«Nüün Boxer im Ring» oder «Alli so nätt»

Thun

Flotte Voten, einige Zoten und diverse Vorboten, was auf Thun je nach Wahlausgang zukommt: Am Mittwochabend fand im Hotel Freienhof das grosse Podium dieser Zeitung zu den Thuner Wahlen statt.

Der Thuner Wahlkampf geht in die heisse Phase.

Der Thuner Wahlkampf geht in die heisse Phase.

(Bild: Patric Spahni)

«Zwe Boxer im Ring gä nang ufe Gring», sang Mani Matter in einem seiner berühmtesten Lieder. An diesem Mittwochabend stehen nicht nur zwei, sondern gleich neun «Boxerinnen» und «Boxer» im Ring. Oder eben auf der Bühne des grossen Saals im Hotel Freienhof.

Allen gemein ist: Sie tragen keine Boxhandschuhe. Ach ja, und sie wollen alle schampar gern neu in die Thuner Regierung – oder aber ebendort bleiben. «Ufe Gring» geben sie sich denn auch allerhöchstens im übertragenen Sinn – handgreiflich, so viel sei vorweg verraten, wird am grossen Wahlpodium dieser Zeitung niemand. Gilt sogar viel eher «Es si alli so nätt», wie es Franz Hohler einst vortrug? Abwarten.

Erste Runde im Ring


Von links: Konrad Hädener (CVP, Vorsteher Direktion Bau und Liegenschaften), Roman Gimmel (SVP, Vorsteher Direktion Bildung Sport Kultur), Raphael Lanz (SVP, Stadtpräsident), Peter Siegenthaler (SP, Vorsteher Direktion Sicherheit und Soziales) und treten zur Wiederwahl an. Die Fragen stellt Stefan Geissbühler, Chefredaktor des Thuner Tagblatts (Mitte).

«Fast wie im Boxmatch» gebe es mehrere Runden, schickt Moderator Stefan Geissbühler, Chefredaktor von «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer», vor gegen zweihundert Zuschauerinnen und Zuschauern voraus. In der ersten Runde äussern sich die vier bisherigen Gemeinderäte, die wieder antreten. Dass er überraschend doch noch in einen Wahlkampf ums Stadtpräsidium steigen musste, sei für ihn kein Schock gewesen, beteuert Stapi Raphael Lanz (SVP): «Ich war mental gut darauf vorbereitet.» Bauvorsteher Konrad Hädener (CVP) nimmt es gelassen, dass sein Sitz – Zitat Geissbühler – «bedenklich wackelt». Für ihn gelte das Motto, das die ARA, in dessen Vorstand er ist, in Bezug auf Abwasser verfolge: «Wir nehmen es, wie es kommt.»Die Lacher hat er schon mal auf seiner Seite.

Genau wie SP-Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler mit seiner Kürzestantwort auf die Frage, ob er sich ein bisschen einsam fühle, weil er ab dem 25. November eventuell der letzte Genosse im Gemeinderat sei: «Ja.» Und Roman Gimmel (SVP) gibt in Sachen strapazierter Geduldsfaden am Beispiel der ewigen Geschichte um die Spielfelder bei der Stockhorn-Arena zu: «Als Jüngster und vielleicht auch Ungeduldigster sind das Qualen, die man aussteht.» So weit, so «nätt».

Herausforderer steigen ein


Von links: Matthias Zellweger (parteilos), Daniela Huber Notter (BDP), Carlos Reinhard (FDP), Andrea de Meuron (Grüne) und Margrit Schwander (SP) wollen einen Sitz im Gemeinderat erobern.

Nun steigen die neuen Herausforderer in den Ring. Andrea de Meuron verneint die grossen Ambitionen der Grünen nicht: «Wir wollen unbedingt Verantwortung übernehmen!» Pfarrerin Margrit Schwander sagt, sie sei von der Anfrage der SP überrascht gewesen. «Ich bin sehr gern Pfarrerin!» Trotzdem reizt sie das Gemeinderatsamt. Daniela Huber Notter betont zu den Übertritten ehemaliger Parteikollegen im Stadtrat in andere Parteien, die verbleibenden BDP-Stadträte seien «total motiviert», die Partei «gut unterwegs».

Carlos Reinhard (FDP) pariert die Bemerkung, er habe keine reelle Wahlchance, mit dem Hinweis auf die Dynamik in der FDP: «Wir sind im Aufwind.» Und dann äussert sich der parteilose Matthias Zellweger, der mit ziemlich viel Getöse ins Stapi- und Gemeinderatsrennen gestiegen ist. Er kanzelt den aktuellen Gemeinderat gleich mal als «harmonisierte, nette Verwaltungsgruppe» ab.

War das nun ein linker oder ein rechter Haken? Nun, auf die Frage, ob er sich denn als Regierungsmitglied an das Kollegialitätsprinzip halten würde, antwortet Zellweger schon fast wieder «nätt»: nach der internen Auseinandersetzung (in Zellwegers Worten: «nach der Austragung im Boxring») – «ja».

Verbaler Boxmatch lanciert

Damit ist der verbale Boxmatch lanciert. Stapi Lanz pariert den zellwegerschen Angriff, spricht von harten internen Auseinandersetzungen – «aber wir spielen nicht auf Personen». Vertrauen aufzubauen, dauere relativ lange. Das solle nicht aufs Spiel gesetzt werden, indem man sage, es müsse auch mal «chli schärbele». Zellweger legt mit der Bemerkung nach, der Regierung fehle der Moderator. Nun sieht sich Peter Siegenthaler – politisch nicht im Verdacht, Lanz nach dem Maul zu reden – genötigt, dem Stapi den Rücken zu stärken: «Die Regierung hat einen Moderator, er sitzt oben am Tisch und macht das gar nicht so schlecht!» Dafür erntet er Szenenapplaus. Siegenthaler sagt zudem, er sei stolz darauf, dass in Thun nicht «showmässig» Politik betrieben werde.

Den wiederholten Angriffen zum Trotz meint Stapi Raphael Lanz abschliessend versöhnlich: Er sei überzeugt, dass er im Fall seiner Wiederwahl mit allen gut werde zusammenarbeiten können. Also doch «Alli so nätt»? Nun, ausgeteilt wurde durchaus – ein sehr kurzweiliger Abend im politischen Thuner Boxring geht aber immerhin ohne (sichtbare) Blessuren zu Ende.

Runde 3: Themenrundgang


Die Podiumsteilnehmer diskutieren über die politischen Baustellen in der Stadt Thun.

Runde 4: Stapitalk


Der parteilose Matthias Zellweger (links) fordert den amtierenden Stadtpräsidenten Raphael Lanz (SVP) heraus.

Runde 5: Fragerunde


Auch das Publikum im Freienhof konnte drei Fragen an die Podiumsteilnehmer richten.

Schlussrunde: Thun 2048


Wie steht es um die Stadt Thun in 30 Jahren? Die Visionen der Podiumsteilnehmer.

Thuner Tagblatt

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