Rasen wie die Wilden

Schwendibach

Am Wochenende bretterten in Schwendibach am 44. Seifenkisten-Derby die «soap boxes» ins Tal. Für den einheimischen Alan Zaugg war vom Unfall bis zur Bestzeit alles drin.

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Julian Seidl

Er hält ein letztes Mal inne. Sein Blick gleitet nach unten, und man merkt: Alan Zaugg geht in Gedanken noch einmal die Rennstrecke durch. Er kennt jeden Winkel des 800 Meter langen Strassenabschnitts, jede Schikane, die auf ihn wartet. Am Morgen hatte er sich bei der Streckenbesichtigung noch einmal alles vor Augen geführt. Zaugg weiss genau, wo er bremsen muss und wo er seine Kiste auf dem Asphalt des schmalen Strässchens in Schwendibach gleiten lassen kann.

Dann gibt der Starter das Zeichen. Daumen hoch, los gehts. Die grüne Seifenkiste rollt an und brettert sogleich auf die erste Schikane zu. Er passiert sie. Problemlos. Im ersten Rennen vom Samstag war ihm diese Stelle noch zum Verhängnis geworden. Nachdem er einem Strohhindernis ausgewichen war, riss das Steuerseil. Zaugg glitt ins Feld und blieb zum Glück unverletzt. Danach wurde er Fünfzehnter.

Jetzt aber schafft er es bis ins Ziel. Zeit: eine Minute und 32 Sekunden. Es ist die Tagesbestzeit des 14-jährigen Schwendibachers und bedeutet Zwischenrang zwei für ihn. Es sei immer sein Ziel, mindestens aufs Podest zu fahren: «Klar, ich will immer gewinnen», sagt er und strahlt. Seit zwei Jahren fährt er in der Kategorie der Lizenzierten mit. Nach seiner ersten Saison ist er schweizweit Neuntbester.

Der Wettkampfmodus

In diesem Jahr trägt er die Startnummer 111. Der beste Fahrer der Saison erhält nach dem letzten Rennen im Tessin die 120. Sechzehn Rennen bestreiten die Seifenkisten-Rennfahrer pro Saison. Antreten können sie im Alter von acht bis sechzehn Jahren. Alan ist wenn möglich an allen Rennen mit dabei. Unterstützt wird Alan Zaugg von seiner Familie und vom Schwendibacher Seifenkistenteam.

Der Zeitaufwand für das aussergewöhnliche Hobby ist gross, denn die Rennen finden in der ganzen Schweiz statt. «Wir müssen uns einfach in der Familie und im Team organisieren», sagt Felix Zaugg, Vater und Vorbild. Nach der Schule nimmt sein Sohn eine Lehre als Landmaschinenmechaniker in Angriff.

Das passt prima. Bereits jetzt setzt sich Alan mit der Mechanik seiner Seifenkiste auseinander. «Wir wollen, dass sich die Kinder auch um den Unterhalt kümmern», sagt Alans Vater Felix.

Ihren Namen haben die Seifenkisten übrigens aus den USA. Myron E. Scott, ein amerikanischer Zeitungsfotograf, taufte sie 1933 «soap boxes». Für eine Reportage fotografierte er Jugendliche, die ihre Rennwagen aus Holzkisten fertigten. In den Kisten wurden Seifen in den Einzelhandel geliefert.

Glücklich trotz Niederlage

Zurück zum Rennen: Nachdem Alan Zuagg im dritten und letzten Durchgang seine Tagesbestzeit hat erzielen können, wartet er jetzt auf die Auswertung. Die Zeiten der zwei besseren Durchgänge werden nun addiert und so der Sieger festgelegt.

An der Siegerehrung wird klar: Der Lokalmatador hat es knapp nicht aufs Podest geschafft. Er wird Fünfter. Trotzdem überwiegt beim jungen Rennfahrer die Freude: «Ich bin sehr zufrieden. Vor allem auch, weil ich mich im Verlauf des Rennens steigern konnte.» Tagessieger wird Fabien Fehr aus Müllheim.

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