Nachhilfe für den Präsidenten

Uetendorf

Hannes Zaugg-Graf kann sein Jahr als Präsident des Grossen Rates beruhigt in Angriff nehmen. An der Feier zu seinen Ehren erhielt er Nachhilfeunterricht.

  • loading indicator

Keine Grabenkämpfe, keine Wortschlachten im Plenum und kein Ringen um Allianzen: An einem Tag Spätfrühling ist im kantonalbernischen Politzirkus jeweils Harmonie Trumpf. Die Mitglieder des Grossen Rates und des Regierungsrates sowie Vertreter der Verwaltung gehen auf eine grosse Klassenfahrt und kommen mit der Bevölkerung in Kontakt.

Anlass ist die Feier für den neuen Grossratspräsidenten, der als Chef des Parlaments der oberste Berner ist. Am Donnerstagnachmittag verschob sich die ganze Corona von der Hauptstadt nach Uetendorf, dem Wohnort von Hannes Zaugg-Graf (GLP). Hier war er von 2002 bis 2013 Gemeindepräsident, bevor er aus beruflichen Gründen zurücktrat.

Bad in der Menge

Am Donnerstag also wurde der ehemalige Präsident als neuer Präsident gebührend gefeiert. Der Polittross wurde Mitte Nachmittag auf den Uetendorfer Dorfplatz gefahren, Zaugg-Graf schritt die Ehrengarde ab, worauf diese mit einem Doppelten Salut für den ersten Knalleffekt der Feier sorgte. Es folgte das Politikerbad in der Menge im Rahmen des öffentlichen Apéros mit Zopf, Käse und Getränken.

Angeführt vom Musikverein Uetendorf verschob sich die Gesellschaft über die gesperrte Dorfstrasse in die Mehrzweckhalle Bach zum offiziellen Teil mit Ansprachen und Abend­essen. Bevor Zaugg-Graf selber vors Mikrofon trat, wurde er in kurzen Ansprachen geehrt.

Uetendorfs Gemeindepräsident Albert Rösti (SVP), Regierungsratspräsident Christoph Ammann (SP), Franziska Schöni-Affolter (GLP-Fraktionschefin im Grossen Rat) und Jürg Iseli (SVP, Grossratspräsident 2018/2019) nahmen in ihren Reden Bezug auf die künstlerischen Seiten des Grossratspräsidenten, der als Schauspieler, Regisseur, Fotograf und Grafiker bekannt ist.

Spass muss sein!

Dann der grosse Moment: Hannes Zaugg-Graf, très chic wie immer, schritt ans Rednerpult und begrüsste die Anwesenden in bestem Bühnendeutsch. «Werter Herr Regierungspräsident, werte Regierungsräte, werte Vizepräsidentin des Grossen Rates...» Weiter und weiter ging die Aufzählung, bis plötzlich ein kleiner Mann seitwärts auf die Bühne stürmte und mit Christoph Blochers Dialekt und Tonfall sagte: «Sie packed das vollkomme verchehrt a!» Das Publikum bog sich vor Lachen: Es war kein anderer als der Schweizer Kultschauspieler Walter Andreas Müller, der Zaugg-Graf einen blocherschen Crashkurs in politischer Kommunikation gab!

«Man kann jeden brauchen»

WAM zog zum Vergnügen des Publikums alle Register seines Könnens, indem er als Blocher andere Politiker parodierte wie Bundesrat Alain Berset, die Alt-Bundesräte Johann Schneider-Ammann und Moritz Leuenberger sowie Nationalrat Jean Ziegler. «Sie tönet ja wienen Schwob», belehrte er Hannes Zaugg-Graf. «Ihres Hochdütsch isch viel z hoch und z tütsch!» Zaugg-Graf konterte: «Es reicht nicht, unfähig zu sein, man muss damit in die Politik», und WAM-Blocher zog das Fazit: «Man kann jeden brauchen – im schlimmsten Fall als schlechtes Beispiel.»

Das Publikum im SVP-dominierten Uetendorf nahms mit Humor, auch als WAM den Gemeinde- und nationalen SVP-Präsidenten Albert Rösti als «Oberhärdöpfel» bezeichnete.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt