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Pro und kontra Studium oder Weiterbildung

Ohne Weiterbildung geht heute kaum mehr was. Aber welcher Weg ist der richtige: Job oder Uni?

Studierende an der Universität.
Studierende an der Universität.
Raisa Durandi

Heutzutage gibt es nahezu für jegliche Art von Interessen eine Studienrichtung an einer Hochschule. Die Freiheit, sich mit einem Thema, einer Disziplin oder einem Fach intensiv auseinandersetzen zu können, bietet die ideale Gelegenheit, sich in seine Stärken und Möglichkeiten vertiefen zu können.

Durch die Spezialisierung, das Setzen von Schwerpunkten und Besuchen von Nebenfächern kann das heutige Studium einer Person einen ganz eigenen Geschmack und Charakter verleihen. Wissenschaftliches Lernen hat demnach weniger Zwang als eine spezifische Weiterbildung, und genau dieser besondere Reiz macht das Studium aus.

Kaum Konkretes

Viele junge Erwachsene starten ein Studium, obwohl sie noch kaum konkrete Vorstellung haben, welchen beruflichen Tätigkeiten sie langfristig nachgehen wollen. Das Studium setzt dieses Wissen auch nicht voraus – bis auf bestimmte Berufe, bei welchen es eine unerlässliche Voraussetzung ist, wie beispielsweise Lehrer, Arzt oder Anwalt.

Durch die Diversität der Studiengänge erlangen Studierende hohe, aber dennoch unterschiedliche fachspezifische Kenntnisse sowie ein breites Allgemeinwissen. Während des Studiums bieten Praktika oder Nebenjobs die Möglichkeit, sich durch Erfahrungen das nötige Know-how für spätere Aufgaben zu sichern.

Dank des oftmals spezialisierten und individuellen Wegs durch das Studium erschafft man sich die ganz persönliche Arbeitskarte und macht sich für den Arbeitsmarkt und den späteren Einstieg ins Berufsleben attraktiv und einzigartig.

Selbstständig arbeiten

Es ist aber nicht nur eine gute Investition für zukünftige Jobs, es ist ebenso eine gute Investition für die Person im Allgemeinen. Die Studienzeit lehrt, selbstständig zu arbeiten und sich schnell neue Fähigkeiten anzueignen. Nicht nur deshalb haben Akademiker häufig bessere Aufstiegschancen in ihrem späteren Arbeitsumfeld und können in der Regel mit einem höheren Einstiegsgehalt rechnen.

Einer der ausschlaggebendsten Negativpunkte, die das Studium mit sich bringt, sind natürlich die eher umfangreich anfallenden Kosten. Das Studium gibt es nicht umsonst, und ein Grossteil aller Studierenden ist auf die finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen. Man verdient kein Geld, aber zahlt viel Geld. Somit kann die Freiheit, die das Studium ausmacht, nur bedingt genutzt werden, und man muss dennoch auf einiges verzichten. Somit müssen die Semesterferien effizient, sowohl zum Arbeiten und Geldverdienen wie auch zum Ferienmachen oder Reisen, genutzt werden.

Man muss definitiv der Typ zum Studieren sein. Die Bereitschaft zur Selbstständigkeit und Selbstdisziplin erfordert eine hohe Eigenmotivation, und man muss bereit sein, sich in etwas hineinzubeissen und hineinzusteigern. Viele haben zu hohe oder falsche Erwartungen an ihr Studium. Nicht zuletzt deshalb brechen viele ihr Studium frühzeitig ab oder wechseln komplett die Studienrichtung. Denn für das ideale Studium gibt es weder ein Rezept noch eine Garantie.

Vorteil Praxisbezug

Fällt die Entscheidung auf eine Weiterbildung im beruflichen Bereich, stehen einem die höheren Fachschulen, welche berufsbegleitend besucht werden können, oder eine interne oder externe, branchen- oder fachspezifische Weiterbildung zur Auswahl. Der Hauptvorteil dieser Ausbildung besteht darin, den Praxisbezug nie zu verlieren und sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis erhöhte Fortschritte zu erzielen.

Das Erlernte wird direkt in die Praxis umgesetzt und kann konkret angewandt werden. Dies fördert den Lerneffekt. Die dazu stetig steigende Berufserfahrung macht die Persönlichkeit zudem attraktiver für die eigene Firma.

Finanziell unabhängiger

Dies wiederum steigert die finanzielle Unabhängigkeit und trägt zur persönlichen Entwicklung bei. Eine Weiterbildung fordert hohe Kosten, jedoch in einem viel kleineren Rahmen als das Studium. Logischerweise muss durch eine Weiterbildung das Arbeitspensum oftmals reduziert werden. Dennoch ist man durchaus imstande, den Lebensstandard aufrechtzuerhalten und unabhängig von den Eltern zu sein.

Zusätzlich kann das Potenzial eines möglichen Motivationsverlusts stark verringert werden, denn durch das Neuerlernte und den ständigen Praxisbezug entsteht eine gesunde Balance zwischen Theorie und Praxis. Dadurch entwickelt man sich optimal weiter und entdeckt möglicherweise neue Interessen.

Sich unterordnen

Teil einer Unternehmung oder einer Institution zu sein, lehrt einen, sich unterordnen zu können, sich einer Position anzunehmen und diese zu behaupten. Es gibt Personen in der Organisation, die stehen über einem, aber auch welche, die stehen unter einem. Ein Unternehmen bietet prinzipiell die beste Voraussetzung, um herauszufinden, für welche Aufgaben man sich, nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch privat oder in der gesamten Gesellschaft, bereit fühlt und welche man lieber einem anderen überlässt.

Nichtsdestotrotz bestehen diverse Nachteile einer «Nur-Weiterbildung». Beispielsweise, wenn es um den Lohn geht, und der ist im Falle eines Studiums langfristig höher. Zudem kommen die eher schlechteren und erschwerten Aufstiegschancen. Dies heisst aber keineswegs, dass keine Aufstiegsmöglichkeiten bestehen. Trotzdem wird der Weg bis ganz nach oben womöglich ein eher aussichtsloses Unterfangen.

Ans Unternehmen gebunden

Das Gebundensein an ein Unternehmen bedeutet gleichzeitig weniger Freiheit. Anweisungen der Vorgesetzten lassen viel weniger Spielraum für die eigene Kreativität oder Interessen. Natürlich ist dies abhängig von der Firma, aber beispielsweise Ferien können höchst unwahrscheinlich spontan und willkürlich gewählt werden. Des weiteren hat ein Student deutlich mehr Freizeit sowie Ferien, welche er zu seinen eigenen Gunsten nutzen kann.

Schlussendlich spielt der eingeschlagene Weg wohl keine Rolle. Es ist wichtig, sich zu überlegen, welche Ziele man verfolgt, und diese dann konsequent umzusetzen. Man muss glücklich sein bei dem, was man tut, und man muss stets die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bereitstellen.

Ryan Koller (20) absolviert nach dem Gymnasium eine Way-up-KV-Lehre.

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