Regionalgericht sah von einer Haftstrafe ab

Erleichterung bei einem jungen Mann aus Thun: Vor Gericht wurde er statt zu Haft zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der verurteilte Mann hatte Anfang 2018 eine Hunderternote auf zwei Seiten eines Blatts kopiert und total drei falsche Hunderter hergestellt.

Der verurteilte Mann hatte Anfang 2018 eine Hunderternote auf zwei Seiten eines Blatts kopiert und total drei falsche Hunderter hergestellt.

(Bild: Beat Mathys)

Geldfälschung, In-Umlauf-Setzen falschen Geldes: Der am Donnerstag vor dem Einzelgericht in Thun verhandelte Fall deutete auf ein doch spezielles Delikt hin. Auf dem Strafbefehl vom 18. Oktober 2018 war der Tatbestand dann eher unspektakulär: Der 1990 geborene Mann hatte Anfang 2018 eine Hunderternote auf zwei Seiten eines Blatts kopiert und total drei falsche Hunderter hergestellt.

Einen davon hatte er in einem Gastgewerbebetrieb in Bern in Umlauf setzen können. Er hatte eine Ecstasy-Pille und Kamagra-Pillen bei sich, ein in der Schweiz verbotenes indisches Potenzmittel. Zudem fuhr er fünfmal ohne Ticket nach Bern.

Nicht das erste Urteil

Der junge Mann war geständig. Angefochten hat er den Strafbefehl, weil die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Haftstrafe von drei Monaten ausgesprochen hatte. Dies nicht von ungefähr. Es war nicht das erste Gerichtsurteil, das gegen den Mann ausgesprochen worden war.

Er hatte bereits ein Auto zum Gebrauch entwendet, war ohne gültigen Fahrausweis gefahren: Insgesamt hat er in kurzer Zeit viermal delinquiert. Die Staatsanwaltschaft begründete die unbedingte Haftstrafe damit, dass die finanziellen und persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten es erwarten lassen würden, dass eine andere Strafe nicht vollzogen werden könne. Eine Freiheitsstrafe erschien ihr als notwendig, um den Mann vom Begehen weiterer Delikte abzuhalten.

Ohne Verteidiger vor Gericht

Einen Verteidiger hatte der Mann nicht mehr, er konnte ihn nicht bezahlen. Anscheinend hat aber die drohende Haftstrafe bereits etwas bewirkt: Der Mann hat Arbeit gefunden, allerdings noch nicht, wie er es wünschen würde, in seinem erlernten Beruf. Er will zu seinen Verpflichtungen stehen.

Eine der ausstehenden Geldstrafen bezahlte er wenige Tage vor dem Gerichtstermin, als die Kantonspolizei Bern ihn wegen einer früheren nicht bezahlten Geldstrafe abholen wollte.

Gerichtspräsidentin Julia Eggli klärte diesen vom Angeklagten nicht mit einem Beleg bewiesenen Sachverhalt telefonisch ab, bevor sie das Urteil fällte. Sie versuchte, den Mann für einen gemeinnützigen Arbeitseinsatz zu motivieren.

Da es nicht ihre Aufgabe ist, zu entscheiden, ob und wie dieser durchgeführt wird, liess sich der Mann nicht darauf ein. Er wolle seine jetzige Arbeit nicht gefährden. Die Richterin entschied, ihm «eine allerletzte Chance» zu geben. Sie widerrief ein noch hängiges, bedingt ausgesprochenes Urteil und sprach eine Geldstrafe von insgesamt 100 Tagessätzen aus, wobei sie den Ansatz auf 20 Franken reduzierte. Im widerrufenen Urteil hatte er noch 80 Franken betragen. Neben der Strafe fallen eine Busse und die Gerichtskosten an.

Thuner Tagblatt

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