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«Lies doch mal ein gutes Buch!»

Manuela Hofstätter aus Einigen begleitet als Beobachterin die 14. Ausgabe von Literaare vom 1. bis 3. März und berichtet auf ihrem Blog Lesefieber.ch über das Wortkunst-Spektakel. Eine Begegnung.

Manuela Hofstätter übernimmt die Rolle der Festivalbeobachterin am Literaturfestival, das am Wochenende über die Bühne geht. Foto: Patric Spahni
Manuela Hofstätter übernimmt die Rolle der Festivalbeobachterin am Literaturfestival, das am Wochenende über die Bühne geht. Foto: Patric Spahni

«Grosi, lies doch mal ein gutes Buch!», legte Manuela Hofstätter ihrer Grossmutter schon als Kind immer wieder ans Herz. Denn die Oma, gleichzeitig Ersatzmama, bevorzugte Groschenheftchen mit Bergdoktoren in der Talsohle des literarischen Geschmacks. Schon früh packte die heute 42-Jährige das Lesefieber.

Welch heilende Kräfte Fieber freisetzt, ist eben nicht nur bei Viruserkrankungen willkommen. Ihr psychisches Immunsystem trieb die kleine Manuela an, alles zu lesen, was ihr in die Finger kam. «Das war eine Flucht zwischen die Buchdeckel», erzählt sie lebhaft. Ihren Vater lernte sie nie wirklich kennen.

Ihre depressive Mutter wurde durch Suizidversuche zum Pflegefall und starb, als Manuela Hofstätter 17 Jahre alt war. Die Grosseltern sprangen früh als Ersatzeltern ein. «Grosi war eine herzensgute, naive Frau, die jedem helfen wollte», beschreibt die Erfolgsbloggerin ihre Ziehmutter liebevoll.

Lehrer mit Zuwendung

Die Erinnerungen an ihren Grossvater hinterliessen hingegen einen bitteren Nachgeschmack. Mit Gewalt setze er seinen Willen durch und meinte, die Enkelin abhärten zu müssen, damit sie nicht so werde wie die «missratene Tochter». Zum Ziegen- oder Kaninchenschlachten nahm der Opa die kleine Manuela mit und fand es lustig, der Schülerin eine Hasenpfote oder ein Kuhauge in die Brotdose zu legen. Sätze wie «Du bist nichts wert!» oder «Wenn du nicht gehorchst, kommst du ins Heim» prasselten auf sie ein.

«Ich habe viel geweint, aber auch gerne gelacht», sagt sie ohne Verbitterung. Grosse Unterstützung wurde ihr durch ihre Lehrer zuteil, die sie mit Zuwendung und Literatur versorgten. «Die Brille, die ich brauchte, übergab mir mein Grossvater zusammen mit einer Ohrfeige.» Er sei davon überzeugt gewesen, dass das viele Lesen die Augen verdorben hatte, und ärgerte sich über die Kosten. Die Flucht in die Bücher öffneten dem Mädchen zahllose Welten und Lebensmodelle jenseits der Hasenpfote.

Seit 13 Jahren Lesefieber

Mit 17 Jahren zog sie aus, machte eine Lehre als Papeteristin, gefolgt von einem Bürojahr, und erkämpfte sich ihren Traumberuf Buchhändlerin, wofür sie in Bern die Berufsschule für den Buchhandel besuchte. Viele Jahre arbeitete Manuela Hofstätter in der Buchhandlung Bücherperron in Spiez und avancierte zur Literaturspezialistin, die auch nach Feierabend oder sonntags am Telefon Stammkunden beriet. Wenn ihr Mann Lukas sie samstags abholen wollte, fand er seine Frau oft noch ins Gespräch vertieft mit ihrer Kundschaft.

Das motivierte den Informatiker eines Berner Publikationsunternehmens vor 13 Jahren, seiner Frau den Blog Lesefieber.ch zum Geburtstag zu schenken, damit sie sich quasi 24 Stunden am Tag ihrer Leidenschaft hingeben konnte. «Mein Mann liest alle meine Texte gegen, bevor sie online gehen», verrät die Frau aus Einigen. Der Blog sei ihr drittes Kind, schwärmt die Mutter zweier Kinder. Zähneknirschend nimmt sie dann Kritik wie «Du hast Krach mit den Zeiten» oder «Du hast das Buch zu gerne» hin. «Ich lasse ihn leben», lacht sie, «er hat ja recht.»

Literatur als Botschaft

Manuela Hofstätter hat sich von der Buchhändlerin zur Literaturbotschafterin entwickelt. Bei ihren zahlreichen Vorträgen schweizweit leite sie Bewertungen gerne mit dem Satz ein: «Wenn ich Elke Heidenreich wäre, würde ich jetzt sagen...», erzählt sie lachend. Einmal kommentierte jemand: «Für mich sind Sie die kleine Frau Heidenreich!» Das habe sie unheimlich gefreut.

Ihre Lesefieber-Tour führt sie in alle Ecken und Enden des Landes, wo sie über Bücher spricht, Texte vorstellt und den Lesern Literatur näherbringt. Jedes Jahr verleiht sie die Lesefieber-Feder, einen Literaturpreis ganz nach ihrem Geschmack. Ausserdem ist sie Botschafterin des Schweizer Bücherbons, assoziiertes Mitglied des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands und Mitglied der Literaturkommission des Kantons Bern.

Nun fungiert sie zum ersten Mal als Beobachterin und Bloggerin beim Thuner Literaturfestival und übernimmt am Schlussabend die Moderation: «Ich freue mich sehr über diese Aufgabe», sagt sie.

www.lesefieber.chwww.literaare.ch

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