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Kirchenschliessung beschäftigt Leser

Die beantragte Schliessung der Johanneskirche gibt weiter zu reden. Auch Leserinnen und Leser melden sich zu Wort.

Sorgt für viel Gesprächsstoff: Die Leser dieser Zeitung lässt das Schicksal der Johanneskirche nicht kalt.
Sorgt für viel Gesprächsstoff: Die Leser dieser Zeitung lässt das Schicksal der Johanneskirche nicht kalt.
Patric Spahni

Die Versammlung des Grossen Kirchenrats findet zwar erst nächsten Montagabend statt. Doch das unter Punkt 5 traktandierte Geschäft, in dem der Kleine Kirchenrat die Schliessung der Johanneskirche per Ende 2017 beantragt, wirft bereits seine Schatten voraus. Auch die Leserinnen und Leser dieser Zeitung beschäftigt das Thema, wie die Vielzahl an Einsendungen zeigt.

«Ein Spiel mit der Demokratie»

«Weil sich die Versammlung der Kirchgemeinde Strättligen nicht so verhalten hat, wie es der Kleine Kirchenrat unter dem Vorsitz von Willy Bühler gewünscht hat, erwartet der Kleine Kirchenrat jetzt, dass der Grosse Kirchenrat seine Wünsche erfüllt. Wenn diejenigen, die abstimmen, nur noch das absegnen, was die Inhaber der Macht längst beschlossen haben, dann redet der ehemalige Thuner Jean Ziegler von simulativer Demokratie – von einer Demokratie, die nur ­gespielt ist.

Die Frage stellt sich nun, ob der Grosse Kirchenrat dem Kleinen Kirchenrat, der längst beschlossen hat, die Johanneskirche zu schliessen (nicht zuletzt durch viele Versäumnisse beim Unterhalt), den Wunsch erfüllt, das Spiel mitspielt und die längst ­gefassten Beschlüsse absegnet oder ob der Grosse Kirchenrat den Mut hat (so wie vor ihm die Kirchgemeindeversammlung Strättligen), Fragen zu stellen, und sich die Freiheit nimmt, eine andere Meinung zu haben.

Oder anders gesagt: Wird das Parlament über die Köpfe hinweg entscheiden, oder wird es mindestens noch einmal diejenigen einbeziehen, die von einer Schliessung am meisten betroffen sind: die Benützer der Johanneskirche und die Kirchgemeinde Thun-Strättligen?»

Heiner Bregulla, Thun

«Mit neuen Leuten neu überlegen»

«Nächsten Montag soll nun der Grosse Kirchenrat, also das Parlament der reformierten Gesamtkirchgemeinde, auf Antrag des Kleinen Kirchenrates über das Schicksal der Johanneskirche entscheiden. Der Kleine Kirchenrat beantragt den Verzicht auf die Johanneskirche und damit auch deren Rückbau. Dieses Vorgehen ist reglementskonform, juristisch absolut korrekt. Mit dem Willen der Kirchgemeinde Strättligen stimmt der Antrag allerdings nicht überein. Man kann auch sagen, Willen und Bedürfnisse der Benutzerinnen und Benutzer der Johanneskirche sollen übergangen werden.

Dies hat Folgen für die Gemeinde: nämlich Enttäuschung, Frustration, Demotivation und – vor allem – Streit. Unter dem Strich keine gute Sache und für die weitere Entwicklung fatal.

Was braucht es in dieser verfahrenen und von einem Machtkampf geprägten Situation? Sachlich richtig scheint ein Marschhalt, zurück auf Feld eins, mit neuen Leuten neu überlegen. Gewisse Fakten sind anerkannt wie z.B. Mitgliederrückgang, zu viele Kirchen und Kirchenzentren oder der Rückgang der Finanzen. Weniger klar ist die mögliche Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten und deren Auswirkungen auf die reformierte Gesamtkirchgemeinde.

Ebendies wäre die Aufgabe neuer Leute: in Ruhe diskutieren, Szenarien darstellen, Lösungen vorschlagen. Ich hoffe, der Grosse Kirchenrat entscheidet in diese Richtung.»

Jürg Schönholzer, Thun

«Es geht auch anders»

«Sie ist noch nicht abgebrochen, die Johanneskirche. Abgebrochen ist aber der Dialog zwischen Behörden und Bevölkerung. Im Grossen Kirchenrat soll die Aufhebung des Kirchenstandorts Johannes beschlossen werden, obschon die Kirchgemeindeversammlung Strättligen etwas anderes bestimmt hat.

