Schon wieder ein vorzeitiger Abgang aus dem Gemeinderat

Oberhofen

Vor knapp einem Jahr nahm Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger (FDP) mitten in der Legislatur entnervt ihren Hut. Nun tut ihr dies Gemeinderätin Petra Maurer Stalder (SP) gleich.

Petra Maurer Stalder tritt auf Ende Februar aus dem Oberhofner Gemeinderat zurück.

Petra Maurer Stalder tritt auf Ende Februar aus dem Oberhofner Gemeinderat zurück.

(Bild: PD)

«Ich kann die Arbeit des Gemeinderates nicht mehr mittragen.» Etwas mehr als zwei Jahre hielt es Petra Maurer Stalder im Oberhofner Gemeinderat aus. Dann hatte sie die Nase gestrichen voll. Sie tritt per Ende Februar zurück. Und dies nur rund ein halbes Jahr nachdem sie sich um die Nachfolge der frühzeitig zurückgetretenen Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger (FDP) beworben hatte, gegen Philippe Tobler (SVP) aber unterlegen war.

Die Vorsteherin des Ressorts Soziales sieht laut einer am Dienstag publizierten Mitteilung der Gemeinde die Verantwortung des Gesamtgemeinderates in den Bereichen «strategische Finanzplanung» und «Kommunikation/Dialog mit der Bevölkerung» ungenügend wahrgenommen.

Auf Nachfrage erläutert Maurer die eher kryptische Formulierung anhand von zwei konkreten Beispielen: So habe es der Gemeinderat einerseits verpasst, die Überschüsse der letzten Rechnungen in die Spezialfinanzierung für den Werterhalt der Gemeindeliegenschaften fliessen zu lassen. «Hätte man dies bereits vor drei Jahren gemacht, wäre die Kasse voll», sagt Maurer.

Andererseits habe es der neue Gemeindepräsident Tobler nicht geschafft, der Bevölkerung vor der Abstimmung über den Neubau des Schulhauses Friedbühl aufzuzeigen, wie das Projekt finanziert werden kann. Damit hätte man die bürgerlichen Parteien mit an Bord nehmen können. «So kam es zu einer unnötigen Zitterpartie.» Es sei schliesslich dem ehemaligen Gemeindepräsidenten Manfred Ammann und dem Pro-Komitee zu verdanken gewesen, dass es ein Ja gab. «Der Gemeinderat hat schlicht versagt», sagt Maurer.

Sie habe versucht, Impulse zu geben, sei aber im Gemeinderat immer wieder aufgelaufen, sagt die SP-Frau. «Deshalb habe ich mich entschieden, die Konsequenzen zu ziehen.» Sie hätte sich auch gemütlich zurücklehnen können und es geschehen lassen, das sei aber nicht ihre Art. «Ich will die Sache am Ende nicht ausbaden.» Sie sei während ihrer Zeit im Amt zum Schluss gekommen, dass «der Gemeinderat die Hausaufgaben nicht gemacht hat». Die Gemeinde Oberhofen sei entsprechend schlecht aufgestellt. «Es werden finanziell sehr schwierige Jahre kommen», prophezeit Maurer. Aus ihrer Sicht benötigt es einen besseren Austausch mit der Bevölkerung, damit das Dorf endlich zur Ruhe kommen kann. «Der Gemeinderat muss das Vertrauen der Bürger wieder aufbauen. Das passiert nicht von einem Tag auf den anderen.»

Blick nach vorn

Betont gelassen reagiert der angeschossene Gemeindepräsident Philippe Tobler auf die Kritik seiner Ratskollegin. «Der Rücktritt ist Petra Maurers freier Entscheid.» Er habe ihn zur Kenntnis genommen. «Reisende soll man nicht aufhalten.» Auf eine eigentliche Replik verzichtet er. «Die Frontscheibe ist grösser als der Rückspiegel», sagt Tobler weiter. Man habe viele Projekte, die weiter vorangetrieben werden müssten. Dort wolle er seine Energie investieren. «Insgesamt sind wir gut auf Kurs», so der Gemeindepräsident.

Nachfolge noch offen

«Ich bedaure den Entscheid», sagt SP-Präsident Daniel Haldi. Mit Petra Maurer verliere Oberhofen eine kompetente und engagierte Gemeinderätin. Zu den Rücktrittsgründen könne er sich nicht äussern, führt Haldi aus. Sie seien in der Zusammenarbeit im Gemeinderat zu suchen, welche er nicht beurteilen könne. Haldi ist letzten Monat von Maurer über ihren Rücktritt informiert worden. Deshalb konnte er sich bereits mit der Frage der Nachfolge befassen. «Für die SP ist klar, dass sie den Sitz behalten will», sagt er.

Opposition sei für die Sozialdemokraten in Oberhofen kein gangbarer Weg, zumal mit Priska Bühler eine weitere SP-Vertreterin im Gemeinderat sitzt. Bei den Wahlen im Oktober 2016 hat Kyanoush Masoud Tehrani den ersten Ersatzplatz auf der SP-Liste erreicht. Er wohnt aktuell aber nicht mehr in Oberhofen. «Es ist denkbar, dass er zurückkommt», sagt Haldi. Ansonsten käme Beate Litzko-Sunderbrink zum Handkuss.

Thuner Tagblatt

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