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Tiefer Graben innerhalb der BDP

Neuer Eklat bei der BDP knapp fünf Monate vor den Wahlen: Peter Aegerter tritt als Fraktionspräsident per sofort zurück. Ob und wie seine politische Karriere weitergeht, ist offen.

Tritt als Fraktionspräsident zurück: Peter Aegerter.
Tritt als Fraktionspräsident zurück: Peter Aegerter.
PD

Die BDP Thun kommt nicht zur Ruhe: Im Juni trat Präsident Mike Müller Knall auf Fall zurück – offiziell aus beruflichen und privaten Gründen, allerdings verhehlte er nicht, dass es auch um die Positionierung der Partei im Wahlkampf ging. Im Gegensatz zur Stadtratsfraktion wollte er einen Schulterschluss mit den Mitteparteien, wie er am 21. Juni gegenüber dieser Zeitung erklärte.

Mittlerweile ist klar, dass die BDP für die Gemeinderatswahlen eine Listenverbindung mit der Fraktion der Mitte (FDM) eingeht (wir berichteten). Am Dienstag nun die nächste Rücktrittsmeldung: BDP-Fraktionspräsident Peter Aegerter legt sein Amt per sofort nieder, wie er am Vormittag per Mail an die Re­daktion mitteilte. Er könne den ­Entscheid, mit der FDM eine ­Listenverbindung einzugehen, nicht unterstützen. Dies auch «aufgrund der knapp zweijährigen Vorgeschichte zur BDP-Wahlstrategie 2018».

Hätte sich ­Aegerter stattdessen ein Zusammengehen mit der FDP gewünscht? «Das wäre eine Möglichkeit gewesen», antwortete er auf Anfrage. Infos aus der Parteiversammlung will er nicht preisgeben. Nur so viel: Eine Mehrheit der fünfköpfigen Stadtratsfraktion gehe offenbar nicht in die gleiche Richtung wie die Parteibasis. «Mir fehlt die Glaubwürdigkeit und die Unterstützung.»

Der nächste Knall

Was meint die Parteispitze zum tiefen Graben zwischen dem rechten Flügel und demjenigen, der Richtung Mitte tendiert? Da die Thuner BDP-Sektion nach dem Rücktritt von Mike Müller keinen Präsidenten hat, ist Vizepräsident Claude Schlapbach die richtige Ansprechperson.

Doch beim Gespräch mit ihm folgt der nächste Knall: «Auch ich bin von meinem Amt zurückgetreten», erklärte Schlapbach am Dienstag Nachmittag. Die Gründe sind ­dieselben wie bei Aegerter: Auch Schlapbach hätte sich eine Listenverbindung mit der FDP gewünscht. «An der Parteiversammlung votierten zwei Drittel für eine Listenverbindung mit der Fraktion der Mitte. Die ganze Stadtratsfraktion – mit einer Ausnahme – wollte dagegen mit dem Freisinn zusammen in die Wahlen gehen.» Als Konsequenz sei er als Vizepräsident zurückgetreten.

Peter Aegerter, Gründungsmitglied der Sektion Thun, bleibt im Stadtrat – vorläufig. Wie es mit seiner politischen Karriere weitergeht, «überlege ich mir im ­Moment», erklärte Aegerter. «Ich stelle mir die Frage: Macht es mir noch Spass, über die Legislatur hinaus?» Wenn ja, gebe es verschiedene Optionen. Ist ein Parteiwechsel ein Thema? «Möglicherweise – aber auch die Par­teilosigkeit», antwortet Peter ­Aegerter. Bis zum 13. September muss er sich entscheiden: Dann läuft die Wahleingabefrist ab.

Vor vier Jahren war Peter ­Aegerter Gemeinderatskandidat der BDP. «Das war auch dieses Jahr eine Option. Aber nur, wenn auch Chancen bestanden hätten. Mit der jetzigen Strategie ist das nicht der Fall», führte der Stadtratspräsident des Jahres 2013 aus. Das hätten die Wahlen 2014 gezeigt, als die BDP ebenfalls mit der FDM zusammenging.

Als Nachfolger von Peter ­Aegerter sei Simon Werren im Gespräch, der bisherige Fraktionsvizepräsident, sagt Claude Schlapbach. An der Spitze der Parteisektion steht bis auf weiteres Roland Wyss, Vorstandsmitglied und zuständig für Veranstaltungen. Wie will er das schlingernde Schiff BDP durch die Wellen des Wahlkampfs steuern? Auf Anfrage wollte er am Dienstag noch nicht Stellung nehmen.

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