Stadtrat will breitere Strättligenstrasse

Thun

Eine wichtige Verbindung, aber mit schlechtem Ausbaustandard: Das ist die Strättligenstrasse in Thun. Der Stadtrat gab grünes Licht für die weitere Planung des Ausbauprojekts – trotz Kritik von linker Seite.

Die Strättligenstrasse ist eine der am stärksten belasteten Thuner Verkehrsachsen. Jetzt soll sie verbreitert werden. Foto: Patric Spahni

Die Strättligenstrasse ist eine der am stärksten belasteten Thuner Verkehrsachsen. Jetzt soll sie verbreitert werden. Foto: Patric Spahni

10'000 Fahrzeuge sind durchschnittlich jeden Tag auf der Strättligenstrasse unterwegs – sie gehört damit zu den am stärksten belasteten Thuner Verkehrsachsen. Doch der Platz auf der Strasse ist knapp, Verkehrsbehinderungen sind an der Tagesordnung. Dass bei regem Verkehr Velos kaum überholt werden könnten, sei für alle Beteiligten unangenehm, hält der Gemeinderat in den Stadtratsunterlagen fest.

Seine Lösung: ein Ausbau der Strasse von heute 8,8 auf 13 Meter (inklusive Trottoir). Die geschätzten Kosten werden über 6 Millionen Franken betragen. An der Stadtratssitzung vom Donnerstag ging es allerdings um einen wesentlich tieferen Betrag. Für die weitere Planung des Projekts sind 390'000 Franken vorgesehen.

250'000 Franken betreffen den baulichen Unterhalt, dafür ist der Gemeinderat zuständig. Dem Parlament wurde der Anteil Investitionskosten von 140'000 Franken vorgelegt. Doch es zeigte sich rasch, dass das Vorhaben nicht überall auf Gegenliebe stösst.

Marschhalt gefordert

Die SP-Fraktion habe sich schwergetan mit einem Beschluss, sagte Sprecher Martin Allemann. Die Strasse sei unbestritten in schlechtem Zustand – «die Vorlage ist aber sicher nicht klimaneutral». Allemann forderte einen Marschhalt und eine Gesamtschau für das Gebiet. Till Weber hielt erst fest, man könne als Fraktion der Grünen fast nicht gegen ein Projekt sein, das die Situation von Fussgängern und Velofahrenden verbessere – und begründete dann, warum dies beim vorliegenden Projekt doch mehrheitlich der Fall sei.

Er sprach von einem «Vorpreschen» und wies darauf hin, dass das Projekt Land beanspruche – und zwar Fruchtfolgeflächen. Philipp Deriaz (SVP) hatte kein Verständnis für die Haltung von Allemann und Weber: Die Langsamverkehrslobby weise immer wieder auf die Sicherheit hin – «jetzt gibt es auf einem Streckenabschnitt deutliche Verbesserungen insbesondere für den Langsamverkehr, und man will es doch nicht».

Es sei sinnvoll, dieses Projekt jetzt umzusetzen. Auch Deriaz wies auf die Tangente als Gesamtes hin und forderte, dass auch die Pfandernstrasse und die Ortsdurchfahrt Allmendingen rasch in Angriff genommen werden müssten. Dass nicht die ganze Westtangente zur Abstimmung kam, fand Markus van Wijk (FDP) schade.

Für ihn ist die heutige Situation aber «wirklich unbefriedigend». Das Projekt entschärfe die Probleme für alle Verkehrsteilnehmer. Für mehr Sicherheit brauche es die Verbreiterung, zeigte sich auch Simon Werren (Fraktion GLP/BDP) überzeugt. «Es ist richtig, die Strättligenstrasse zu priorisieren.»

Er wies zudem darauf hin, dass so wenig Land wie möglich «vergeudet» werde. Alois Studerus (Fraktion EVP/EDU/CVP) stimmte ihm zu und forderte: «Machen wir den Weg frei für die Verbreiterung, damit der Abschnitt sicherer wird.» Die Bedeutung der Achse werde künftig noch zunehmen. Adrian Christen sprach derweil für eine Minderheit der SP.

Er teile die Bedenken seiner Fraktion, stufe aber die Dringlichkeit von Verbesserungen für Velos und Fussgänger höher ein: «Für Velofahrer ist es ein täglicher Horror.»

Baubeginn im Jahr 2021?

Als Sprecher der zuständigen Sachkommission wies Christen zudem darauf hin, dass die Normen heute sowohl beim Strassenquerschnitt wie auch bei den Versickerungsanlagen nicht erfüllt würden. Schliesslich bewilligte der Stadtrat mit 26 zu 13 Stimmen den Kredit für die weitere Planung.

Nach dem Ja des Parlaments soll nun bis 2021 die baurechtliche Grundordnung angepasst und das Bauprojekt ausgearbeitet werden. Laut Stadtratsunterlagen kann frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 gebaut werden. Die Koordination mit anderen Vorhaben entlang der Strättligenstrasse – namentlich dem Neubau des Krematoriums – sei sichergestellt.

Thuner Tagblatt

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