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Jetzt sind gegenseitiger Respekt und Augenmass gefragt

Der Kommentar von TT-Redaktorin Barbara Schluchter-Donski zur Abstimmung über die Thuner Johanneskirche.

Noch zwei Wochen, dann entscheidet das Thuner Kirchenvolk über die Zukunft der Johannneskirche.
Noch zwei Wochen, dann entscheidet das Thuner Kirchenvolk über die Zukunft der Johannneskirche.
Patric Spahni

Das Kirchenvolk hat gesprochen: Mit der Annahme der Initiative «Pro Johanneskirche» macht es den Weg frei für einen Neubeginn in der verfahrenen Situation rund um die Zukunft der gleichnamigen Thuner Kirche. Dies ist umso erstaun­licher, als nicht nur die Strättliger, sondern alle Stimmberechtigten der reformierten Thuner Kirche an die Urne gerufen waren.

Offenbar haben die rein finanzpolitischen Argumente der Kirche nicht genügend verfangen. Vielmehr ist das deutliche und wegen der ziemlich hohen Stimmbeteiligung auch aussagekräftige Resultat ein Ausdruck davon, dass sich die Thuner Kirchenmitglieder eine demokratischere, breiter abgestützte Auseinandersetzung über die Zukunft der Kirchengebäude wünschen.

Dass diese neue Ausgangslage mit einer Initiative erreicht wurde, ist dabei besonders bemerkenswert: deshalb, weil Initiativen meistens einen schweren Stand haben und es eine solche auf Kirchenebene noch gar nie gab.

Doch was die Annahme der Initiative überhaupt wert ist, wird sich erst noch weisen müssen: Jetzt sind die zerstrittenen Parteien gezwungen, wieder aufeinander zuzugehen und sich die Hände für einen gemeinsamen Dialog zu reichen, der die beste Lösung für die Thuner Kirche zum Ziel haben muss.

Besonders gefordert wird dabei die Gesamtkirchgemeinde als unterlegene Partei sein: Insbesondere das Verhalten des Kleinen Kirchenrats wird in den nächsten Wochen und Monaten darüber entscheiden, ob die Angelegenheit zu einem guten Ende gebracht werden kann. Die Exekutivmitglieder müssen dafür über ihren eigenen Schatten springen und endlich auf die Forderungen der Initianten eingehen, welche eine Gesamtansicht aller Thuner Kirchengebäude und eine entsprechende Entwicklungsstrategie verlangen.

Sich aber einzugestehen, dass die über Monate vertretene Vorgehensweise vor dem Volk Schiffbruch erlitten hat, braucht eine Menge Mut. Die Zukunft wird zeigen, ob wirklich alle Exekutivmitglieder diesen auch wirklich aufbringen. Wenn nicht, dürften sie konsequenterweise bei den im Herbst anstehenden Neuwahlen nicht mehr antreten.

Aber – und das ist genauso wichtig – auch die Sieger sollten in ihrer Euphorie den Respekt vor dem Gegner wahren, ihre Forderungen künftig mit Augenmass, Kompromissbereitschaft, aber auch einer gewissen Demut vertreten. Nur so können auch wirklich zählbare Resultate erzielt werden, bei welchen alle ihr Gesicht wahren können.

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