Zum Hauptinhalt springen

Kaninchen falsch geschlachtet

Ein Sohn und sein Vater hatten sich wegen Tierquälerei zu verantworten. Nun sind sie wegen Verletzung der Schlachtungsvorschriften verurteilt worden.

Die beiden Angeklagten schlachteten seit Herbst 2007 rund 5000 Kaninchen. (Symbolbild)
Die beiden Angeklagten schlachteten seit Herbst 2007 rund 5000 Kaninchen. (Symbolbild)
Patrick Gutenberg

Ein in der Region Thun wohnhafter Schweizer schlachtete im Nebenverdienst seit Herbst 2007 für diverse Auftraggeber mindestens 5000 Kaninchen.

Am Dienstag standen er und sein Vater vor dem Regionalgericht Oberland in Thun. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, legte den beiden gemeinsam begangene mehrfache Tierquälerei zur Last. Es ging um die Tötungsmethode.

Für die Durchführung der Schlachtung betäubte der Sohn die Kaninchen laut Anklage jeweils vorschriftswidrig mit mehreren Schlägen mit einem Wetzstahl gegen den Kopf. In der Folge schnitt er den Kaninchen in ein Auge, um dieses zum Entbluten mit den Fingern herauszureissen, anstatt es vorschrifts­gemäss mit einem Schnitt durch die Kehle entbluten zu lassen.

Ein Tier pfiff noch

Im Frühling 2017 sei es vorgekommen, dass ein Kaninchen nach einem Betäubungsschlag durch den Vater des Beschuldigten noch gepfiffen habe. Diesem werden in der Anklageschrift die gleichen Straftatbestände, jedoch in geringerer Anzahl, zur Last gelegt. «Mit dieser Schlachtmethode missachteten die Beschuldigten die Würde der Kaninchen massiv und töteten die Tiere auf qualvolle Art und Weise», hält die Staatsanwaltschaft fest.

Dem Sohn wird zudem gewinnbringende Absicht vorgeworfen, weil dessen Betäubungs- und Entblutungsmethode effi­zienter als die rechtmässigen Schlachtmethoden seien.

Tierquälerei bestritten

«Wir betrachten uns nicht als Tierquäler», gaben die Beschuldigten bei der Einvernahme durch die Gerichtspräsidentin zu Protokoll. Sie hätten diese Schlachtmethode, da so gelernt, schon immer angewendet.

Nach dem ersten Schlag auf den Kopf sei das Tier betäubt, argumentierten sie. Der Vater allerdings räumte ein, dass er beim Kaninchen, das danach noch gepfiffen habe, nicht richtig getroffen oder zu wenig stark geschlagen habe.

«Für mich ist es Tierquälerei», sagte der als Zeuge einvernommene seinerzeitige Amtstierarzt, der die Sache nach einer Kontrolle ins Rollen gebracht hatte. Die Kaninchen hätten mit einem Bolzenschuss betäubt werden müssen. Die beiden Beschuldigten, die ohne Verteidiger erschienen waren, beantragten Freisprüche.

Vorschriften verletzt

«Ich nehme an, dass es Ihnen klar ist, dass es nicht ohne Schuldsprüche abgeht», sagte die Einzelrichterin bei der Urteilseröffnung. Trotzdem sind die beiden mit einem blauen Auge davongekommen. Die Gerichtspräsidentin sprach sie, teils auch unter ­Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» (Im Zweifel für den Angeklagten), lediglich wegen Verletzung der Schlachtungsvorschriften und nicht wegen Tierquälerei schuldig.

Der Sohn wurde zu einer Übertretungsbusse von 1200 Franken und der Vater zu einer solchen von 300 Franken verurteilt. Zudem haben sie je hälftig die Verfahrenskosten von insgesamt 3036 Franken zu bezahlen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch