Lebensfreude zulassen

Thun

Am 10. Seniorenmarkt riet Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, Lebensfreude auch im Alter zuzulassen. Organisatoren und Standbetreiber ziehen eine positive Bilanz.

Sprach vor einem vollen Stadtratssaal und Foyer: Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Foto: Patric Spahni

Sprach vor einem vollen Stadtratssaal und Foyer: Alt-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Foto: Patric Spahni

Senfgelbe Jacke zu schwarzem Pulli und Hose – so trat Eveline Widmer-Schlumpf, Alt-Bundesrätin und aktuell Präsidentin von Pro Senectute Schweiz, am Samstag im übervollen Stadtratssaal auf; ihr Referat musste sogar ins ebenfalls voll besetzte Foyer übertragen werden. Sie habe sowohl beruflich wie privat eine gute Verbindung zu Thun, betonte sie einleitend.

Privat etwa, weil sie als manchmal etwas aufmüpfiges Kind zu ihrer Patin geschickt wurde, um dann wenig später beruhigt und brav zurückzukehren. Die ehemalige BDP-Bundesrätin übertraf als Referentin die Erwartungen der Organisatoren und des Publikums bei weitem. Locker und humorvoll, aber auch sehr fundiert sprach sie zum Thema Lebensfreude.

Lebensfreude zu empfinden, sei nicht nur ein vermeintliches Vorrecht der Jugend, sondern auch im Alter berechtigt und wichtig. Senioren müssten allerdings Gelegenheiten und Möglichkeiten erkennen und auch nutzen. Etwa durch «Tapetenwechsel» und ein Aktivbleiben. Die Pro Senectute biete dazu für «Körper, Geist und Seele» verschiedenste Angebote.

Das stärke das Selbstvertrauen und sei ein gutes Mittel gegen Vereinsamung. «Das macht Freude und gibt Energie», ist Widmer-Schlumpf überzeugt. Ihr Rat: Das Positive stets bewusst höher werten als das Negative; aber auch annehmen und akzeptieren, was nicht mehr zu ändern sei. Senioren sollten sich bewusst sein, dass sie nichts mehr beweisen, nicht mehr «Ellbögeln» müssten.

Studien, so die Referentin, hätten ergeben, dass Schweizer Senioren im europäischen Raum die grösste Zufriedenheit und Lebensfreude aufweisen würden. «Aber jeder achte von ihnen ist von Armut betroffen – das ist eine ungute Entwicklung», verhehlte die ehemalige Bundesrätin auch nicht unschöne Tatsachen. Umso wichtiger sei die Stabilität der AHV. Bei der derzeitigen «Bastelei» am System sei dies aber schwierig: «Mehr will ich dazu nicht sagen», umschiffte sie das heikle Thema.

Die Referentin zeigte zudem auf, dass Senioren durchaus ihren volkswirtschaftlichen und indirekten materiellen Beitrag an die Allgemeinheit leisten würden. So etwa im Bereich Freiwilligenarbeit, wo die Generation 65+ jährlich Dienstleistungen über 12 Milliarden Franken erbringe.

Positive Bilanz

«Der Seniorenrat und die Standbetreiber sind zufrieden», zog OK-Mitglied Herbert Guntelach vom Seniorenrat Bilanz. Besucher, so die Erfahrung, kämen gezielt, um Informationen zu Angeboten fürs Alter zu holen.

Thuner Tagblatt

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