Steffisburg

Unsere Zeugnisse für den Gemeinderat

SteffisburgSieben Mitglieder des Steffisburger Gemeinderats haben die letzten vier Jahre im Dorf politisch geprägt. Alle wollen wiedergewählt werden. Wir zeigen, was sie geleistet haben.

Welcher Gemeinderat, welche Gemeinderätin hat wie abgeschnitten? Wir beurteilen ihre Leistungen nach dem Lehrplan 21.

Welcher Gemeinderat, welche Gemeinderätin hat wie abgeschnitten? Wir beurteilen ihre Leistungen nach dem Lehrplan 21. Bild: Steve Wenger

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Wie beurteilen wir die Mitglieder eines Gremiums, in dem sechs Personen neben ihren Hauptberufen in kleinen Pensen agieren, während das siebente vollamtlich engagiert ist? Vor diese Frage stand das Steffisburg-Team in der Redaktion dieser Zeitung, als es darum ging, die Gemeinderats­bilanz für die auslaufende Legislatur zu verfassen.

Wer leistet wie viel?

Wir haben uns entschieden, uns für die Beurteilung der Leistungen am Lehrplan 21 zu orientieren. Dieser hat etwa zum Ziel, Schülerinnen und Schüler vermehrt an ihren persönlichen Kompetenzen und Möglichkeiten zu messen und nicht nur an absolut gültigen Richtlinien.

Dabei zeigt sich – wenig erstaunlich –, dass in Steffisburg der Gemeindepräsident oft im Scheinwerferlicht steht, während es für die restlichen Mitglieder bisweilen schwierig ist, sich (medial) in Szene zu setzen. Dabei – und auch das ist wenig erstaunlich – betreuen auch sie zum Teil grosse Brocken, die bisweilen gar tieferen Niederschlag im Alltag der Bürgerinnen und Bürger finden, als die Leuchttürme des Ratsvorsitzenden.

Noch ist nichts gebautUrsulina Huder, SP, Finanzen, im Rat seit 2005

Wichtige Geschäfte: Die Umstellung auf HRM2, die Beteiligung der Gemeinde am Gesundheitszentrum Landhaus und die immer komplexere IT. Umsetzung der Kerngeschäfte: Für die Umstellung auf HRM2 ernteten Ursulina Huder und ihr Team Applaus von der Politik. Dass die IT einer Gemeinde stets kritisiert wird, liegt in der Natur der Sache: Sie ist teuer, komplex, schwer zu überblicken und eigentlich nie auf dem neuesten Stand. Das Gesundheitszentrum Landhaus muss indes den Betrieb aufnehmen, bevor beurteilt werden kann, ob das gewählte Vorgehen für die Gemeinde Steffisburg sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich erfolgreich ist. Wirkung im Dorf: Kann der Gemeinderat weiter Reserven für Grossprojekte wie den Bau der Mehrfachhalle schaffen, ist die restriktive Finanzpolitik ein Erfolg. Noch ist aber keine neue Mehrzweckanlage gebaut. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Ursulina Huder geht mit Leidenschaft zu Werke. Das wird in ihren Voten in parlamentarischen Debatten immer wieder greifbar. Als politisches Urgestein lässt sie sich nicht mehr ins Bockshorn jagen. Ausdauer: Siehe oben. Bei dieser Amtsdauer nicht amtsmüde zu werden, schaffen sonst eigentlich nur Marathonläuferinnen. maz

Wirken in AlltagsbelangenMarcel Schenk, SP, Tiefbau/Umwelt, im Rat seit 2007

Wichtige Geschäfte: Wiederbewertung als Energiestadt, Bildung Spezialfinanzierung Förderung Energieeffizienz. Umsetzung der Kerngeschäfte: Dass Steffisburg vier Jahre nach Erlangen des Energiestadt-Labels 65 statt 54 Prozent der Energiestadt-Massnahmen erfüllt hat, ist mitunter das Verdienst von Marcel Schenk und seinem Team. Wie sich die Spezialfinanzierung Förderung Energie­effizienz auswirkt, lässt sich nach 11/2 Jahren nicht beurteilen. Wirkung im Dorf: Schenk und sein Team wirken vorab in Alltagsbelangen: Werkleitungssanierungen oder Renaturierungsprojekte sind erfolgreich, wenn sie a) das Leben erleichtern und b) günstig sind. Dass a) in den Bauphasen umstritten und b) nicht immer möglich ist, kann man niemandem ankreiden. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Marcel Schenk steht mit Elan für seine Sache ein. Immer wieder steht er im Gegenwind, weil Bauprojekte teurer werden als geplant. Er argumentiert leidenschaftlich und begründet sachlich – und akzeptiert, dass ihm im umgekehrten Fall kaum jemand auf die Schulter klopft. Ausdauer: Steter Tropfen höhlt den Stein. Nach dieser Devise verpasst er Steffisburg ein ökologisches Gesicht – im Wissen darum, dass der Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft noch weit ist. maz

