Schnäppchen am Laufmeter

Heimenschwand

Suppenschüssel, Geschirr, Küchenschürze oder Tischdekoration: Im Hotel-Restaurant Rohri­moosbad kommen derzeit Schnäppchenjäger auf ihre Rechnung. Im letzten Gasthof im Dorf herrscht der grosse Ausverkauf.

Zahlreiche Interessiertetummelten sich gestern im Saal des Rohrimoosbades, um ein Souvenir zu ergattern.

Zahlreiche Interessiertetummelten sich gestern im Saal des Rohrimoosbades, um ein Souvenir zu ergattern.

(Bild: Stefan Kammermann)

Die Tafel mit den Weinpreisen im Offenausschank hängt an der Wand in der Gaststube, als würden gleich Gäste erwartet. Und Gäste, oder besser Schnäppchenjäger, sind auch da. Zahlreich sogar. Gekommen sind sie am Freitag nicht, um sich vom Küchenchef und aus dem Weinkeller verwöhnen zu lassen.

Auf den Tischen in der Gaststube des ehemaligen Hotel-Restaurants Rohrimoosbad in Heimenschwand stapeln sich Tischdecken, Küchentücher, Bettwäsche und vieles mehr. Gleich daneben im grossen Saal ist sozusagen die Geschirr- und Dekorationsabteilung eingerichtet. Schwarze Teller, weisse Tassen, da und dort mit Blumenmuster, filigrane Gläser, farbige Blumenwasen, Suppenschüsseln, Garderobeständer, Fonduepfannen oder Herzen aus Stoff sind nur ein paar Beispiele, die auf neue Besitzer warten.

Nachdem die Betreiber den Gasthof – den letzten im Dorf – Ende Juni altershalber geschlossen haben, herrscht dort dieser Tage Ausverkauf- und Flohmarktstimmung. «Es ist schon ein spezielles Gefühl, wir können aber nicht alles behalten und sind froh, wenn es noch jemand nutzen kann», sagt Werner Staub, der gemeinsam mit seiner Frau Madeleine das Hotel-Restaurant Rohrimoosbad dreissig Jahre lang geführt hat.

Ausverkauf kommt gut an

Der Ausverkauf jedenfalls kommt gut an. Bereits kurz nach Beginn wimmelt es von Schnäppchenjägerinnen und auch einigen -jägern. Jürg und Susanne Wydler aus Heimenschwand sind gleich mit Schwiegertochter Nicole vor Ort. «Wir waren einfach neugierig», sagt Nicole Wydler, die eine kleine Fleischfonduepfanne für zwei Franken und unterschiedliches Dekorationsmaterial erstanden hat, währenddessen daneben ein älterer Herr seinen kleinen Personenwagen eifrig mit weissen Gartenstühlen aus Plastik füllt. Ganz nach dem Motto: Was sich im Wagen verstauen lässt, ist gekauft.

Weiterverkaufen

Gleich eine kleine Trouvaille nennt nun Monika Bichsel aus Fahrni ihr Eigen. «Milch und Brot machen die Wangen rot», steht auf einem von mehreren Tellern, die sie für wenig Geld erstanden hat. Die Teller sind zwar etwas in die Jahre gekommen. «Aber geradezu ideal dafür, sie auf einem Flohmarkt anzubieten», ist die Sammlerin überzeugt. Wie übrigens auch das Jassset, das sie ebenfalls auf einem Flohmarkt absetzen will.

Überraschte Wirte

«Wir sind sehr überrascht über die Nachfrage», sagt Werner Staub, während seine Frau Madeleine alle Hände voll zu tun hat, die Schlange an der Kasse nicht grösser werden zu lassen. Interesse am Ausverkauf zeigten im Übrigen auch andere Restaurantbesitzer und Heime. «Grössere Posten Geschirr wie auch Möbel und Einrichtungsgegenstände konnten wir schon im Vorfeld absetzen», erläutert Staub. Der Ausverkauf im Rohrimoosbad läuft auch übers Wochenende und dauert bis Montag.

Madeleine und Werner Staub führten den Familienbetrieb im Rohrimoos in der dritten Generation und gehen nun in Pension. Die Familie verkaufte die Liegenschaft, auf deren Grundstück sich zehn Bauparzellen befinden. Dort sollen Einfamilienhäuser entstehen.

Thuner Tagblatt

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