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Stille Momente an der ersten Lichtnacht

Einen Kontrapunkt zur Geschenkjagd in üppig dekorierten Läden setzte am Samstag der Schlossberg mit der ersten Thuner Lichtnacht. Die Besucher genossen die wohltuend schlicht und besinnlich gestalteten Stationen.

Lichtnacht auf dem Schlossberg: Ein Schmied schlägt im Schlosshof glühendes Eisen.
Lichtnacht auf dem Schlossberg: Ein Schmied schlägt im Schlosshof glühendes Eisen.
Christina Burghagen
Der beschwerliche Aufstieg im Scheine einer Lichterkette.
Der beschwerliche Aufstieg im Scheine einer Lichterkette.
Christina Burghagen
Lichtspektakel rund um die Weihnachtstanne auf dem Rathausplatz.
Lichtspektakel rund um die Weihnachtstanne auf dem Rathausplatz.
Christina Burghagen
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Das Bälliz rauf und runter versorgen junge Männer in Berner Tracht zwischen den Marktständen zahllose Weihnachtsshoppende mit ohrenbetäubendem Kuhglockengewummer. Es blinkt und blitzt in allen Farben und lässt den Blick fast kollabieren. Scannerkassen piepsen im Sekundentakt.

Im Advent (lat. Ankunft) gedenken Christen der Geburt Jesu und feiern sie als Menschwerdung Gottes. Damit war sicherlich nicht jenes Konsumfestival gemeint, das wir heutzutage auf uns nehmen. Mit «Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern», wie es in Theodor Storms Gedicht heisst, ist es schon lange nicht mehr getan.

Auf dem Rathausplatz scheint die Lage entspannter. Mitarbeitende der Caritas verteilen rund um den prächtigen Weihnachtsbaum sternförmig Kerzenlichter. Ständig werden es mehr, denn jede und jeder kann gegen eine Spende ein Licht anzünden als Zeichen für mehr Solidarität mit Menschen, die kaum Geld zum Leben haben. An über 100 Orten in der Schweiz leuchten «Eine Million Sterne» gegen die Armut hierzulande.

Der Sagenerzähler Beat von Wyl empfängt zum Auftakt der Lichtnacht seine Gäste im spärlich kerzenbeleuchteten Rathaussaal. «Ich erzähle keine Märchen, sondern Sagen. Und die sind wahr!», versichert er mit eindringlicher Stimme und fährt mit einer Geschichte von einem Riesenfeuer fort, welches das Schloss angestrahlt habe. Licht sei in der dunklen Zeit kostbar gewesen, es wurde sorgsam gehütet. Die rund 50 ersten Besucher an dieser Lichtnacht steigen die Treppe zum Schloss empor, wo es weder blinkt noch piepst oder dudelt.

Im Schlosshof schlägt ein Schmied glühendes Eisen und unterhält sich mit der stetig wachsenden Gästeschar darüber, wie er das Feuer schürt. Museumsdirektorin Lilian Raselli schwärmt über die vielen Besucher, mit denen sie kaum zu rechnen gewagt habe. «Eine Lichtnacht auf dem Schlossberg ist schon lange mein Herzenswunsch. Dieses Jahr hab ich es geschafft!» Ausser in der Kirche gebe es bewusst keine Musik auf dem Areal, erklärt sie. Und alle Anwohner haben auf dominante Weihnachtsdeko verzichtet.

Auf der Eisbahn am Schloss vergnügen sich Kinder, Mütter und Väter, mal wackelig, mal nahezu pirouettensicher. Gleich daneben vor und in der Kita Gampiross funkeln zahllose von den Kindern gebastelte «verzouberti Zwärgeliechtli». Stolz und fröhlich erzählt die Leiterin Katharina Bruletti über ihre Arbeit mit den Kindern, die unermüdlich Lichter aus Ton und anderen Materialien gefertigt haben, während sie heisse Getränke ausschenkt.

Wie faszinierend Feuerschein wirken kann, beweist ein Beitrag des Mittelaltervereins Bern. Seine Showgruppe Dracarys malt mit behände geführten Gerätschaften zuckende, glühende Formen in den dunklen Winterhimmel. Li­lian Raselli kommt die Treppe vom Rittersaal herunter, wo die Museumsvermittlerin des Schlosses, Barbara Büchi, weihnächtliche Märchen erzählt. «Über 100 kleine und grosse Menschen haben sich gerade versammelt», freut sich ­Museumsdirektorin Raselli, die sich wünscht: «Es wäre so schön, wenn meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger im nächsten Jahr wieder eine Lichtnacht veranstaltete!»

Die Thuner Stadtkirche ist gut gefüllt, als die Organistin Babette Mondry der Orgel besinnliche Weisen entlockt. Das Warten auf das grosse Fest braucht Momente der Einkehr. In der Kirche brennen zahlreiche Kerzen, die Beleuchtung ist gedimmt, und der grosse Baum steht ohne Schmuck in seiner natürlichen Schönheit da.

Lilian Raselli erklärt: «Das haben wir so geplant, denn es ist ja noch nicht Weihnachten – sondern Advent!»

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