Top4-Skipass gilt im nächsten Winter doch auch am Schilthorn

Die Verantwortlichen haben den Entscheid umgestossen: Das Skigebiet Schilthorn-Mürren bleibt Teil des Top-4-Skiabos. Ausschlaggebend waren Gespräche unter anderem über die Preisstrategie.

Schilthorn und das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau rücken wieder näher zusammen.

Schilthorn und das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau rücken wieder näher zusammen.

(Bild: Archiv)

Samuel Günter@samuel_guenter

«Top-4-Skipass ohne Schilthorn» titelte diese Zeitung vor zwei Wochen, und die Aufregung war gross: Leute machten ihrem Ärger in Leserbriefen und den sozialen Medien Luft, und eine Onlinepetition wurde lanciert. Nun stossen die Verantwortlichen der Jungfrau-Skiregion den Entscheid um. «Das Top-4-Abo wird in der Wintersaison 2019/2020 unverändert in allen Teilgebieten akzeptiert», schrieben sie am Dienstag in einer Medienmitteilung.

Der Top-4-Skipass ist ein gemeinsames Angebot der Gebiete Adelboden-Lenk, Gstaad, Meiringen-Hasliberg und der Jungfrau-Skiregion. Anlässlich ihrer Tarifkonferenz haben die Verbundpartner der Jungfrau-Skiregion (Jungfraubahnen, Gondelbahn Grindelwald-Männlichen, Schilthornbahn, Luftseilbahn Wengen-Männlichen, Skilift Bumps, Skianlagen Wengiboden, Doppelskilift Bodmi) Mitte Mai mit «grosser Mehrheit» beschlossen, den Gültigkeitsbereich des Abonnements anzupassen und ohne das Gebiet Mürren-Schilthorn in die kommende Wintersportsaison zu starten.

Man sei überzeugt gewesen, den Kunden weiterhin ein attraktives Angebot zu unterbreiten, «zumal ein Grossteil der Wintersportler nicht Gebrauch vom Schilthorngebiet gemacht» habe. Neu werden als Grund auch «die unvereinbaren Angebots- und Preisphilosophien der Unternehmen» genannt. Dadurch sei «keine Basis für eine enge Zusammenarbeit mehr gegeben».

Differenzen bereinigt

«Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen der Schilthornbahn konnten die unternehmerischen Differenzen, insbesondere in puncto Tiefpreisstrategie, bis Anfang Juni 2019 bereinigt werden», teilt die Jungfrau-Skiregion nun mit. Eine Konsequenz aus den Gesprächen sei, dass die Schilthornbahn ab 1. Januar 2020 den Swiss Travel Pass ausserhalb der bewohnten Orte nicht mehr gratis akzeptiere. «Damit folgt sie den Bestrebungen der Verbundpartner, sich gegen die branchenschädigenden und marktverzerrenden Tiefpreise einzusetzen.»

Um die Jungfrau-Skiregion als Gesamtes zu stärken, werde sich die Schilthornbahn in Zukunft «aktiver im Namen der gesamten Region engagieren und die gemeinsame Marktbearbeitung mit den Verbundpartnern verstärkt unterstützen sowie die gefällten Entscheide mittragen». Die Verantwortlichen sind überzeugt, damit im Interesse ihrer Kunden zu handeln und die erfolgreiche Zukunft der Jungfrau-Skiregion voranzutreiben.

«Sieg für den Gast»

Christoph Egger, Direktor der Schilthornbahn AG, spricht von einem «positiven Entscheid» und «einer guten Lösung». «Es ist ein Sieg für den Gast.» Den Gästebedürfnissen werde damit Rechnung getragen.

Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, betont, dass der Ausschlussentscheid, wie auch jetzt das Rückkommen, jeweils ein demokratischer Entscheid der Verbundpartner war. «Und nicht der Jungfraubahnen.» Die Teilnahme am Swiss Travel Pass sei dabei nur eine der Einzelaktionen der Schilthornbahn gewesen, die gegen die Interessen der Kooperation war. So habe das Unternehmen etwa auch in einer frühen Phase gegen die V-Bahn Einsprache erhoben.

Eine Aussage, die von Andreas Kaufmann, Verwaltungsratspräsident der Gondelbahn Grindelwald Männlichen (GGM) AG, gestützt wird: «Wir waren vor den Kopf gestossen wegen wiederkehrender Alleingänge der Schilthornbahn AG», erklärte er am Dienstag an der Generalversammlung der GGM. Man habe deshalb innerhalb der Jungfrau-Skiregion den Ausschluss der Schilthornbahn aus dem Top-4 Saison-Abonnement unterstützt.

«Als grösstem der Partner innerhalb der Jungfrau-Skiregion kommt der Jungfraubahn auch eine integrierende Funktion zu», erklärt Kessler. Aber man dürfe auch nicht alles akzeptieren. «Zudem wird von uns erwartet, neue Produkte zu entwickeln, die der ganzen Region zugutekommen.» Eine Herausforderung, die man gerne annehme. Kessler verweist dabei auch auf den Top-4-Skipass, der auf Initiative der Jungfraubahn geschaffen worden sei.

Intensive Gespräche

Kessler und Egger betonen, dass es nicht – wie oft portiert – wegen persönlicher Streitigkeiten zwischen ihnen zum Eklat gekommen sei. «Wir führen beide ein Unternehmen; dass die Ziele dabei nicht immer deckungsgleich sind, ist normal. Aber es gibt keinen Streit zwischen uns», erklärt etwa Egger. In den letzten Tagen habe man intensive Gespräche geführt. «Und das war gut so», meint der Schilthornbahn-Direktor. Nun habe man wieder eine gute gemeinsame Grundlage. Auch Kessler sagt, man wolle jetzt wieder nach vorne schauen.

Ein Wunsch, dem sich auch Daniel Zihlmann, Geschäftsführer der GGM, anschliesst. «Es ist gut, dass wir eine gemeinsame Lösung gefunden haben», erklärt er gegenüber dieser Zeitung. «Jetzt ist es aber auch wichtig, dass sich alle daran halten.»

Druck oder Geschäftssinn?

Ob die öffentlichen Reaktionen eine Rolle beim Entscheid gespielt haben, beurteilen Egger und Kessler unterschiedlich. «Der Druck der Skipiste spielte sicher mit», meint Egger. «Es war ein gemeinsamer Entscheid des Verbundes, der geschäftlich Sinn macht», sagt Kessler.

Berner Oberländer

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