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Transparenz wird wieder zum Thema

Einmal mehr wird im Streit um die Johanneskirche die Informationspolitik der Gesamtkirchgemeinde zum Thema. Der Co-Präsident des Vereins Pro Kirchen Strättligen übt in einem offenen Brief an die Parlamentsmitglieder harsche Kritik.

Ihre Zukunft steht zur Diskussion: Die Johanneskirche in Thun.
Ihre Zukunft steht zur Diskussion: Die Johanneskirche in Thun.
Patric Spahni

«Für mich war die Einsichtnahme ein befremdender Gang in die Vergangenheit. In eine Zeit, in der es noch keine Kopiergeräte, keine Smartphones, keine elektronische Datenerfassung und Übermittlung gab»: So beschreibt Heiner Bregulla seine Bemühungen, Einblick in das ausführliche Budget und andere Dokumente der Thuner Gesamtkirchgemeinde zu ­erhalten.

Weil er keine Kopien machen konnte, habe er alle relevanten Daten mühsam von Hand abschreiben müssen, erzählt der Co-Präsident des Vereins Pro Kirchen Strättligen, der sich mit einer Initiative für den Erhalt der Johanneskirche starkmacht.

Offenbar hatte der Vereinsvorstand zuvor vergeblich versucht, die Verwaltung und den Kleinen Kirchenrat dazu zu bewegen, Dokumente, welche die Öffentlichkeit interessieren könnten, auf ­ihre Website zu laden.

Heiner Bregulla wendet sich mit seinen kritischen Worten an die Mitglieder des Grossen Kirchenrats, welche sich am Montagbend zu ihrer vierteljährlichen Sitzung trafen. Mit seinem offenen Brief nimmt er ein Thema auf, welches bereits an der letzten Sitzung der Kirchenexekutive für Gesprächsstoff sorgte: Auch Dora Kaiser, Vertreterin der Kirchgemeinde Strättligen, hatte ähnliche Erfahrungen gemacht, als sie vor der ­damaligen Sitzung Einblick in das Budget erhalten wollte, weil ihr die summarische Zusammenfassung der Daten nicht zur ­Meinungsbildung reichte. Ihr ­Antrag, künftig denjenigen Par­lamentsmitgliedern, welche dies wünschten, die gesamten Unter­lagen zuzustellen, wurde damals knapp abgelehnt.

«Kein Beschluss gefasst»

Heiner Bregulla ist diesem Punkt nachgegangen. Und er kommt zum Schluss, dass zwar im April 2011 von einem Parlamentsmitglied angeregt worden sei, inskünftig nur noch eine gekürzte Fassung der Rechnung zu versenden, aber nie ein eigentlicher Beschluss dazu gefasst worden sei. Er habe anhand der Protokolle auch nicht feststellen können, ob eine diesbezüglich in Aussicht gestellte Umfrage überhaupt durchgeführt worden sei. Heiner Bregulla kann nicht mit Sicherheit sagen, ob sich die damalige Diskussion nur auf das Versenden der Rechnung oder auch auf das Budget bezog.

«Sind genügend transparent»

Etwas anders sieht das Ganze ­Willy Bühler als Präsident des Kleinen Kirchenrats: «Jeder, der zusätzliche Informationen zu den Kurzfassungen von Rechnung oder Budget will, erhält diese auch», sagte er am Montag gegenüber dieser Zeitung. In diesem Sinne sei die Transparenz vollständig gewährt.

Den Vorwurf, dass diese Informationsbeschaffung für Rats- und Kirchenmitglieder äusserst aufwendig sei, kontert er, indem er auf heikle Personendaten oder Rechnungen in den Dokumenten hinweist, welche nicht öffentlich gemacht und folglich nicht kopiert werden dürften.

Wie es aber im Detail zur heu­tigen Praxis gekommen ist, kann Willy Bühler nicht mehr genau nachvollziehen. Er erinnert sich lediglich daran, dass die Parlamentarier im Rahmen einer Sitzung hätten schriftlich angeben müssen, ob sie die ausführliche oder eine reduzierte Version der Rechnung und des Budgets wünschten. Willy Bühler, der ­damals Präsident des Kirchenparlaments war, weiss heute nicht mehr, ob die damalige Befragung einem Beschluss gleichkam. «Dazu bräuchte es einen Blick in die Protokolle», sagte er am Montag.

Pflicht vernachlässigt

Wie auch immer: Heiner Bregulla richtet in seinem offenen Brief ­unmissverständliche Worte an die Mitglieder des Thuner Kirchenparlaments: «Indem Sie Rechnung und Budget im Blindflug ­genehmigen, versäumen Sie Ihre Pflicht, die Exekutive zu kontrollieren.»

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