Kommission soll gebremst werden

Thun

Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz fordert, dass die OLK bei gewissen Planungsverfahren nicht mehr beigezogen wird.

Raphael Lanz befürchtet, «dass weniger Wettbewerbe durchgeführt würden, weil deren Ergebnis ja hinterfragt werden könnte».

Raphael Lanz befürchtet, «dass weniger Wettbewerbe durchgeführt würden, weil deren Ergebnis ja hinterfragt werden könnte».

(Bild: Patric Spahni)

Marco Zysset@zyssetli

Nicht zum ersten Mal hat eine Stellungnahme der Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) im Juni für Unverständnis in der Region Thun gesorgt: Die OLK hatte sich kritisch zum geplanten Ruag-Hochhaus geäussert. Diese Beurteilung war mit ein Grund dafür, dass das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) das Hochhaus als «nicht genehmigungsfähig» taxierte.

Während Thun nach dem Entscheid des AGR eine Beschwerde führt, warf Unternehmer Urs Hauenstein Ende 2012 die Flinte gleich ins Korn: Er hatte im Sinn, auf dem Kopffeld des Astra-Areals am Ziegeleikreisel in Steffisburg ein Hochhaus zu bauen und so das Lebenswerk seines Vaters zu vollenden. Dieser hatte die Astra-Brache gekauft und ihr mit 170 Wohnungen mitten im Dorf neues Leben eingehaucht.

Das Hochhaus hätte der krönende Abschluss werden sollen. Doch es fand keine Gnade vor den Fachleuten der OLK – und zwar jener, die für das Emmental und den Oberaargau zuständig ist. Die OLK fand, die ursprüngliche Idee würde nicht in die Gegend passen. Hauenstein liess das Projekt zwar so überarbeiten, dass es den Segen der OLK erhielt – verlor aber die Freude und verkaufte es zusammen mit der Parzelle an die AEK Bank 1826, welche es seither als «strategische Option» in ihrem Immobilienportfolio hält.

Kompetenzen beschneiden

Doch nun will der Regierungsrat die Kompetenzen der OLK beschneiden. Er empfiehlt eine Motion zur Annahme, die der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) noch vor Bekanntwerden des Entscheids zum Ruag-Hochhaus im Grossen Rat eingereicht hatte. Lanz fordert «eine Änderung der massgebenden gesetzlichen Grundlagen, die bewirken, dass die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) nicht mehr beigezogen werden kann, wenn vorher ein anerkanntes qualitätssicherndes Verfahren durchgeführt und abgeschlossen worden ist».

Auf Anfrage führt Lanz aus: «Wenn ein Investor ein Wettbewerbsverfahren finanziert und eine kompetente Jury das beste Projekt auswählt, dann darf die OLK nicht noch ‹Oberjury› sein.» Seine Befürchtung: «dass weniger Wettbewerbe durchgeführt würden, weil deren Ergebnis ja hinterfragt werden könnte».

Regierungsrat empfiehlt Ja

Eine Ansicht, die der Regierungsrat teilt: In seiner Antwort stellt er fest, dass die OLK schon heute «nicht beigezogen wird, wenn ein Bauvorhaben bereits von der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission, der kantonalen Denkmalpflege oder einer leistungsstarken örtlichen Fachstelle begutachtet wurde sowie bei Bauvorhaben, die das Ergebnis eines nach anerkannten Verfahrensregeln durchgeführten Projektwettbewerbs sind».

Die Regierung will die Verordnung zur OLK sinngemäss ergänzen und empfiehlt demGrossen Rat, die Motion anzunehmen. Sie ist für die am Montag beginnende Session trak­tandiert.

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