«Lila Lila» und die Liebe zum Leder

Angetroffen: Lilian Messerli und ihr Label «Lila Lila».

Lilian Messerli

Lilian Messerli

(Bild: PD)

Auf dem Regal in der Ecke ihres Ateliers liegen gegerbte Lederhäute aufeinander. Farblich assortiert präsentieren sie sich beim Anheben schokoladenbraun, dunkelgrün oder auch rot mit unebener Hautstruktur. Lilian Messerli rupft ein Leder aus der Beige, drückt und knetet die Haut. Gerade so, als ob ihr das Leder derweil zuflüstern würde, in welche Handtaschenkreationen sie es verwandeln soll.

Zuzuschauen, wie sich das Leder geradezu in ihre Hände schmiegt, strahlt magische Kraft aus. Die Thunerin und ihr Label «Lila Lila» sind eins. Die 42-jährige Alleinunternehmerin tut mit Leib und Seele – abgesehen von der Buchhaltung – alles selbst.

Lilian Messerli kreiert ihre Designs, arbeitet ausschliesslich mit pflanzlich gegerbtem Leder, näht in ihrem Reich in der Ateliergemeinschaft Komplex4 in Steffisburg die zeitlosen Handtaschen auf Lager und auf Bestellung.

Die Künstlerin wuchs in Uttigen auf, besuchte in Thun das Seminar und studierte in Bern bildnerisches Gestalten. «Doch ich wusste: Ich will nie als Gymnasiallehrerin an einer Volksschule unterrichten», sagt Messerli. «Mich ziehen Sonderformen und Randgruppen an.» So bewarb sie sich 2004 nach dem Abschluss mit Erfolg auf eine Stelle im Frauengefängnis Hindelbank – und leitete mit 27 Jahren das Frauenatelier im offenen Strafvollzug.

«Das kreative Wirken mit den Insassinnen war spannend, und ich bildete mich gar zur Fachfrau für Strafvollzug aus», erzählt Lilian Messerli. «Als ich mit ihnen einmal Einkaufstaschen nähte, kam ich jedoch in Berührung mit Kuhfellen. Die Arbeit mit Leder elektrisierte mich sofort.» Die Künstlerin kreierte 2007 das Label «Lila Lila» – weil sie als Kind «Lila» statt Lilian gerufen worden war – und entwarf zu Hause mit der alten Bernina Eigenkreationen.

2008 zog es sie fort. Sie leitete ein Beschäftigungsatelier der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern und kaufte sich eine Industrienähmaschine. 2010 kam Sohn Ben zur Welt. Sie zog mit ihm und ihrem Mann nach Thun und machte sich 2014 selbstständig.

Lilian Messerli lässt sich stets von ihrem inneren Ruf leiten, beherrscht ihr Handwerk meisterlich und liebt Sport und Meditation. «Sie lässt mich über den Tellerrand des Hier und Jetzt schauen.» Daher liebt sie jenen Satz aus einem Gedicht von Carlo Karges: «Wer Schmetterlinge lachen hört, weiss, wie Wolken schmecken.»

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