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Lichtinstallationen als visuelle Ruhepole

Indiens Frauen leben gefährlich und kämpfen für Sicherheit und Gleichstellung. Die indische Künstlerin und Frauenrechtsakti­vistin Sheba Chhachhi erhielt am Freitag den Prix Thun für Kunst und Ethik.

Preisträgerin Sheba Chhachhi und Urs Neuenschwander, CEO der Energie Thun AG.
Preisträgerin Sheba Chhachhi und Urs Neuenschwander, CEO der Energie Thun AG.
Markus Hubacher

Ein leises Lächeln umspielt den Mund von Sheba Chhachhi (sprich: Shiba Tschatschi), und ihre dunklen Augen blicken freundlich. Immer wenn sie in die Schweiz komme, geniesse sie die köstlich klare Luft und die sehr netten Menschen hier, sagt sie begeistert und blickt über den Thunersee. Sie komme gerade aus den Niederlanden. «Europa ist für Raucher ein Albtraum!», sagt die 58-Jährige lachend.

Nur in der Schweiz werde man als Tabakfan nicht so strikt in seine Schranken gewiesen. Man habe ihr auf der Terrasse des Hotels Seepark sogar einen Aschenbecher gebracht. Was sie hier lobt, muss im krassen Gegensatz zu ihrem Wohnort Delhi stehen, in dem man angesichts des Smogs die Luft in Scheiben schneiden kann und teils brutale Sitten einer Millionenmetropole herrschen. «Eigentlich brauchte man in Delhi gar nicht zu rauchen . . .», sinniert sie sarkastisch.

Frauen als Freiwild

«Unsere Gesetze in Indien sind grossartig, aber mit der Umsetzung hapert es noch gewaltig», erzählt Sheba Chhachhi stirnrunzelnd. «Die sexuelle Gewalt an Frauen ist nach wie vor Thema Nummer eins, aber immerhin wird sie jetzt thematisiert und nicht unter den Teppich gekehrt.» Traditionelle Rollenbilder sind verantwortlich dafür, dass Frauen als Schlampen beschimpft werden, wenn sie sich modisch kleiden und abends in den Ausgang gehen.

Dabei arbeiten viele Frauen oder studieren. Bei vielen Männern gelten modern orientierte Frauen als Freiwild. Die sogenannte Moral­police, von Gurus organisierte Gangs, ziehe durch die Stadt und spüre Pärchen auf, um sie zu verprügeln. «Ich lese erst mittags die Zeitung, sonst ist angesichts der grauenhaften Geschichten mein ganzer Tag futsch.»

Handyverbot für Frauen?

Die Frage nach ihrer Motivation für ihr Engagement als Fotografin, Multimediakünstlerin und Schriftstellerin ist spätestens hinfällig, als sie von einem kleinen Ort in Indien erzählt, in dem die alten Männer für Frauen ein Mobiltelefonverbot fordern. Das gebe ihnen zu viel Freiheit, weil sie ja am Telefon noch nicht einmal sagen müssten, wo sie seien. Das leise Lächeln und der gütige Blick sind bei Sheba Chhachhi verschwunden: «Ich fühle mich nicht selten klein angesichts der Zustände.» Umso grossartiger sind zum Beispiel ihre Lichtboxen, die den Blick fesseln und den Betrachter in eine Art Trance versetzen. Fotos seien so schnell, ihre Lichtinstallationen hingegen besässen meditative Kräfte.

Preis hat sie «umgehauen»

Als sie per Mail von ihrer Nomination erfuhr, sei sie total überrascht gewesen. Einige Monate später kam dann die Nachricht, dass sie die Preisträgerin ist. «Das hat mich dann vollends umgehauen», sagt sie und lacht. Es gebe viele Stars unter den Künstlern in Indien, die mit Preisen überhäuft würden. Doch einen Preis für Kunst und Ethik zu bekommen, sei ihr wichtig und etwas Besonderes! Das Preisgeld in Höhe von 25'000 Franken wird sie in kommende Projekte zusammen mit NGO (Nichtregierungsorganisationen) stecken. «Ich möchte mit meiner Kunst eine andere Art von Aufmerksamkeit schaffen und die Menschen beruhigen, damit sie zu sich finden!»

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