Heimberg

Süd-Erschliessung: Der Widerstand formiert sich

Heimberg Vor der Abstimmung über die Süderschliessung ­formiert sich der Widerstand. Leist, Gewerbe und mehrere Parteien machen gegen die Vorlage mobil.

In der Flut der Nein-Flyer geht die Botschaft des Gemeinderates zur Süderschliessung von Heimberg schier unter.

In der Flut der Nein-Flyer geht die Botschaft des Gemeinderates zur Süderschliessung von Heimberg schier unter. Bild: Marco Zysset

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die geplante Süderschliessung spaltet die Gemeinde Heimberg seit Jahren. Schon die erste Auflage im letzten Herbst provozierte zahlreiche Einsprachen, und auch im zweiten Umgang im Frühling hagelte es Kritik. Der Gemeinderat und die Planer haben das Projekt für den Bau einer 550 Meter langen Strasse inklusive einer Brücke über die Zulg zwar punktuell angepasst – jedoch nicht in dem Ausmass, wie es sich die Kritiker gewünscht hätten (wir berichteten). So kommt es, dass jetzt in den Wochen vor der Volksabstimmung der Leist Obere Au, betroffene Gewerbetreibende sowie mehrere Parteien mit Medienmitteilungen und Flugblättern mobil machen gegen die Vorlage.

Leist ist dagegen . . .

«Anlässlich der Hauptversammlung haben sich die anwesenden Mitglieder klar gegen den Bau einer neuen Süderschliessungsstrasse ausgesprochen», heisst es in einer Mitteilung des Leists Obere Au. «Vor allem die enorm hohen Kosten von 14 000 Franken pro Meter Strasse, aber auch der Verlust von Kulturland ­führten zu diesem Entscheid.» Zudem verliere das für die Obere Au wichtige Naherholungsgebiet weiter an Qualität, und «Velo- und Fusswegverbindungen werden unsicherer».

. . . mehrere Parteien ebenso

Die SP kritisiert auf ihrem Flugblatt neben den hohen Kosten den Verlust von Fruchtfolgeflächen. Sie stellt den Bedarf an Gewerbeland, das über die Strasse erschlossen werden sollte, infrage, und vertritt die Meinung, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum eigentlichen Nutzen stehen.

«Das Projekt widerspricht den gesetzlichen Grundlagen des Raumplanungsgesetzes und verlangt neue Einzonungen», schreiben die Grünen auf einem Flyer, der auf ihrer Website publiziert ist. «Jede neue Strasse generiert neuen Verkehr, fördert die Zersiedelung und zerstört wertvolles Kulturland», heisst es weiter. In der Kommentarspalte auf der Internetseite dieser Zeitung fragt Parteivizepräsident Roland Jegerlehner: «Wieso muss ein Gebiet, das bereits von drei Seiten erschlossen ist, neu erschlossen werden?»

Neben Leist und Parteien haben auch Gewerbetreibende eine Flugblattaktion lanciert, mit der sie sich in den Abstimmungskampf um die Süderschliessung einschalten. Sie monieren nicht nur, dass die Erschliessung ihres Gebiets über die neue Südstrasse unausgereift sei. Sie zweifeln auch die Finanzplanung an: Weil sie davon ausgehen, dass der Grundeigentümerbeitrag zu hoch angesetzt ist, prophezeien sie, dass die Belastung für die Gemeindekasse und damit den Steuerzahler höher ausfallen werde als die heute budgetierten rund 3 Millionen Franken. Die Grundeigentümer sollten gemäss der aktuellen Planung höchstens rund 3 weitere Millionen beisteuern. Der Rest des 7-Millionen-Projekts käme vom Kanton, weil im Zuge des Brückenbaus auch gleich ein Abschnitt des Zulg-Betts saniert werden könnte.

Einzonung ist angedacht

Im Zuge der laufenden Revision der Ortsplanung haben sich Gemeinderat, Verwaltung und externe Planer – sowohl für die Ortsplanung als auch für die Süd­strasse arbeitet Heimberg mit der Firma Ecoptima zusammen – nun zusätzliches Ungemach aufgeladen. In der Vergangenheit betonten verschiedene Exponenten von Behörden und Verwaltung auch gegenüber dieser Zeitung wiederholt, dass im Süden von Heimberg frühestens mit der nächsten Ortsplanung Bauland eingezont werden soll. Im aktuellen Siedlungsentwicklungskonzept, das sich derzeit in der Mitwirkungsphase befindet, sind indes zwischen dem Töpferweg und der Unteren Zulgstrasse entlang der Bahnlinie 17 600 Quadratmeter Land zur Einzonung vorgesehen.

