Mehr Kartoffeln gegen die Hungersnot

Thun

Wegen knapper Lebensmittel sollten Bürger vor hundert Jahren mehr Kartoffeln anbauen. Dies wurde von der Landwirtschaftskommission verfügt.

Vermehrter Anbau von Kartoffeln sollte 1918 die Lebensmittelversorgung sicherstellen.

Vermehrter Anbau von Kartoffeln sollte 1918 die Lebensmittelversorgung sicherstellen.

(Bild: Nicole Philipp)

Im Zuge des Ersten Weltkrieges und der seit 1916 anhaltenden Missernten spitze sich die Versorgungskrise im April 1918 weiter zu.

Als Gegenmassnahme teilte die Landwirtschaftskommission im «Tagblatt der Stadt Thun» vom 6. April mit: «Gestützt auf die regierungsrätliche Verordnung betreffend Vermehrung des Kartoffelanbaues, hat die Landwirtschaftskommission verfügt, dass diejenigen Bürger, denen pro 1918 zwei Pflanzplätze zugeteilt worden sind, den einen davon vollständig mit Kartoffeln zu bepflanzen haben.»

Was vor 100 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

2. 4. 1918 Oberst Olbrecht, Direktor der Schweizerischen Metallwerke, früher Oberinstruktor der Bewachungstruppen, ist an den Folgen einer Operation im Alter von 79 Jahren gestorben.

2. 4. 1918 Der Seppetoneli besucht Thun. Kaum so gross wie ein vierjähriger Bub, zählt er schon 20 Jahre und musste sich in Herisau zur Rekrutierung stellen.

3. 4. 1918 Die Holzarbeiter der Thuner Baugeschäfte haben eine Kollektivkündigung eingereicht und über die Geschäfte die Sperre verhängt. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 15 Rappen/Std. und den freien Samstagnach­mittag.

4. 4. 1918 In Thun wurde ein Brennstoffbüro eröffnet, das ne­ben Brennholz-, Kohlen- und Torfbeschaffung auch die Rationierung der Futterartikel und die Kontrolle des Saatgutverkehrs für Brotgetreide und Kartoffeln verwaltet.

5. 4. 1918 Seit der Eröffnung der Volksküche im November 1917 wurden total 45'550 Portionen Suppe, 32'397 Portionen Gemüse und 12'277 Portionen Fleisch abgegeben (Total 13'258.35 Fr.).

6. 4. 1918 Privatdozent Haller, Pfarrer in Herzogenbuchsee, ehemaliger Schüler des Progymnasiums Thun, hat von der theolo­gischen Fakultät der Universität Giessen (Hessen) den Ehren­doktortitel erhalten.

8. 4. 1918 Der Gemeinderat bewilligt der Brennstoffkommission die Erstellung eines Lagerschuppens für ihre Brennstoffvorräte.

8. 4. 1918 Der Gemeinderat beauftragt die Polizeikommission, Mittel und Wege zu prüfen, um die auf 1. Mai obdachlos werdenden Familien in Wohnungen unterzubringen.

15. 4. 1918 Die Schülerspeisung an der Primarschule wurde im letzten Winter während 74 Tagen durchgeführt. 13'431 Liter Milch (nebst 1936 Litern im Kinder­garten) und 5652 Portionen Suppe wurden verteilt.

16. 4. 1918 Der Bauarbeiterstreik ist beendet, die Arbeit wurde wieder aufgenommen. Über eine untergeordnete Differenz wird das Einigungsamt entscheiden.

17. 4. 1918 Die Metzgermeister von Thun haben beschlossen, ihre Läden in der Sommerzeit wegen Fleischmangels von 13 bis 16 Uhr zu schliessen.

19. 4. 1918 Gemäss bestehendem Gemeindereglement ist die Käfersammlung obligatorisch. Die Stadtpolizei ruft die Eigentümer von Kulturland, Nutz- und Ziergärten auf, Maikäfer zu sammeln.

19. 4. 1918 Bei Versuchen mit Handgranaten in Thun explodierte Oberleutnant Bratschin eine Granate in der Hand; er wurde an Hand und Fuss schwer verletzt. Hauptmann Zimmerli wurde von einem Splitter getroffen.

22. 4. 1918 Der Gemeinderat entspricht einem Gesuch der Gewerkschaft der Gemeindearbeiter, in den Licht- und Wasser­werken den freien Samstag­nachmittag ohne Lohnausfall einzuführen.

29. 4. 1918 Zur Unterbringung von vier obdachlosen Familien hat der Gemeinderat die Zwahlen-Besitzung in Hofstetten für 38'000 Franken erworben.

29. 4. 1918 Infolge andauernd ­ungenügender Kohlenzufuhren sieht sich der Gemeinderat veranlasst, die Gasbadeöfen plombieren zu lassen und die Stras­senbeleuchtung weiter einzuschränken.

Quelle: Stadtarchiv Thun

Thuner Tagblatt

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