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Mangels Beweisen freigesprochen

Einem Mann wurden mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern vorgeworfen. Das Regionalgericht Oberland sprach ihn frei.

Das Regionalgericht Oberland sprach den Angeklagten mangels Beweisen frei.
Das Regionalgericht Oberland sprach den Angeklagten mangels Beweisen frei.
Tamedia

Der Antrag in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, weicht vom Üblichen ab: «Der Beschuldigte ist freizusprechen», beantragte der zuständige Staatsanwalt. Normalerweise wird ein Schuldspruch gefordert.

Des Rätsels Lösung: Bei der Frage, ob ein Strafverfahren über eine (definitive) Verfahrenseinstellung durch die Untersuchungsbehörde er­ledigt werden kann, gilt im schweizerischen Strafprozessrecht der Grundsatz «In dubio pro duriore» (Im Zweifel für das Härtere).

Das bedeutet, dass in Zweifelsfällen eine Anklage und gerichtliche Beurteilung zu erfolgen hat, sofern der Fall nicht mit Strafbefehl erledigt werden kann. Der Grundsatz «In dubio pro reo» (Im Zweifel für den Angeklagten) ist auf die Frage der Einstellung oder Anklageerhebung im Untersuchungsstadium nicht anwendbar, sondern kommt erst bei der richterlichen Prüfung zum Zuge.

Einem 45-jährigen Schweizer aus dem Berner Oberland werden sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfach begangen in der Zeit von 2015 bis Juli 2017, vorgeworfen. Er soll sich unter anderem in das Bett neben seine 2003 geborene Stieftochter gelegt haben.

Trotz Gegenwehr habe er sie unter den Kleidern an den Brüsten und zwischen den Beinen berührt und sie an diesen Stellen mit seiner Hand gestreichelt. Einmal soll er sie aufge­fordert haben, seinen Penis anzufassen, wobei es beim Versuch geblieben sei, seine Hosen zu diesem Zweck zu öffnen. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe.

An der gestrigen Hauptverhandlung beantragte die Anwältin des Opfers den Ausschluss der Medien von den Parteiverhandlungen, was von der Gerichts­präsidentin gutgeheissen wurde. Grund waren die Beantwortung von oft heiklen Fragen und die Offenbarung intimer Details, die Minderjährige bei Sexualdelikten machen müssen. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf die Teilnahme an der Verhandlung.

Die Einzelrichterin folgte dem Antrag des Staatsanwalts und sprach den Angeklagten von der Anschuldigung der sexuellen Handlungen mit Kindern frei, unter Ausrichtung einer Entschädigung von 200 Franken für die wirtschaftlichen Einbussen, die ihm aus der notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind. Die Verfahrens­kosten und die Entschädigung des amtlichen Verteidigers werden dem Kanton überbunden.

Die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin wurde abgewiesen. «Ich will dem Mädchen nicht unterstellen, dass es gelogen hat», sagte die Gerichtspräsidentin in ihrer Urteilsbegründung.

Dessen Aussagen seien jedoch zum Teil vage, widersprüchlich und sprunghaft gewesen. Sie müsse auf die Aussagen des Beschuldigten abstellen und, weil nicht genügend Beweise vor­lägen, im Sinne von «In dubio pro reo» einen Freispruch fällen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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