Mennig verlässt das Hotel Beatus nach 28 Jahren

Merligen

Eine Ära geht zu Ende: Nach 28 Jahren als Hoteldirektor verlässt Peter Mennig nicht nur das Hotel Beatus, Merligen, sondern gleich die gesamte Hotelbranche. Auch bei seiner neuen Herausforderung steht der Mensch im Zentrum.

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So lange wie er stehen heute nur noch wenige an der Spitze eines Hotels: Der gebürtige Zürcher Peter Mennig leitete während fast 30 Jahren das Beatus am Thunersee. Mit 28 Jahren war er 1988 der jüngste 5-Stern-Hoteldirektor der ganzen Schweiz.

In Zusammenarbeit mit den Besitzern Heiner Lutz und Laurenz Schmid verwandelte er das einst in Konkurs gegangene Haus in eine florierende Wellnessoase. Nun entschieden sich Peter Mennig und seine Frau Silva dazu, das Beatus zu verlassen.Sein Nachfolger wird Sebastian Moser, bis anhin Vizedirektor des Hotels Bellevue-Palace in Bern (vgl. Infobox).

Veränderungen in Branche

«Unsere Branche hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt», sagt Mennig. «Immer mehr stehen Management und Adminis­tration im Vordergrund, es geht um Wertschöpfung statt Wertschätzung. Dabei ist der persön­liche Kontakt zum Gast vor allem in der Ferienhotellerie heute wichtiger denn je. Leider bleibt für diese Aufgabe immer weniger Zeit.

Dadurch wird ein Betrieb unpersönlich und austauschbar.» Diese Entwicklung brachte Mennig, für den das Wohl des Gastes der wichtigste Aspekt im ganzen Hotelgeschehen ist, zum Nachdenken. Dazu komme, dass im Zuge der Globalisierung die Hotelgäste immer internationaler würden: «Heute haben wir Gäste aus verschiedensten Kulturen, was grossartig ist, aber auch ganz neue Probleme mit sich bringt.»

«Heute haben wir Gäste aus verschiedensten Kulturen, was grossartig ist, aber auch ganz neue Probleme mit sich bringt.»Peter Mennig

Eine der grossen Herausforderungen für die Ferienhotellerie werde sein, trotz kultureller Vielfalt den Hotelaufenthalt für jeden Gast so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein europäischer Gast könne sich möglicherweise unter zu vielen Einflüssen aus anderen Kulturen unwohl fühlen, ein grosses Thema sei zum Beispiel das Verschleierungsverbot.

Trotz seiner Entscheidung zum Weggang betont Mennig: «Es tut natürlich weh, die familiäre Atmosphäre des Beatus zu verlassen. Einige unserer Mitarbeitenden sind seit 28 Jahren und mehr dabei, auch viele Stammgäste kennen wir seit Jahrzehnten. Da sind Freundschaften entstanden, die weit über eine Abwicklung einer Dienstleistung hinausgehen.»

Mensch bleibt im Zentrum

Auch zukünftig will Peter Mennig einer Aufgabe nachgehen, bei der das Wohlbefinden des Menschen eine besonders wichtige Rolle spielt. «Meine Eltern führten während 15 Jahren ein Altersheim, dort sah ich, wie viel sie an immateriellem Wert, an Dankbarkeit und Wertschätzung zurückbekommen haben», erzählt er. So soll nun auch Mennigs berufliche Zukunft im Bereich Seniorenresidenz liegen, dabei will er im Kanton Bern bleiben. Details verrät der Hotelier aber noch nicht.

Stetiger Aufbau

Während Peter Mennigs Zeit als Direktor hat sich im Beatus in Merligen vieles verändert. 1994 wurde im Hotel das Erlebnis-Freisolbad eröffnet, das heute mit einer Wellnesslandschaft vervollständigt ist, die sich über 2000 Quadratmeter erstreckt und öffentlich zugänglich ist. Alle Zimmer wurden – teilweise mehrfach – renoviert, kürzlich hat nun auch der Bau am neuen Mitarbeiterhaus inklusive Parkhaus begonnen (wir berichteten).

«Wir hatten das Glück, wirklich viel aufbauen zu können hier im Haus. Dabei gilt es zu beachten, dass wir jeden Franken erst erwirtschaften müssen, bevor wir ihn investieren können: Wir haben keinen Mäzen und auch keine andere Form finanzieller Unterstützung im Rücken», sagt Mennig. Auch auf das vielseitige Kulturprogramm «After-Eight-Geschichten», das vom Beatus gemeinsam mit Annemarie Mühlemann organisiert wird, legt der Hotelier viel Wert.

«Diese Abende, seien sie musikalischer oder literarischer Art, gehören zu meinen schönsten Erinnerungen an die Zeit im Beatus.» Als seinen grössten Erfolg nennt Peter Mennig den Wiederaufbau des Hotels Beatus. Seine wichtigste Ressource seien aber zweifellos seine Angestellten, betont der Direktor erneut: «Sie hauchen dem Hotel eine Seele ein, und das spüren die Gäste.» Er hoffe, dass ebendiese Seele dem Beatus auch in Zukunft erhalten bleibe.

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