Jetzt kümmert sich Latour um richtige Schwalben

Eriz

Der ehemalige Fussballtrainer Hanspeter Latour kennt sich aus mit Schwalben – nicht nur auf dem Spielfeld. Sein neustes Buch widmet er den Schwalben in seinem Garten.

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«Siehst du diesen Frosch?», fragt Ex-Fussballtrainer und Buchautor Hanspeter Latour. Er zeigt mit dem Finger auf eine Gruppe Steine in seinem Garten zuhinterst im Innereriz. Sein Begleiter, der Journalist, muss genau hinsehen. Erst auf den zweiten Blick entdeckt er den Winzling, etwa so gross wie ein Fingernagel, der sich auf einem der Steine sonnt.

Fussballexperte Hanspeter Latour hat als Trainer gelernt, an der Seitenlinie jeweils genau hinzuschauen. Zum Beispiel dann, wenn es um eine Schwalbe ging. Ein Foul also, das eigentlich gar keines war und vom Spieler richtiggehend gesucht wurde. Jetzt schaut er genau hin, was in seinem Garten passiert. Ebenfalls von der Seitenlinie. Er beobachtet und fotografiert Vögel, Insekten, Schmetterlinge und andere Tiere. «Nun stehen eben die Rauch- oder Mehlschwalben im Vordergrund», betont er und fügt lachend an: «Nach Abschluss der Fussballweltmeisterschaft in Brasilien habe ich mich für pensioniert erklärt.»

Doch Hanspeter Latour wäre nicht Latour, wenn er nicht ein neues Projekt am Start hätte. «Das isch doch e Schwalbe!», so heisst das Werk. Nach seiner Biografie «Hanspeter Latour – Das isch doch e Gränni!» hat der ehemalige Fussballtrainer gemeinsam mit den beiden Autoren Mick Gurtner und Beat Straubhaar sein zweites Buch geschrieben. Am 6. Oktober wird in Thun die Vernissage gefeiert.

Emotionen statt Analysen

Der Motivationskünstler, der als Jugendlicher oft mit seinem Vater in der Natur unterwegs war, setzt dabei auf Emotionen statt Analysen. In 47 kurzen Geschichten erzählt er in amüsanter Art Anekdoten über seine fotografische Pirsch in der Natur und die damit verbundenen, manchmal ganz simplen, aber ab und zu nicht minder prägenden Schwierigkeiten. So etwa erzählt der 69-Jährige im Kapitel «Distelfink» vom Verlust seines Vaters und wie der Distelfink zu seinem Lieblingsvogel wurde. Die Rede ist ebenso von Kuhfladen, seltenen Schmetterlingen, Eidechsen oder vermeintlichen Schwänen. Immer illustriert mit eindrücklichen Fotografien.

Zentrum der Geschichten und Bilder ist Hanspeter Latours Naturgarten rund um sein Chalet an der Geissegg zuhinterst im Inner­eriz. «Alle Bilder sind entweder im Garten oder rund einen Kilometer darum herum entstanden», erklärt Latour und zeigt sofort auf einen Falter, der sich auf einem Birkenast kurz niederlässt. «Schau, das ist ein Admiral.» Und er kommt ins Schwärmen: «Ein Freund aus meiner Bundesligazeit hat mir erklärt, dass die Artenvielfalt an Schmetterlingen in meinem Garten grösser sei als in der ganzen Stadt Köln.»

Neue Leidenschaft

Doch wie kommt ein Kommunikator und Fussballtrainer dazu, stundenlang ruhig und bewegungslos abzuwarten, bis ihm eine Schwalbe vor die Linse flattert? «Als Trainer war der Fussball meine Leidenschaft, jetzt ist es eben die Tierfotografie, da gehört es ganz einfach dazu, still zu sitzen, sonst funktioniert es nicht», betont Latour. Und weiter: «Bundesligatrainer wird noch gerade mal einer, aber versuche einmal einen Vogel zu fotografieren, da kommst du wirklich auf die Welt.»

Hanspeter Latour macht keinen Hehl daraus, dass er sich mit seinem Garten, den er über mehrere Jahre zum Teil selber und mithilfe von Fachleuten angelegt hatte, einen Traum realisiert hat. «Dieser ist nun in Erfüllung gegangen, deshalb ist mir auch der Schritt in die Pension gelungen.» Und vielleicht gelingt es ihm mit dem Buch auch, «einen Anreiz zu schaffen, der Natur Sorge zu tragen und mit ihr sensibel umzu­gehen».

Thuner Tagblatt

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