Schlechte Visitenkarte

Stefan Geissbühler, Chefredaktor des Thuner Tagblatts, zum zweiten Abgang im Oberhofner Gemeinderat innerhalb von einem Jahr.

Stefan Geissbühler

Zum schönsten Dorf der Schweiz wurde Oberhofen letzten Sommer gewählt – doch hinter den Fassaden brodelt es seit langem gewaltig. Das hatte sich bereits im Februar 2018 gezeigt, als Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger (FDP) entnervt den Hut nahm und zurücktrat. Es war ein Abgang mit Nebengeräuschen. In einem dreiseitigen Schreiben rechnete die Gemeindepräsidentin ab – schrieb unter anderem von mangelndem Respekt im Dorf, abnehmender Kompromissbereitschaft, fehlender Zivilcourage.

Und nun folgt der nächste Abgang. Petra Maurer Stalder (SP) – erst Ende Oktober 2016 in den Gemeinderat gewählt – mag auch nicht mehr. Sie macht geltend, dass «die Gesamtverantwortung des Gemeinderates ungenügend wahrgenommen wird». Dies vor allem in den Bereichen der strategischen Finanzplanung und in der Kommunikation mit der Bevölkerung. Deshalb sei sie nicht mehr bereit, die Leistung des Gesamtgemeinderates mitzutragen. Wer so denkt, zieht zu Recht die Konsequenzen und tritt zurück.

Oberhofen kommt einfach nicht zur Ruhe – das ist eine schlechte Visitenkarte für das schönste Dorf der Schweiz. Was es nun braucht? Einen echten Dialog der Gemeindeoberen mit dem unzufriedenen Teil der Oberhofner Bevölkerung. Und einen Gemeinderat, der wirklich gemeinsam am selben Strick zieht.

Thuner Tagblatt

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