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Das Hoffen auf einen Neubeginn

Nach dem Ja des Thuner Kirchenvolks zur Initiative «Pro Johanneskirche» fordern die Initianten und der Kirch­gemeinderat Strättligen eine ganzheitlichere Betrachtung der Kirchenverzichtsthematik.

Verkündete gestern um 15 Uhr das Resultat der Kirchenabstimmung: Peter Greuter vom Kleinen Kirchenrat vor weiteren Vertretern des Gremiums (im Hintergrund) sowie Mitgliedern des Abstimmungsausschusses.
Verkündete gestern um 15 Uhr das Resultat der Kirchenabstimmung: Peter Greuter vom Kleinen Kirchenrat vor weiteren Vertretern des Gremiums (im Hintergrund) sowie Mitgliedern des Abstimmungsausschusses.
Patric Spahni

Betretene Gesichter beim Kleinen Kirchenrat, euphorischer Jubel bei den Initianten: Die Gefühlslage in den beiden Abstimmungslagern hätte gestern kurz nach Bekanntgabe des Resultats im Thuner Kirchgemeindehaus unterschiedlicher nicht sein können. «Wir nehmen das Verdikt des Stimmvolks als demokratischen Entscheid zur Kenntnis», erklärte der Präsident des Kleinen Kirchenrats, Willy Bühler, der sich abgesehen davon nicht in die Karten blicken liess: «Vorläufig passiert gar nichts», kündigte er lediglich an. «Wir wollen jetzt erst die 30-tägige Beschwerdefrist abwarten, welche am Montag anläuft.»

Kurz zuvor hatte Exekutivkollege Peter Greuter die deutlichen Zahlen zum Abstimmungsresultat vorgetragen: Von den insgesamt 20 919 Stimmberechtigten waren bis gestern 5047 gültige Stimmen eingegangen. Deren 2889 sprachen sich für die Initiative aus, 2158 Personen legten ein Nein in die Urne. Damit wurde die Initiative «Pro Johannes­kirche», welche die im August 2016 beschlossene Entwidmung und auf Ende 2018 festgesetzte späteste Nutzung der Kirche rückgängig machen will, mit 57,2 Prozent Ja-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von über 24 Prozent angenommen.

«Ein historischer Tag»

Dementsprechend erfreut zeigte sich gestern Oliver Jaggi als Co-Präsident des Vereins Pro Kirchen Strättligen, welcher die Initiative lanciert hatte: «Das ist ein historischer Tag für Thun», meinte dieser. «Initiativen haben grundsätzlich immer einen schweren Stand. Dass die Thuner jetzt einer Kircheninitiative zum Durchbruch verholfen haben, ist umso erstaunlicher.» Jaggi sprach von «Hühnerhautmomenten», welche er nach Bekanntwerden des Resultats erlebt habe: «Das ist für uns alle so emotional wie der Meistertitel für YB!»

Für Jaggi ist das deutliche Ja auch ein Zeichen dafür, «dass die Vernunft gewonnen hat»: So sei nun der Weg frei für eine Gesamtschau der Thuner Kirchenthematik mittels eines Gebäudenutzungskonzepts und einer Entwicklungsstrategie, welche alle Thuner Kirchengebäude umfasse. Er sei überzeugt, dass die Johanneskirche bei der bevorstehenden Reorganisation der Thuner Kirchenstrukturen eine zentrale Rolle einnehmen werde und deshalb endlich massvoll saniert werden müsse. Gleichzeitig ruft der Verein dazu auf, die unterbrochene Mediation zwischen den Parteien wieder aufzunehmen, und verlangt von den Kirchenbehörden eine transparentere Informationspolitik.

«Hoffen auf Neuanfang»

Zu Wort meldete sich gestern erstmals seit längerem wieder der Kirchgemeinderat Strättligen, auf dessen Boden die Johanneskirche steht und der sich im Abstimmungskampf in Zurückhaltung geübt hatte: «Ich bin froh, dass wir jetzt eine neue Ausgangslage haben, mit welcher auch das undemokratische Vorgehen des Kleinen Kirchenrats korrigiert wird», sagte Co-Präsidentin Elisabeth Bregulla. Sie hoffe nun auf einen Neuanfang der Diskussion, bei welchem beide Parteien gleich lange Spiesse hätten. Zusammen mit Co-Präsidentin Eliane Diethelm wünscht sie sich in einem Schreiben an die Medien «konstruktive Ansätze und ehrliche Kompromisse». Die beiden Frauen zeigen sich überzeugt, dass sich auf diesem Weg eine Lösung finden lasse, welche beispielhaft für die weitere Entwicklung der Thuner Kirchgemeinden sein könne.

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