Sanierung hält Angriff von links stand

Thun

Der Thuner Stadtrat hat den Kredit für die Sanierung und den Ausbau der Flugplatzstrasse mit komfortablem Mehr genehmigt. Gegenstimmen kamen vorallem von der linken Ratsseite.

Der Stadtrat hat den Kredit für die Sanierung der Flugplatzstrasse am Donnerstag bewilligt. Die Strasse wird ab Höhe des Hangars (rechts) neu geradeaus führen.

Der Stadtrat hat den Kredit für die Sanierung der Flugplatzstrasse am Donnerstag bewilligt. Die Strasse wird ab Höhe des Hangars (rechts) neu geradeaus führen.

(Bild: Christoph Gerber)

Nüchtern betrachtet behandelte der Stadtrat am Donnerstag lediglich die Sanierung und den Ausbau der Flugplatzstrasse. Trotzdem liess sich das Geschäft nicht isoliert beurteilen, hängt doch der Ausbau direkt mit dem geplanten neuen Abfallsammelhof der Stadt und der AG für Abfallverwertung (Avag) in diesem Gebiet zusammen.

Wegen des Sammelhofs sei auf der Strasse, die von der Kreuzung Waldeck im Lerchenfeld die Sportplätze der Genossenschaft Sportanlagen Waldeck und den Flugplatz Thun entlang bis zur Überführung über die A 6 führt, künftig «mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen», heisst es in den Stadtratsunter­lagen. Dass das Geschäft zu reden geben würde, war deshalb zu erwarten – zumal auch der Abfallsammelhof an und für sich im Quartier stark umstritten ist.

Ein weiterer, nicht unwesentlicher Nebenaspekt der Sanierung ist die neu gewählte Linienführung. Künftig soll die Strasse auf der Höhe des heutigen Hangars des Flugplatzvereins geradeaus statt schräg links in Richtung Allmend gelegt werden.

Dies würde es dem Verein ermöglichen, auf der frei werdenden Fläche einen neuen Hangar zu bauen, wodurch Segelflugzeuge auf dem Weg vom Hangar zur Start- und Landebahn die Strasse nicht mehr mehr queren müssten. Ob ein Neubauprojekt für den Verein tragbar ist, muss noch abgeklärt werden.

«Keine Salamitaktik»

Gemeinderat Konrad Hädener (CVP) stellte zunächst die angebliche «Salamitaktik» in Abrede. Der Bauvorsteher bezog sich damit auf einen Leserbrief in dieser Zeitung, der hinter dem Geschäft vor allem die Sicherstellung des Sammelhofs vermutete. «Wenn ihr zu diesem Kredit Ja sagt, ist dies kein Präjudiz für den Bau des Sammelhofs», hielt Hädener fest. Mit der Sanierung und dem Ausbau der Strasse erfolge lediglich die Basiserschliessung.

Hierfür sei die Stadt zuständig, ähnlich wie aktuell beim neuen Kreisel an der Kreuzung Strättligenstrasse/Moosweg. Auf eine Abhängigkeit wies Hädener doch noch hin: «Ohne das Ja zum Sanierungskredit wird die Avag für ihr Sammelhofprojekt keine Baubewil­ligung erhalten.» Ganz generell lasse sich sagen, dass die Strasse Defizite in Sachen Sicherheit aufweise; der Handlungsbedarf sei so oder so gegeben.

SP vermisste Velostreifen

Als begeisterter Befürworter des Kredits outete sich Peter Aegerter (SVP). «Ich spiele seit 1969 im Lerchenfeld Fussball und kenne die dortige Situation darum wohl so gut wie niemand hier», sagte der Präsident der Genossenschaft Sportanlagen Waldeck. Der Sport-, Flugplatz- und Freizeitbetrieb im Gebiet wachse seit Jahren stetig, entsprechend sei der Strassenausbau angebracht. Gleichzeitig werde die Sicherheit für die Fussgänger dank der neuen beidseitigen Trottoirs «zu 100 Prozent» gewährleistet.

«Es wäre scheinheilig, wenn wir diesen Kredit nur wegen eines anderen unliebsamen Projekts bekämpften», schloss Aegerter. «Eindeutig» präsentierte sich die Lage auch für Hanspeter Aellig (FDP): «Es handelt sich um eine sinn- und massvolle Erneuerung der Strasse, und das Projekt ist koordiniert mit den geplanten Arbeiten auf der Allmendstrasse.»

Den «Reigen der Einigkeit» beendete Franz Schori (SP): «Für uns sind die Kosten zu hoch. Und die Velofahrer wurden schlicht vergessen.» Er schlug vor, zumindest eines der Trottoirs zugunsten eines Velostreifens aufzugeben, und stellte einen Rückweisungsantrag, um das Geschäft zu überarbeiten. Nicole Krenger (FDM) erklärte ebenso, dass sie sich mit dem Kredit schwertue.

«Ich habe mich gefragt, weshalb das gerade jetzt in den Stadtrat kommt.» Ob und, falls ja, wann der Sammelhof realisiert werde, sei ja noch völlig offen. Dennoch werde sie dem Kredit «zähneknirschend» zustimmen. Als Vertreterin der Minderheit der SVP-Fraktion äusserte sich schliesslich Daniela Weber, die selber im Lerchenfeld lebt und den Kredit ebenfalls ablehnte: «Dieses Geschäft dient einzig dem Bau des Abfallsammelhofs. Der Verkehr wird gegenüber heute sehr stark zunehmen.»

Rückweisung blieb erfolglos

Vor den entscheidenden Abstimmungen verwahrte sich Hädener gegen den Vorwurf Schoris, die Velos vergessen zu haben. Bei einer Gesamtbreite der Fahrbahn von sechs Metern sehe das Gesetz schlicht keine Velostreifen vor.

Das Parlament lehnte sodann zuerst den Rückweisungsantrag der SP ab – mit 23 zu 15 Stimmen. Den Kredit für Sanierung und Ausbau hiess der Stadtrat am Ende mit 23 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung gut.

Thuner Tagblatt

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