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Spital Thun übte mit dem Zivilschutz den atomaren Ernstfall

Am Mittwoch wurde im Spital Thun der Ernstfall geübt. Im Falle einer Störung im KKW Mühleberg werden die Patienten nämlich nach Thun gebracht.

Alles muss sitzen: Nach dem Eintreffen der Patienten muss es schnell gehen. Jeder Handgriff muss dabei sitzen.
Alles muss sitzen: Nach dem Eintreffen der Patienten muss es schnell gehen. Jeder Handgriff muss dabei sitzen.
Irina Eftimie

Was passiert, wenn es im Kernkraftwerk Mühleberg zum Störfall kommt? Können Spitäler überhaupt mit dem Patientenansturm umgehen? Diese Fragen sollen unter der Gesamtleitung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz in der dreitägigen Gesamtnotfallübung in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Laboratorium Bern und anderen Organisationen beantwortet werden.

Am Mittwoch beteiligten sich erstmals auch Spitäler an der Notfallübung, darunter das Spital Thun. Das Übungsszenario: Eine radioaktive Wolke bewegt sich vom Kernkraftwerk Mühleberg aus in Richtung Osten.

«Es geht vor allem darum zu sehen, wie das Personal bei einem Massenanfall an Kontaminierten reagiert. Das Spital sollte im Ernstfall 30 Patienten pro Stunde dekontaminieren können», sagt Jürg Leu, Ingenieur für Chemiesicherheit in der Abteilung Umweltsicherheit am Kantonalen Laboratorium Bern. Im Spital Thun sind insgesamt 80 Personen für genau solche Ernstfälle ausgebildet. «Zweimal im Jahr findet eine Schulung dazu statt. Jeder Angestellte des Spitals hat die Möglichkeit, daran teilzunehmen», erklärt Leu.

Von insgesamt dreizehn Akutspitälern im Kanton Bern sind die vier Dekontaminationsspitäler Biel, Burgdorf, Thun und das Inselspital für den Massenanfall an kontaminierten Personen vorbereitet. «Da sich das Inselspital zu nah am Kraftwerk befindet, werden in diesem Szenario kontaminierte Patienten, die nicht in Lebensgefahr schweben, nach Thun gebracht», sagt Jürg Leu.

Geringe Strahlung

Geübt wird mit 20 Figuranten, die nebst Verletzungen eine radioaktive Kontamination aufweisen. «Die radioaktive Strahlung ist sehr gering und birgt kein Gesundheitsrisiko», beruhigt Jürg Leu. Kommen die kontaminierten Patienten ins Notfallzentrum, werden diese zuerst auf Strahlung und Verletzungen untersucht. Zum Schutz des Spitalpersonals müssen sich diese mit Filterschutzanzügen schützen.

Die Patienten werden nach dem Ausmessen in der Dekontaminations-Stelle von ihrer kontaminierten Kleidung befreit und in die Dekontaminationsschleuse befördert, wo sie geduscht werden. «Zum Duschen benutzen wir handelsübliches Spülmittel. Mit pH-neutralem und unparfümiertem Geschirrspülmittel können die Stoffe vollständig entfernt werden. Das ist die einfachste und wirksamste Lösung», sagt Leu. «Durch die Dekontaminierung der Patienten kann auch die Notfallzentrale weiterhin betrieben werden.»

Die Dekontaminationseinrichtung ist deshalb eine zwingende Notwendigkeit bei atomaren, chemischen oder biologischen Ereignissen. «Verunreinigte Patienten müssen im Allgemeinen vor der medizinischen Behandlung gereinigt werden. So kann auch der Verschleppung von Infektionskrankheiten oder chemischen Schadstoffen vorgebeugt werden. Das Dekontaminationskonzept muss überall gleich sein, denn alle Spitäler sollen dieselbe Sprache sprechen», sagt Jürg Leu.

Kapazität höher als gedacht

Die 20 Patienten konnten im Spital Thun innerhalb einer Stunde dekontaminiert und medizinisch behandelt werden. «Die Kontaminationskapazität ist höher, als wir dachten. Es gibt immer Details, die optimiert werden können. Genau deshalb sind Übungen wie diese sehr lehr- und aufschlussreich», zieht Jürg Leu sein Fazit. «Ich war sehr beeindruckt von der Triage. Wir waren viel früher fertig als gedacht», sagt Nicole Aeberhard, Spitalfachärztin Notfallzentrum. «Es hat sich gezeigt, dass wir den Auftrag erfüllen können.»

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