Konfrontiert mit diesem scheinbaren Widerspruch, sagt Gemeindepräsident Niklaus Röth­lisberger: «Diese beiden Elemente – Südstrasse und die vorgeschlagene Einzonung – sind zwei verschiedene Projekte.» Die Erschliessung der fraglichen Parzelle sei unabhängig von der Südstrasse möglich. Röthlisberger betont, dass in Heimberg regelmässig Anfragen von Gewerbetreibenden eingehen würden, die bauen möchten. «Diesen müssen wir etwas bieten können», sagt er. Gleichzeitig betont der Gemeindepräsident, dass das Mitwirkungsverfahren für das Siedlungsentwicklungskonzept noch laufe und Eingaben gemacht werden könnten. «Wir haben in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen, dass wir im Rahmen solcher Verfahren die Anliegen der Bevölkerung und der Betroffenen ernst nehmen.»

Erboste Landbesitzer

Und die sind in der Tat wenig erbaut: Hansueli Aebersold sagt als Vertreter der betroffenen Erbengemeinschaft, er sei erst am letzten Vorgespräch zur Ortsplanrevision der geplanten Einzonung «überrascht worden». Und macht klar: «Wir bieten derzeit nicht Hand zu einer Einzonung dieses Gebiets.» In seinen Augen wäre die Erschliessung des angedachten Perimeters «nichts anderes als ein Murks».

Die angedachte Einzonung bringt auch einige Gewerbetreibende in Rage. Freilich nicht primär, weil Gewerbeland eingezont werden soll. Sie sind aber der Meinung, dass die angedachte Einzonung den Weg freimachen würde, die Anbindung ihres Areals an die Süderschliessung weiter nach Süden zu verschieben. Das hätte zur Folge, dass das Um- und Ausladen von Waren im bestehenden Gewerbeareal weniger stark beeinträchtigt würde, als das die aktuellen Pläne vorsähen. Und sie seien nicht willens, Land zu geben, um eine andere Baulandparzelle zu erschliessen, monieren sie.

Auch dem Leist stösst die geplante Einzonung sauer auf. So schreibt er: «Die vorgesehene Umzonung von wertvollem Kulturland in Baugebiet ist aus unserer Sicht völlig unsinnig, weil kein Bedarf besteht. Das übertriebene Wachstum der vergangenen Jahre muss endlich gebremst werden.» – «Ein Marschhalt wäre ­angezeigt, die Ablehnung der Süderschliessung das geeignete Signal dazu», findet auch Jürg Germann, ein weiterer Nutzer, der das Thema auf der Website dieser Zeitung kommentiert hat.

Gemeindepräsident Niklaus Röth­lisberger glaubt indes nicht, dass die zeitliche und örtliche Nähe von Ortsplanrevision mit Einzonung und der Abstimmung zur Süderschliessung Letztere gefährden kann und bleibt optimistisch. «In der Ortsplanung ist noch nichts in Stein gemeisselt – und die Südstrasse ist ein Projekt, das auf lange Sicht sehr viel Nutzen bringt», sagt er. Er wiederholt, was er schon öfter sagte: «Sagen wir Nein zu dieser Strasse, vergeben wir uns eine einmalige Chance.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 10:07 Uhr

SVP sagt Ja

ie SVP Heimberg stellt sich bei der Parolenfassung für die Abstimmung vom 23. September hinter den Gemeinderat. Sie sieht in der Erschliessung Heimberg-Süd «die einmalige Chance», das Gebiet Blümlis­alpstrasse-Jägerweg vom «enormen Schwerverkehr» zu entlasten. Gleichzeitig würde die neue Strasse in den Augen der SVP «eine Verbesserung der Verkehrssituation und der Schulwegsicherheit zur Folge haben». Sie sei «eine Lösung für die Zukunft und bietet Entwicklungspotenzial für das Gewerbe und künftige Generationen». (pd)

Artikel zum Thema

Gegenwind für Süd-Erschliessung

Heimberg An der Informationsveranstaltung zur Überbauungsordnung «Erschliessung Heimberg-Süd» meldeten sich nur Gegner zu Wort. Das Projekt kommt im September an die Urne. Mehr...

Gemeinderat will Südstrasse

Heimberg Am 23. September stimmt die Bevölkerung über die Überbauungsordnung «Erschliessung Heimberg Süd» ab. Das Projekt wurde zuletzt kritisiert. Der Gemeinderat spricht indes von einer «einmaligen Chance». Mehr...

Projekt wird zum Teil neu aufgelegt

Heimberg Nach den Einspracheverhandlungen ist klar: Die Gemeinde über­arbeitet das Projekt für die Süderschliessung und legt es zum Teil neu auf. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Blogs

Foodblog Ferien auf dem Satelliten

Outdoor Dieses Abenteuer macht eine Gruppe zum Team

Die Welt in Bildern

Das grösste Tier der Erde: Ein Besucher des Royal National Parks, südlich von Sydney, Australien, betrachtet einen toten Wal, der an die Wattamolla Beach angespült wurde. (24. September 2018).
(Bild: Dean Lewins) Mehr...