Thun

Stadt, FC Thun und Polizei sind sich einig

ThunAusser für die Spiele gegen den FC Sion hat die Stadt dem FC Thun die Rahmenbewilligung für die nächste Saison erteilt. Und: Stadt, FC und Polizei haben einen Aktionsplan unterzeichnet.

Friedliche Fans und bunte Choreos: Das wollen der FC Thun, die Stadt Thun und die Polizei sehen.

Friedliche Fans und bunte Choreos: Das wollen der FC Thun, die Stadt Thun und die Polizei sehen. Bild: Patric Spahni

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«Wir hätten die Fans des FC Thun gerne am Tisch begrüsst», sagt Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP) zum Aktionsplan mit dem Titel «Sicherheit bei Fussballspielen des FC Thun». Diesen haben die Stadt, der FC Thun und die Polizei unterzeichnet. «Leider wollen diese Gruppierungen kategorisch nicht zusammen mit der Polizei an einen Tisch sitzen.»

Nach dem Versand der Mitteilung, in der die Stadt Thun bekannt gibt, dass der Gemeinderat dem FC Thun die Rahmenbewilligung für die Saison 2018/2019 mit gewissen Einschränkungen erteilt, gibt sich Siegenthaler alle Mühe, niemandem den Schwarzen Peter zuzuschieben. «Wir sprechen hier von 2 bis 3 Prozent der Menschen, welche Fussballspiele besuchen», sagt er – im Wissen darum: «Diese Problemfans verursachen Kosten von mehreren Hunderttausend Franken jährlich.»

Ziel: Friedliche Spiele

Der Umgang mit diesen 2 bis 3 Prozent ist in Thun nun in einem Aktionsplan umschrieben. Der Plan regelt beispielsweise im Bereich Sicherheit die Zuständigkeiten sowie die Zusammenarbeit in strategischen und operativen Sicherheitsgruppen. Aber auch in der Kommunikation, im Umgang mit den Fussballfans ­etwa bei der Begleitung der An- und Abreise oder zum Einsatz der Polizei wurden Massnahmen festgehalten – inklusive Konsequenzen bei Fehlverhalten.

«Auch wenn in der Vergangenheit wiederholt Differenzen auftauchten, haben wir alle ein gemeinsames Ziel: friedliche und schöne Fussballspiele in Thun», sagt Peter Siegenthaler. FC-Thun-Präsident Markus Lüthi doppelt nach: «Wenn wir uns auseinanderdividieren lassen, weil Anhänger auswärtiger Clubs hier Radau machen, verlieren wir alle.» Deshalb soll beispielsweise künftig die Polizei im Ereignisfall den Lead in der Kommunikation übernehmen. «Und auch aktiver kommunizieren, wenn sie der Missetäter habhaft wird», wie Lüthi es ausdrückt.

Der FC Thun selber will im Stadion Übeltäter direkter ansprechen. «Werden Pyros gezündet, bringen die inzwischen abge­droschenen Durchsagen ab Band nichts», sagt Markus Lüthi durchaus selbstkritisch. «Unser Speaker soll die Zündler persönlich ansprechen – und er darf den Ton auch schrittweise verschärfen.» Gleichzeitig wolle man wie schon in der Vergangenheit Gastmannschaften und ihre Fans mit einem Begrüssungsschreiben in Thun willkommen heissen – «um zu signalisieren, dass wir uns über anständige Gäste freuen», sagen Lüthi und Siegenthaler praktisch im Wortlaut übereinstimmend.

Knackpunkt: Die Anreise

Ein heikles Thema bleibt die Anreise der Gästefans; notabene auch der Grund, weshalb die Spiele gegen den FC Sion noch separat bewilligt werden müssen. «Die Fans reisen immer früher zu den Spielen an und sind zum Teil während Stunden in der Stadt unterwegs», sagt Peter Siegen­thaler – und spricht damit unter anderem die Anhänger des FC Sion an, die im Mai in Thun und Spiez Unbeteiligte mit Pyrotechnika verletzten.

«Wenn wir mit den Fanvereinigungen der Gastclubs keine gemeinsame Lösung finden, werden wir uns Massnahmen vorbehalten, die das Hooligan-Konkordat vorsieht», sagt Siegenthaler. Namentlich denke er daran, eine geordnete und gemeinsame Anreise vorzuschreiben. Hier leistet der FC Thun bereits einen Beitrag, indem er die Gästefans ­einlädt, mit Cars anzureisen, die direkt vor der Stockhorn-Arena parkieren können.

Die Kantonspolizei, von Anfang an in den Prozess involviert, «begrüsse» das gemeinsame Vorgehen, sagt Sprecherin Ramona Mock. «Es ist wichtig, dass alle dasselbe wollen – und dass ein Konsens gefunden werden konnte», sagt sie.

Signal an «Problemfans»

Ob der gemeinsame Aktionsplan, der laut Markus Lüthi und Peter Siegenthaler in dieser Art schweizweit «wahrscheinlich» einmalig sei, Wirkung zeigt, werden die kommenden Wochen und Monate weisen. «Wichtig ist, dass jene Fans, die sich nicht an unsere Regeln halten, merken, dass Behörden, Sicherheitskräfte und Verein am selben Strick in dieselbe Richtung ziehen», sagt Siegenthaler.

Lüthi betont, es habe die Jahre gebraucht, in denen man sich bisweilen verbal arg in die Haare geraten war, um zusammenzufinden. «Nicht zuletzt dank der Initiative der Kantonspolizei ist es uns jetzt aber gelungen, vorhandene Differenzen zu überwinden und gewisse Zielkonflikte hinter das gemeinsame Interesse an friedlichen Fussballfesten zu stellen.»

Lüthi wie Siegenthaler betonen denn auch, dass es bei den Heimspielen mit den Fans des FC Thun «praktisch keine Probleme» gebe. «Im Gegenteil, diese bereichern unsere Spiele wesentlich», sagt Lüthi. Das Gros der Probleme mit Fans beziehe sich auf den Gästebereich. «Und auch hier ist es sehr unterschiedlich», wie Markus Lüthi sagt. «Das ausverkaufte Berner Derby verlief ohne Schwierigkeiten.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 06.07.2018, 11:43 Uhr

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