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«Meine Tage sind zu kurz für all die Dinge, die mich interessieren»

Dreizehn Jobs probierte sie aus, bis sie jene Stelle fand, die sie 32 Jahre lang fesselte. Nun wurde die Steffisburgerin Marianne Hassenstein für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet: Marianne Hassenstein leitete während 32 Jahren die Stiftung Umwelteinsatz.
Wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet: Marianne Hassenstein leitete während 32 Jahren die Stiftung Umwelteinsatz.
Raffael Thielmann

In ihrem Haus ist sie der Gast, ­zusammen mit ihrem Mann. Und vielen Ameisen, Bienen und Wespen. Marianne Hassenstein klammert sich nicht an Besitz, glaubt an Kreisläufe, wozu sie ihr Anwesen rechnet, das die Burgergemeinde ihr im Baurecht überlässt.

Bis vor wenigen Wochen lagerten im zweiten Stock des Hauses die Ordner der Stiftung Umwelteinsatz, seit 32 Jahren. Damals übernahm Hassenstein deren Leitung. Als erste Frau. Aufgewachsen ist die 62-jährige in Interlaken. Ihre Eltern führten das Hotel Splendid und spannten ihre vier Söhne und die Tochter ein in das Geschäft: In ihrer Freizeit betreute Has­senstein die Gäste, lernte dadurch Englisch, Französisch und Italienisch. Oft wanderte sie mit ihrer Mutter in den Bergen, entdeckte die Schönheit der Natur: Sie linste nach Steinböcken, horchte den Insekten. Und genoss die Stille.

Der Tretmühle entfliehen

Nach der Handelsschule in La Neuveville führte Hassenstein Touristen durch die Toscana, später arbeitete sie in einem Verlag für medizinische Literatur. Elf weitere Jobs folgten. Alle Stellen langweilten sie schnell, ihre Neugierde lechzte nach Nahrung. Bis heute: «Meine Tage sind zu kurz für all die Dinge, die mich inter­essieren.» Regelmässig platzierte sie damals Stelleninserate in Zeitungen: «Suche Herausforderung organisatorischer Art im Umweltbereich.»

Ein Gespräch mit einem Kol­legen führte sie zu jener Stelle, die sie 32 Jahre lang heraus­fordern sollte, der Leitung der Stiftung Umwelteinsatz (SUS). Die Stiftung plant, vermittelt und betreut Umwelteinsätze in der ganzen Schweiz. Freiwillige entbuschen Alpweiden, pflegen Bergwälder und bauen Trockenmauern. Gemäss Statuten will die Stiftung die Natur und den Kontakt zu verwandten Bündnissen pflegen.

Eine Aufgabe, massgeschneidert für Marianne Hassen­stein. Geschäft und Natur vereint. Was Hassenstein während ihrer Amtszeit leistete, lässt sich entweder in Zahlen ausdrücken: Der Umsatz der Stiftung stieg von 150'000 auf drei Millionen Franken; an 170 Orten vermittelt die Stiftung Einsätze, 1986 waren es sieben.

Oder in Geschichten: Als Jugendliche reitet Hassenstein auf einem Pferd durch den Jura. Ihr fallen die kaputten Weidemauern auf. Daran erinnerte sich Hassen­stein 1992 und verpasste sich damit eine neue Mission: Sie will Trockenmauern bauen und sanieren. In der Schweiz fand sie niemanden, der wusste, wie das geht. «Die Liebe zu den Mauern war verloren.» Also lud Hassen­stein einen Experten aus Grossbritannien ein. Er lehrte zwanzig Personen das Handwerk. Später schrieb Hassenstein mit drei Co-Autoren ein Buch mit Anleitungen, wie man eine Trockenmauer baut.

Ein Preis für die Frauen

Angetrieben habe sie stets die Frage: «Wo kann ich mich mit meinen Ressourcen einsetzen?» In der Kommunikation etwa, eine ihrer Stärken. Sich mit Leuten vernetzen und so dafür sorgen, dass sich das Konto der Stiftung füllt. Geld und Werbung für die Stiftung waren der Grund, weshalb sie sich für den Preis Trophée des Femmes bewarb. Diesen verleiht die Fondation Yves Rocher jedes Jahr Frauen aus verschiedenen Ländern, die Grosses leisten für die Umwelt. 2018 fliessen die 10'000 Franken Preisgeld zur SUS.

Hassenstein freut sich über die Auszeichnung. Besonders, weil der Preis Frauen fördert. Ein Anliegen, das für sie höchste Priorität hat. Seit 30 Jahren liest sie die «Emma».

Per Ende Juni ging Hassen­stein nun in Pension. Ihre Nachfolgerin Sarah Mengale wird in Bern arbeiten, die Stiftung ist den Räumen in Steffisburg entwachsen. Marianne Hassenstein befürchtet nicht, dass sie sich nach der Pensionierung an ihr Lebenswerk klammern wird: «Ich kann gut loslassen.»

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