9. Schuljahr wird umgekrempelt

Die Stadt Thun will das 9. Schuljahr vermehrt auf die Bedürfnisse der Arbeitswelt ausrichten. Gleichzeitig müssen die Klassen neu organisiert werden, da im Sommer ein Grossteil der Spez-Sek- Schüler ans Gymnasium wechselt.

Neue Ideen sind gefragt: Neben dem klassischen Unterricht sollen die Thuner Neuntklässler künftig vermehrt Lernateliers besuchen und bei Projekten mitarbeiten, die auf bestimmte Berufsfelder ausgerichtet sind.

Neue Ideen sind gefragt: Neben dem klassischen Unterricht sollen die Thuner Neuntklässler künftig vermehrt Lernateliers besuchen und bei Projekten mitarbeiten, die auf bestimmte Berufsfelder ausgerichtet sind.

(Bild: Keystone)

«Es ist eine grosse Kiste, die wir da stemmen», sagt der Thuner Schulkommissionspräsident Mark van Wijk, wenn er über die Neuorganisation des 9. Schuljahrs spricht.

Denn künftig sollen die Schüler des obersten Jahrgangs vermehrt in Lernateliers und Projekten, die auf ihre Berufswünsche abgestimmt sind, unterrichtet werden. «Damit», so van Wijk, «wollen wir den Berufswahlprozess besser in der Schule integrieren, aber auch den Lehrbetrieben entgegenkommen, die sich eine spezialisiertere Ausbildung ihrer künftigen Lehrlinge wünschen.»

Vorbild für dieses neue Modell, welches noch vor den Sommer­ferien abgesegnet werden soll, ist unter anderem der Global-9-Unterricht, wie er seit Jahren erfolgreich an der Oberstufenschule Strättligen angeboten wird. Hier wählen die Schüler des obersten Jahrgangs Lektionen aus, welche auf fünf Berufsfelder ausgerichtet sind.

Hinzu kommt ein Berufspraktikum von vier oder mehr Wochen Dauer. Doch gerade dieses stellt die Thuner Oberstufenschulen vor grosse Herausforderungen: «Erfahrungen anderer Gemeinden zeigen, dass es leider fast unmöglich sein wird, dass alle Neuntklässler einen entsprechenden Praktikumsplatz finden werden», sagt Mark van Wijk. «Wir sind deshalb daran, die bestmögliche Lösung zu finden.» Voraussichtlich werde diese etappenweise ab dem Schuljahr 2018/2019 eingeführt.

Kleinere Klassen für ein Jahr

Auf die Thuner Schulkommission kommen aber auch noch andere Herausforderungen zu: So wird ein Grossteil der derzeitigen Achtklässler, welche den Unterricht in Spez-Sek-Klassen besuchen, auf das kommende Schuljahr hin an die Quarta des Gymnasiums überwechseln.

Dies hat zur Folge, dass die 9. Klassen neu organisiert werden müssen: «Die genauen Schülerzahlen kennen wir erst Mitte Februar, wenn die Anmeldefrist für den Gymer abläuft», sagt van Wijk. «Aber erfahrungsgemäss werden uns von den rund 80 Spez-Sek-Schülern an den vier Thuner Oberstufenschulen rund 60 verlassen, wobei die restlichen in ihren angestammten Schulhäusern bleiben können.»

Künftig sollen  die Schüler des obersten Jahrgangs in Projekten, die  auf ihre Berufswünsche abgestimmt sind, unterrichtet  werden.

Da es aber nicht möglich sei, Klassen mit 5 Schülern zu führen, müssten die Klassen neu gemischt werden, zum Beispiel, indem Schüler, die weiterführende Schulen besuchen wollen, in die Spez-Sek-Klassen integriert würden. Voraussichtlich wird es in diesem Jahr Klassen mit 15 oder weniger Schülern geben.

Der Kanton hat der Stadt für dieses Übergangsjahr auch eine entsprechende Bewilligung erteilt. Dies vor dem Hintergrund, dass die Einführung des Lehrplans 21 auf das übernächste Schuljahr hin mehr Lektionen mit sich bringen wird und es deshalb keinen Sinn macht, wegen der wegfallenden GU-Klassen Kündigungen auszusprechen.

Nur noch eine Klasse?

Spätestens auf das Schuljahr 2018/2019 hin muss sich die Thuner Schulkommission aber eine neue Regelung für die Organisation der 9. Klassen überlegen, welche auch Klassenschliessungen mit sich bringen wird. Eine Variante ist, dass es künftig nur noch eine 9. Spez-Sek-Klasse in Thun an einem Schulhaus geben wird. Der entsprechende Entscheid soll Mitte Jahr gefällt werden.

Bereits jetzt ist klar, dass die Stadt trotz der vielen Veränderungen am bisherigen dreistu­figen Oberstufenmodell mit Real-, Sek- und Spez-Sek-Klassen festhalten will: «Wir haben verschiedene Varianten geprüft, sind aber zum Schluss gelangt, dass wir weiterhin auf das bewährte Modell setzen wollen», so Mark van Wijk.

Berner Zeitung

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