Sommerschlitten überholt die Konkurrenten

Thun

Der Summer Gemel von Andreas Caluori hat überzeugt: Die Volkswirtschaft Berner Oberland vergab am Donnerstagabend den Innovationspreis in der Sparte Tourismus.

Und so sieht der Summer Gemel aus. Foto: PD Laudator Heinrich Gartentor (links) und Summer-Gemel-Entwickler Andreas Caluori bei der Übergabe des Innovationspreises. Foto: Christoph Gerber

Und so sieht der Summer Gemel aus. Foto: PD Laudator Heinrich Gartentor (links) und Summer-Gemel-Entwickler Andreas Caluori bei der Übergabe des Innovationspreises. Foto: Christoph Gerber

«Inspiriert vom Velogemel und von der Aufbruchszeit des Bergtourismus, will der Summer Gemel die Schweizer Berglandschaften einem breiteren Publikum näherbringen.» So ähnlich stand es in der Bewerbung von Andreas Caluori aus Ringgenberg am nördlichen Ufer des Brienzersees.

Mit seinem Markenbüro hat er den Summer Gemel entwickelt, diesen für den Innovationspreis 2018 bei der Volkswirtschaft Berner Oberland angemeldet und die achtköpfige Jury überzeugt. Andreas Caluori konnte am Donnerstagabend den mit 3000 Franken dotierten Innovationspreis Berner Oberland in der Sparte Tourismus für das Jahr 2018 entgegennehmen. «Das ist ganz einfach eine tolle Überraschung», sagte er kurz nach der Preisübergabe.

Spiezer Projekte im Rennen

Gegen 250 Gäste aus Wirtschaft und Politik folgten der Einladung der Volkswirtschaft Berner Oberland zum Neujahrsapéro und eben zur Vergabe des Preises für innovative Projekte im Tourismus. Der Anlass fand im Restaurant Alte Reithalle auf dem Thuner Expo-Gelände statt.

Die Jury hatte im Vorfeld aus acht Eingaben insgesamt drei Projekte aus Tourismuskreisen nominiert und schliesslich auch beurteilt. Diese wurden per Kurzfilm vorgestellt. Nebst dem Summer Gemel standen mit dem Sealander, ein strassentauglicher Wohnwagenanhänger und zugleich ein Elektroboot, sowie dem Erlebnispfad Rebberg gleich zwei innovative Spiezer Projekte im Rennen.

Und so sieht der Summer Gemel aus. Foto: PD

Laudator, Künstler und Jurymitglied Heinrich Gartentor sorgte vorerst für Spannung. «Die drei Projekte wollten wir genauer unter die Lupe nehmen», sagte er. Mit wir meinte er ebenso Jurymitglied Stefan Geissbühler, Chefredaktor «Thuner Tagblatt» und «Berner Oberländer». «Schon wieder Spiez, dachten wir, aber praktisch», so der Laudator weiter.

Die Reise sei nicht weit, und Spiez habe ja bereits 2016 den Preis mit der Beach-Arena geholt. Die Reise ging aber noch weiter. «Wir fuhren nach Ringgenberg an den Brienzersee, um uns einen Summer Gemel anzuschauen», fuhr er fort. Gemel sei das grindelwalderische Wort für Schlitten. «Bei der Probe musste man ‹inelige wi ne Moore›, um runterzukommen», hielt er fest.

«Wie Wienerli im Teig»

Überzeugt hat die beiden Jurymitglieder schliesslich, «dass du aus diesem Gefährt, das zwar auch andernorts im Einsatz ist und dort ein Nischendasein fristet, eine Marke gemacht hast». Es sei wie Wienerli im Teig. «Du nimmst das Gefährt, das es schon gibt, veredelst es, lieferst die passenden Utensilien von Helm, Dress, Tschäppu bis Rucksäckli dazu und garantierst die bestmögliche Kundenbetreuung», so der Laudator weiter.

So nehme er nicht die erstbeste Stecke, sondern eine der schönsten, und er mache aus einer Winterstrecke eine Sommerstrecke, aus einem bekannten Winterangebot eben ein Sommerangebot. So konnten sich die Summer Gemel im vergangenen Jahr am Männlichen zunehmender Beliebtheit erfreuen. Die Sommerschlittentour startete auf 2225 Meter über Meer und führte über rund sechs Kilometer zur Mittelstation Holenstein.

Alternativstrecke gesucht

Weil das Geld fehlte, hat Andreas Caluori die Idee mit einem Crowd­funding angeschoben und die neuen Medien genutzt. «Du beantwortest und kommentierst sogar jeden Beitrag auf Tripadvisor», betonte Heinrich Gartentor. Weil in diesem Jahr die Männlichenbahn umgebaut wird, sind dort im kommenden Sommer keine Fahrten möglich. «Ich hoffe, dass dank dem Innovationspreis die Tür für eine alternative Sommerstrecke aufgehen wird», sagte der Preisgewinner.

Mit dem Summer Gemel wollen die Initianten die Schönheit der Alpen den Nutzern im Sommer näherbringen, verbunden mit warmem Sommerwind im Gesicht. Ziel sei es, die fünf schönsten Sommer-Schlittelstrecken in der Schweiz aufzubauen. Erste Anfragen aus den Kantonen Graubünden, Wallis und der Innerschweiz seien bereits eingetroffen. Der Summer Gemel trägt übrigens den Grindelwalder Erfindergeist nach dem Velo­gemel von 1911, dem Fahrrad für den Winter, nun eben mit dem Schlitten für den Sommer.

Nicht vergeben wurde am Donnerstagabend in Thun indes der Preis in der Sparte Berglandwirtschaft. «Es gingen zu wenig Bewerbungen ein», begründete Susanne Huber, Geschäftsführerin der Volkswirtschaft Berner Oberland.

Berner Oberländer

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