Thuner Sportvereine gehen in die Offensive

Thun

In die Planung von zusätzlichen Spielfeldern bei der Stockhorn-Arena kommt Bewegung. Acht Thuner Sportvereine haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, welche zwei Kunstrasenplätze bauen will.

Neben der Stockhorn-Arena, wo derzeit der Circus Nock gastiert, sind zusätz­liche Fussballfelder geplant.

Neben der Stockhorn-Arena, wo derzeit der Circus Nock gastiert, sind zusätz­liche Fussballfelder geplant.

(Bild: Michael Gurtner)

«Wir wollen uns später nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass wir nicht alles versucht haben», sagt Peter Fahrni. Der Sportchef des FC Allmendingen fungiert als Sprecher der neuen Interessengemeinschaft (IG) Rasenspielfelder Thun-Süd.

Mitglied sind die Thuner Vereine American Football Club Thun Tigers, FC Allmendingen, FC Dürrenast, FC Fortuna, FC Lerchenfeld, FC Rot-Schwarz, FC Thun und TV Thun Rugby. Der grosse Leidensdruck hat dazu geführt, dass die acht Klubs gemeinsame Sache machen. «Es hat schlicht zu wenige Kunstrasenfelder in der Region», sagt Fahrni.

Viele Mannschaften könnten deswegen vor allem im Winter nur sehr eingeschränkt trainieren. «Wenn wir bei der Stockhorn-Arena zwei Plätze bauen, können wir die Kapazität der Kunstrasenfelder in Thun mit einen Schlag verdoppeln. Das ist eine einmalige Chance, die wir nicht verpassen wollen.»

Verzicht auf Garderoben

Die IG sei gewillt, das Vorhaben in Eigenregie zu realisieren. Sie hat dafür ein Konzept inklusive Finanzierungsvorschlag ausgearbeitet. «Wir rechnen mit Kosten von rund 3 Millionen Franken», sagt Fahrni. In der Vergangenheit wurde von einem Mehrfachen ausgegangen, nicht zuletzt, weil geplant war, Garderoben in der Stockhorn-Arena auszubauen.

«Darauf verzichten wir», sagt Fahrni, «insbesondere wegen des Geldes.» Er erwähnt in diesem Zusammenhang aber auch, dass der Verzicht auf Garderoben eine Chance für die Vereine sei, näher zusammenzurücken. Die Klubhäuser des FC Rot-Schwarz und des FC Allmendingen lägen in der Nachbarschaft. «Sie können genutzt werden.»

Die Breitenfussballer – und nur für die sind die Plätze vorgesehen – seien es sich zudem gewohnt, sich in einem Klubhaus umzuziehen und dann zu einem Platz zu fahren, dort zu trainieren und danach wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

Von den Investitionskosten von 3 Millionen Franken soll die Stadt Thun zwei Drittel – sprich 2 Millionen Franken – tragen. Im Konzept ist zudem vorgesehen, dass die Stadt für Betrieb und Unterhalt aufkommt. Fahrni und seine Mitstreiter gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Kosten aus dem Lotteriefonds fliessen.

«Den Rest hat die IG zu stemmen.» Man sei in den letzten Wochen nicht untätig gewesen. So hätten Gespräche mit potenziellen Geldgebern bereits stattgefunden. «Die Vereine stehen zudem moralisch in der Pflicht, auch etwas Geld lockerzumachen», sagt Fahrni. Weiter gelte es, das grosse Potenzial der Klubs anzuzapfen, um die Kosten mit möglichst vielen Eigenleistungen zu drücken.

Noch einige Hürden

Ein Blick zurück zeigt: Die Realisierung der Spielfelder ist kein einfaches Unterfangen. Zusammen mit dem Neubau der Stockhorn-Arena, die im Juli 2011 eingeweiht wurde, waren zwei Nebenplätze geplant.

Seither liefen diverse Gespräche zwischen der Investorin HRS Real Estate AG, der Genossenschaft Fussballstadion Thun-Süd als Stadionbesitzerin, der ­Burgergemeinde Thun als Grundeigentümerin sowie der Stadt Thun. Zurzeit gibt es ein bewilligtes Bauprojekt, bei dem die HRS Real Estate AG als Bauherrin aufgeführt ist. Die Baubewilligung wurde im Juni 2016 verlängert und läuft im Juni 2018 ab.

Allerdings kam es bezüglich des Projekts vor allem aufgrund der hohen Kosten zu keiner Einigung. Das Feld wird heute zum Teil als Parkplatz genutzt. Ende 2016 verlangte die Burgergemeinde Thun als Baurechtsgeberin, dass bis Ende 2017 Klarheit geschaffen werden soll. Verstreicht die Frist, wird die Burgergemeinde die Renaturierung des Feldes einfordern. «Wir stehen unter Zeitdruck»., sagt denn auch Peter Fahrni, fügt aber an, dass «die Chancen intakt sind, dass es reicht».

Ziel sei es, dass die IG die Baubewilligung von der HRS Real Estate AG übernehmen könne. Das ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. «Wir stehen in Verhandlungen», sagt Fahrni, deshalb wolle er zu den Details keine Auskünfte geben. ­Anschliessend hat die IG sich mit der Burgergemeinde über einen Pachtzins zu einigen.

Erst dann wird der Thuner Gemeinderat einen definitiven Entscheid zur städtischen Kostenbeteiligung und zur (Mit-)Finanzierung der jährlichen Betriebskosten fällen, steht in einer am Freitag verschickten Mitteilung der Stadt.

Baustart im Herbst 2018?

Macht es sich der Thuner Gemeinderat damit nicht etwas gar einfach, wenn er die anderen die Arbeit machen lässt? «Das sehe ich nicht so», sagt Sportvorsteher Roman Gimmel (SVP). Man habe bemerkt, dass der Gemeinderat und die IG ein gemeinsames Ziel haben.

«Die Chancen stehen in der vorliegenden Konstellation am besten, dass die Plätze überhaupt je gebaut werden können.» Vorher gelte es aber noch Fragen zu beantworten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Betrieb und dem Unterhalt. «Es muss zum Voraus klar sein, wer für was aufkommt», sagt Gimmel.

Klar sei, dass das Geschäft, sofern es der Gemeinderat dereinst überhaupt gutheissen werde, noch in den Stadtrat komme. Und wann wird denn gebaut? Wenn alles wie am Schnürchen läuft, könnten im Herbst 2018 die Baumaschinen auffahren. Es würde in diesem Zusammenhang aber nicht überraschen, wenn es später wird.

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