Der Kleine Kirchenrat fürchtet die hohen Sanierungskosten. Doch die Johanneskirche kann mit wesentlich weniger Mitteln unterhalten werden, damit sie die nächsten zehn Jahre übersteht. Nur müssen die richtigen Planer beauftragt werden, und für die zu sanierenden Teile müssen Budgetvorgaben seitens der Kirche gemacht werden. Die Johanneskirche ist die Hauptkirche von Strättligen und auch ohne Denkmalpfleger ein Kulturobjekt für die Gemeinde. Sie beinhaltet den grössten effektiven Kirchenraum und den grössten Gemeindesaal. Die Bauweise ist typisch für die Sechzigerjahre und muss nicht in die heutige Zeit hinein saniert werden. Sonst müssten wir auch die Scherzligkirche isolieren.

Luxussanierungen zerstören viele Teile, die gar nicht ersetzt werden müssen. Wenn die Gesamtkirchgemeinde als Besitzerin die Anlage mit jährlich rund 70'000 Franken (ein Prozent des Wertes) unterhalten hätte, würde sie sie heute nicht als baufällig bezeichnen.

Die Strättliger Kirchenbürger wollen in den Quartieren Kirchenstützpunkte und nicht Zentralisierungen! Heute können wir die Kirchen noch halten. Eine ­spätere Generation soll noch entscheiden können, was ihr Symbole und Meditationsräume wert sind.»

David Pfister, Architekt, Thun, ehemaliger Präsident Kleiner Kirchenrat und ehemaliger Präsident Baukommission

«Fällt der Kirche nichts Besseres ein?»

«Fällt der reformierten Kirche eigentlich nichts Besseres ein, als die Gottesdienstmöglichkeiten in der Gemeinde zu reduzieren? Ausgerechnet in einer Zeit, in welcher der IS-Terror jetzt auch in Europa mit all seinen grausamen, brutalsten und menschenverachtenden Aktionen schmerzhaft spürbar ist, soll die Johanneskirche geschlossen werden.

Was will eigentlich das Abendland dem IS-Terror entgegenhalten, wenn nicht die gemeinsame Besinnung und Umsetzung der christlichen Werte (was natürlich jeder für sich persönlich, auch ohne eine Kirche, durchführen kann) sowie die Möglichkeiten des gemeinsamen Gebetes zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten? Ich habe bisher noch nicht gehört oder gelesen, dass ein Minarett oder eine Moschee geschlossen wird.»

Margrit Cofalka, Thun

«Das ist die einzig richtige Antwort»

«Der Entscheid des Kleinen Kirchenrats, die Schliessung der Johanneskirche vorzuschlagen, ist die einzig richtige Antwort auf den «Nichtentscheid» der Strättliger. Mit seinem von Partikularinteressen motivierten Antrag, das Geschäft zurückzuweisen, hat Herr Jaggi ein Eigentor geschossen. Die Kirchgemeinde Strättligen hat ihre Aufgaben nicht gemacht und es vorgezogen, zu pokern und auf Zeit zu spielen. Somit kann überhaupt nicht davon gesprochen werden, dass der Kleine Kirchenrat, «ohne die betroffene Kirchgemeinde miteinzubeziehen», entschieden hat.

Es ist zu hoffen, dass auch die Vertreter des Grossen Kirchenrats aus dem Kreis Strättligen (zumindest diejenigen, die nicht mit der Johanneskirche verbunden sind) Farbe bekennen und das Geschäft gemäss Antrag verabschieden. Auch wenn die Kirchgemeinde Thun (momentan) noch auf gesunden finanziellen Beinen steht, will ich meine Kirchensteuergelder nicht in einem Fass ohne Boden verschwinden sehen.»

Andreas Kübli, Thun

«Versammlung trägt die Verantwortung»

«Im Kommentar von Barbara Schluchter-Donski zur geplanten Kirchenschliessung kann man lesen, dass mit externen Beratern das Schicksal der Kirchen erörtert werden sollte. Mit solchen Beratern und Mitgliedern der Kirchgemeinde wurde schon intensiv nach einer Lösung gesucht! Am 7. Juni hätte die Kirchgemeindeversammlung darüber befinden sollen, welches Kirchenzentrum geschlossen werden soll.

Leider setzte sich der Antrag von Oliver Jaggi auf Rückweisung des Geschäfts durch. Übrigens auch eine Form von Machtkampf, der hätte vermieden werden können! Oliver Jaggi ist nämlich ein vehementer Befürworter der Johanneskirche. Schuld für die verfahrene Situation ist nicht der Kleine Kirchenrat, die Verantwortung tragen die Stimmberechtigten der Versammlung vom 7. Juni.»

Andreas Steinmann, Thun

don

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