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Metzgerei schliesst – wird das Haus abgerissen?

Die Thuner Metzgerei Kauffmann im markanten Eckgebäude im Bälliz 59 wird Ende Jahr nach 120-jährigem Bestehen geschlossen. Das Haus ist marode, die oberen Geschosse können bereits jetzt nicht mehr genutzt werden.

Das Eckhaus im Bälliz 59, in dem nebst der Metzgerei auch die Bank Cler eingemietet ist, ist in baufälligem Zustand. Foto: Nelly Kolb
Das Eckhaus im Bälliz 59, in dem nebst der Metzgerei auch die Bank Cler eingemietet ist, ist in baufälligem Zustand. Foto: Nelly Kolb

Die Zeiten, als es in der Thuner Innenstadt sieben Metzgereien gab, sind längst vorbei. Nun geht im Bälliz 59 nach 120 Jahren eine weitere zu: Die Metzgerei Kauffmann – vormals Wüthrich – schliesst Ende Jahr. «Trotz sehr guter Arbeit der Angestellten stimmte die Wirtschaftlichkeit nicht mehr», erklärt Walter Gfeller, Inhaber der Firma Kauffmann AG in Schwyz auf Anfrage.

Das Geschäft rentiert nicht mehr und wird Ende Jahr geschlossen. Foto: Nelly Kolb
Das Geschäft rentiert nicht mehr und wird Ende Jahr geschlossen. Foto: Nelly Kolb

Die Gründe sieht er in den allgemeinen Problemen des Detailhandels, dem Einkaufstourismus und dem unter Beschuss stehenden Fleischkonsum. Auch die aufgehobenen Parkplätze in der Innenstadt tragen zu kontinuierlich sinkenden Kundenfrequenzen bei. Trotz intensiver Suche hat Gfeller keinen Nachfolger gefunden. Die meisten der fünf Angestellten, so Gfeller, hätten bereits eine Lösung gefunden, anderen sei man für eine solche behilflich.

Das Problem Befristung

Verhandlungen für eine Nachmiete wurden unter anderen mit der Metzgerei Dorfplatz Zentrum Seftigen geführt. Diese wäre, so ist dort zu erfahren, gerne eingestiegen; weil die Metzger als einstige Mitarbeiter eine Beziehung zur Metzgerei im Bälliz hatten, ihr Produktionsbereich noch Kapazität hätte und die nächste Generation hätte einbezogen werden können. Aber die auf fünf Jahre befristete Mietmöglichkeit hätte nicht dazu ausgereicht, die nötigen Investitionen, namentlich Anpassungen an die aktuelle Gesetzgebung, zu amortisieren. Das war auch für andere Interessenten ein Problem. Deshalb wurde man sich nicht handelseinig.

Die Pensionskasse der Frutiger AG hat die drei Wüthrich-Gebäude im Bälliz 55, 57 und 59 im Jahr 2011 gekauft. «Vertiefte Abklärungen haben ergeben, dass die Bausubstanz des 1928 erbauten Eckgebäudes marode und zum Teil in baufälligem Zustand ist», schildert Matthias Hauswirth, Leiter Immobilienentwicklung. So können etwa die Obergeschosse nicht mehr genutzt und vermietet werden.

Man ermittle nun in Zusammenarbeit mit Architekten, Denkmalpflege und Stadt, welches die vorteilhafteste Lösung sei. Das Gebäude ist zwar erhaltens-, aber nicht zwingend schützenswert. Das heisst, es wäre selbst ein Abbruch und Neubau denkbar und rechtens. Aus Sicht der Denkmalpflege sollte dagegen die angrenzende niedrige Häuserzeile mit den Nummern 55 und 57 integral erhalten und saniert werden. Diese Hintergründe erklären die Mietbefristung.

Im Eckgebäude sind im Erdgeschoss die Metzgerei und die Bank Cler eingemietet. «Es ist schade, dass die Metzgerei schliesst», sagt Uwe Werner von der Frutiger AG Immobilien-Dienstleistung. Man hätte den Mietvertrag gerne verlängert, müsse aber den Entscheid der Kauffmann AG akzeptieren. Nun suche man nach einem geeigneten Mieter, wobei offen sei, in welcher Branche dieser tätig sei.

Das Ende einer Ära

Rückblick: Friedrich Wüthrich betrieb anno 1899 in der Hauptgasse eine Metzgerei. Nach der Heirat mit der gelernten Köchin Elise Bärtschi übernahmen die beiden 1900 das Café Simmen­thaler mit Metzgerei im Bälliz 59. 1928 entstand das an den Altbau angebaute heutige Eckhaus mit Metzgerei und Restaurant – im Volksmund «Sibu» genannt. Die Ära Wüthrich setzte sich mit Sohn Hans und dessen Frau Klara fort.

Beide starben relativ jung; Hans bereits mit 41 Jahren. Fortan führte Gattin Klara den Betrieb mit einem Bruder ihres Mannes, bis ihr Sohn Hanspeter – ebenfalls gelernter Metzger – das elterliche Geschäft 1960 übernahm und weiterführte. Er verkaufte 2011 die drei Liegenschaften mangels Nachfolger an die Pensionskasse der Frutiger AG. «Es tut schon etwas weh, mitzuerleben dass nun alles vorbei ist», gesteht der 82-Jährige Hanspeter Wüthrich ein. Aber, relativiert er: «Die heutigen Probleme hätten sich sicher auch uns gestellt und das Weiterbestehen gefährdet.»

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