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Politmüesli durchs Katzentürli

Als letzte Kleinkunstperle der Kultursoufflé-Saison spielte Lorenz Keiser sein backwarmes Programm «Matterhorn Mojito». Im KKThun überschüttete der Grandseigneur der Satire sein Publikum mit einem kreativ-politischen Cocktail.

Ein Meister seines Fachs: Lorenz Keiser zog bei seinem Auftritt alle Register.
Ein Meister seines Fachs: Lorenz Keiser zog bei seinem Auftritt alle Register.
Patric Spahni

Ein Erdbeertörtli mit fünf Erdbeeren und zwei Knoblauchzehen sei keine Zauberformel, aber so sei die Demokratie. Die Herausforderung des Samstagabends ist ein Nachtessen mit drei Pärchen. Die eine Besucherin verträgt keine Zwiebeln, der andere isst vegetarisch. Glutenfrei, ohne Milchprodukte oder Nüsse müsste er auch kochen. Also gibts Pizza ohne Teig mit Sojamilchreis: «Aber das fress ich nicht!», trötzelt er. «Hirn Zero» von führenden Schweizer Parteien wäre auch denkbar. Es gäbe eine essende Klasse und das Vegetariat, da brauchts gar keine Politik mehr.

Lorenz Keiser kleckert nicht mit Pointen, er klotzt. Er fände sich in einer neuen Welt wieder, in der die Naildesigner und Kommunikationsexperten die Schriftsetzer und Buchbinder abgelöst hätten. Alle kommunizieren nur noch, gopfverdammi... auf dem Land kommunizieren die SVP-Plakate auf den Wiesen gar mit den Kühen.

Wenn die Rösti nach Kebab schmeckt

Die imaginäre Gattin Lea, die Lorenz Keiser mit hoher Stimme zu Wort kommen lässt, möchte einen Flüchtling im Bügelzimmer unterbringen. Die Frau mit türkisch-norwegischen Wurzeln (sie glaubte lange, Solothurn sei eine Sportart, und ihre Rösti schmeckt nach Kebab) fühle sich allein, seit Milena aus dem Haus sei. Die 14-Jährige hat das Haus verlassen, nachdem in der «Arena» von Flüchtlingen die Rede war, die durchs Katzentürli eindringen.

Aus Angst lebe die Katze (ach so...) bei Freundin Betty. Nach zwei Salmonelleninfektionen bei der Eierdiät hat sich diese aufs Haarwaschen mit Eiern beschränkt. Einmal spülte sie zu heiss – kurzerhand trat sie als lebende Installation bei einer Vernissage auf und las laut Tortillarezepte, während die Katze ihr das Rührei vom Kopf frass.

Lorenz Keiser wickelt sein Publikum um den Finger, das achtgeben muss, zwischen dem Lachen auch mal Luft zu holen. Sind Burkas schlimmer als Wolljacken mit Zopfmuster? Was sind Wirtschaftsflüchtlinge? Solche, die illegal ins Land reinschleichen, um zu arbeiten. Wie jemand, der in eine Villa einbricht – um dort zu putzen.

Als das Callcenter anruft, macht Lorenz Keiser den «Sarasin», eine Hommage an seine Eltern vom Kabarett César Keiser und Margrit Läubli. Legendär, wie sein Vater Cés einst für die Ferien in Frümsen eine separate Telefonrechnung wollte – heute baslert Sohn Lorenz eine Anruferin in den galoppierenden Wahnsinn, bis sie nur noch Birchermüesli röchelt.

Kein «Swiss made» mehr auf den Handgranaten?

«Chicken are the nigger of the bird world.» Dieses Lied solle er am Abend mit Gästen nicht singen, meint Lea. Tut er trotzdem. Die Schweizer lochen ja gerne, wie die Gotthardröhren beweisen, während es andere Länder übers Meer oder ins All zieht. Während der Sprachakrobat eine Lichterkette für seine Gäste aufhängt, findet er zufällig eine Pistole im Handwerkskasten und plaudert über den Waffenhandel.

Die kleine Schweiz sei auf der ­Liste der weltweiten Waffenhändler Nummer 14. Die SVP wolle auf den Handgranaten das «Swiss made» weglassen, damit es niemand merkt. Mit einem Reggaestück beschloss Lorenz Keiser seinen rasanten Rundumschlag. Das Publikum applaudierte intensiv, aber nur kurz – es hatte wohl nach zwei lachintensiven Stunden keine Kraft mehr.

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