wald in Stadtnähe bereits heute intensiv genutzt wird. Wenn noch Biker dazukämen, wären Konflikte vorprogrammiert.» Dies sagte Christoph Spichiger, damaliger Verwalter der Burgergemeinde Thun, im Februar 2012 in dieser Zeitung.

Im Artikel ging es um den erfolglosen Kampf des Vereins Bikepark Thunersee für Mountainbikestrecken, die – unter anderem – durch den Wald der Burgergemeinde Thun geführt hätten.

Heute, knapp sechs Jahre später, liegen zwei Baugesuche für je eine Downhillstrecke von Goldiwil nach Thun und von der Rabenfluh nach Steffisburg vor. Die Pisten kämen zu 99 Prozent auf Land der Burgergemeinde zu ­liegen – und diese wehrt sich nicht mehr gegen das Vorhaben (wir berichteten).

Geld für Burger vom Verein

Wie ist es zum Sinneswandel gekommen? «Es war immer klar, dass wir unter gewissen Bedingungen für eine legale Piste Hand bieten würden», sagt Spichiger, der seit Anfang 2018 nicht mehr als Burgergemeindeverwalter tätig ist, heute. Da die Verhandlungen schon Jahre andauerten und es zu keinem Entscheid kam, setzte die Burgergemeinde dem Verein Bikepark Thunersee in den vergangenen Monaten eine Frist zur Einreichung eines Baugesuchs.

«Es war immer klar, dass wir unter gewissen Bedingungen für eine legale Piste Hand bieten würden.»

Christoph Spichiger, früherer Burgergemeindeverwalter Thun

Der Entwurf für den Nutzungsvertrag der Wälder besteht nämlich – wenn auch noch ohne letzte Details – bereits seit 2015. Als eine der zentralen Bedingungen nennt Spichiger die Klärung der Haftungsfrage. «Inzwischen ist ja auch die Einwohnergemeinde Thun als verlässlicher Partner in der Trägerschaft der Bikestrecken mit dabei. Das gibt uns eine gewisse Sicherheit», so Spichiger.

Überdies wird der Verein Bikepark Thunersee die Burgergemeinde für die Sondernutzung entschädigen müssen – einerseits für die Waldnutzung an und für sich, andererseits für einen Teil der Mehraufwände im Forst und bei der Waldpflege, die durch den Betrieb der Strecken entstehen. «Die Höhe dieser Abgeltung ist indes noch offen und wird für die Burgergemeinde nicht kostendeckend sein», hält Spichiger fest. Der ehemalige Burgergemeindeverwalter macht sich ­freilich keine Illusionen, dass mit legalen Bikestrecken sämtliche Probleme auf einen Schlag gelöst wären. «Schwarze Schafe, die sich nicht an die Regeln halten, wird es wohl immer geben.»

Pro Natura stellt Forderungen

Verhalten positiv sind auch die Signale, die Pro Natura Region Thun aussendet. Präsidentin Suzanne Albrecht erklärt auf Anfrage, dass sich die Naturschutzorganisation nicht gegen die Pläne des Vereins Bikepark Thunersee wehren wird, betont aber: «Wir haben uns den Entscheid nicht leicht gemacht.» Es sei ein Fakt, dass solche Pisten im Wald vieles kaputtmachen würden. «Pflanzen nehmen Schaden, und das Wild wird gestört», nennt Albrecht Beispiele. Auf der anderen Seite seien ihr kanalisierte Strecken lieber als das heutige wilde Umherfahren.

Pro Natura Region Thun hat mit den Initianten ein gutes Einvernehmen; bisherige Eingaben sind laut Albrecht jeweils berücksichtigt worden. In einem neuen Brief hat Pro Natura nun weitere Forderungen gestellt. «Wir verlangen, dass dereinst regelmässig kontrolliert wird, dass die Wege nicht verlassen werden», so Albrecht. Zudem sollen Fahrten während der Nacht verhindert werden. «Die Nutzer müssen klar über die Spielregeln informiert werden, etwa mit Tafeln bei den Startpunkten oder online.»

«Die Nutzer müssen klar über die Spielregeln informiert werden, etwa mit Tafeln bei den Startpunkten oder online.»

Suzanne Albrecht, Präsidentin Pro Natura Region Thun

12 Einsprachen eingegangen

Obwohl Waldbesitzer und Naturschützer den Plänen der Biker keine grossen Steine mehr in den Weg legen, erwächst dem Projekt nun neuer Widerstand. «Gegen die zwei Baugesuche sind zwölf Einsprachen und vier Rechtsverwahrungen eingegangen», sagt der Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi. «Die Einsprachen stammen vorwiegend von Anstössern und Grundeigentümern.» Fritschi sucht nun mit den Direktbeteiligten einen Termin für Einspracheverhandlungen, «die dann voraussichtlich im März stattfinden werden», wie er festhält.

Jérôme Hunziker vom Verein Bikepark Thunersee zeigt sich vom Widerstand gegen die zwei Bikestrecken nicht überrascht: «Wir haben schon mit der einen oder anderen Einsprache gerechnet.» Einer der Gründe sei wohl, dass das Projekt für viele «noch nicht so richtig fassbar» sei. Ob der geplante Baubeginn im kommenden Herbst gefährdet sei, konnte Hunziker nicht sagen.

Hinsichtlich der Finanzierung lehnt sich Hunziker noch nicht zu weit aus dem Fenster. «Wir haben viele positive Signale – von Gemeinden, aber auch von Privaten. Richtig konkret wird es aber erst, wenn wir die Baubewilligung erhalten haben», sagt er. Die wahre Herausforderung werde dereinst ohnehin nicht die Finanzierung des Baus der Bikestrecken, sondern die Finanzierung des Unterhalts sein.

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