Wird er zum Marathon-Man?Jürg Marti, SVP, Präsidiales, im Rat seit 2009

Wichtige Geschäfte: Gewerbepark Aarefeld, Überbauung Scheidgasse, Überbauung Dükerweg, Ortsplanung: Als einziger Vollzeitpolitiker in Steffisburg hat Gemeindepräsident Jürg Marti die Federführung bei den Leuchtturmprojekten. Umsetzung der Kerngeschäfte: Während am Dükerweg ebenso wie im Oberdorf die Baumaschinen aufgefahren und die Projekte nicht zuletzt dank hartnäckigem Verhandeln von Marti in der Umsetzungsphase angelangt sind, harzt es auf dem Aare­feld. Einsprachen verzögerten das Projekt lange – wobei dem Vernehmen nach auch Investoren und Nutzer (noch) nicht Schlange stehen. Wirkung im Dorf: Mit den Grossprojekten am Dükerweg und im Oberdorf haben Marti und sein Team das Gesicht des Dorfes nachhaltig geprägt. Wird auch der Gewerbepark ­Aarefeld flügge, gilt dasselbe für die ganze Region Thun. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Dass Marti lieber im Büro ackert, als auf Apéros netzwerkt, ist ein offenes Geheimnis. Was für Steffisburg gut ist, ist Martis weiterer politischer Karriere womöglich abträglich. Ausdauer: Alle genannten Leuchtturm­projekte sind Langzeitprojekte. Gelingt es Jürg Marti, sie alle ­umzusetzen, darf er sich neben Iron-Lady Ursulina Huder künftig Marathon-Man nennen. maz

Willens, Lehren zu ziehenStefan Schneeberger, FDP, Sicherheit, im Rat seit 2009

Wichtige Geschäfte: Dem Sicherheitsvorsteher ist es am wohlsten, wenn er Ruhe hat. Für Stefan Schneebergers Departement gehören Einsätze am Jodlerfest oder nach Unwettern zu den «Höhepunkten». Umsetzung der Kerngeschäfte: Schneeberger schreibt in seiner eigenen Bilanz, Steffisburg sei eine «sehr sichere Gemeinde» – und hat damit zweifellos recht. Allerdings musste auch er sich anlässlich der Aufstiegsfeiern des örtlichen FC mit dem Reizthema «Pryotechnika an Fussballfesten» auseinandersetzen. Wirkung im Dorf: Anspruchsvoll wird es für den Vorsteher des Departements Sicherheit, wenn es um kleinräumige Angelegenheiten wie den Durchfahrtsverkehr in Quartieren geht. Namentlich im Ortbühl haben sich Schneeberger und seine Sicherheitskommission ­indes etwas gar lange Zeit gelassen, bis sie einlenkten und einen Zubringerdienst versprachen. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Das letztgenannte Beispiel Ortbühl zeigt, dass Schneeberger nicht nur bereit ist, den Kontakt zur Bevölkerung auch dann zu suchen, wenn Gegenwind droht, sondern ebenso bereit ist, Lehren aus dem Erlebten zu ziehen. Ausdauer: Stefan Schneeberger hat bald zehn Jahre als Gemeinderat auf dem Buckel. Von Abnutzungserscheinungen ist indes gar nichts zu merken. maz

Sauber auf ParteilinieElisabeth Schwarz, SVP, Soziales, im Rat seit 2011

Wichtige Geschäfte: Im Sozialbereich ist es schwierig, sich mit Ruhm zu bekleckern. Dass Schwarz sich rühmt, entgegen kantonalen Trends gleich bleibende Kosten zu verzeichnen, dürfte ein gutes Stück Parteipolitik sein. Umsetzung der Kerngeschäfte: Als die Abteilung Soziales in Steffisburg phasenweise eine hohe Personalfluktuation aufwies, sodass die Angelegenheit auch mehrmals im Grossen Gemeinderat (GGR) debattiert wurde, ist es Elisabeth Schwarz und ihrem Team gelungen, Ruhe in den Laden zu bringen. Wirkung im Dorf: Mit Projekten wie der Züglete der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ins Sonnenfeld – und damit direkt an den Skatepark – gelingt es, die Arbeit an der Front greifbar zu machen. Auch die Arbeiten der Fachkommission Familie und Integration entfalten ihre Wirkung im Alltag der Betroffenen – vorab Menschen mit Migrationshintergrund. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Die Bezeichnung «stille Schafferin» beschreibt die Sozialvorsteherin wohl am treffendsten. Sie sucht das Rampenlicht nicht und wirkt gerne im Hintergrund. Ausdauer: Elisabeth Schwarz beherrscht den Spagat zwischen raschem Reagieren auf neue Situationen – etwa in der Migrationsthematik – und langfristigem Wirken wie im finanziellen Bereich. maz

Unspektakulär, aber wirkungsvollHans Berger, GLP, Bildung, im Rat seit 2015

Wichtige Geschäfte: Die zwei grössten Brocken, welche die Gemeinde verantwortet, wird Hans Berger nicht in der laufenden Legislatur abschliessen können: die Liegenschafts- und Schulraumplanung sowie die Revision des Informatikkonzepts. Die Umsetzung des Lehrplans 21 als kantonales Projekt wird hier nicht betrachtet. Umsetzung der Kerngeschäfte: Allein die Tatsache, dass in Steffisburg eine Liegenschaftsplanung für Schulräume läuft, hebt die Gemeinde von anderen ab. Das ist nicht spektakulär, aber minimiert das Risiko, dass wie anderswo plötzlich Kinder quer durchs Dorf gekarrt werden müssen, weil Schulhäuser oder Kindergärten am falschen Ort stehen. Wirkung im Dorf: Wenn Kinder in der Nähe ihres Wohnorts die Schule besuchen können und die Anlagen zeit­gemäss ausgerüstet sind, dann hat der Bildungsvorsteher erfüllt. Ob ihm Letzteres gelingt, wird sich indes noch zeigen müssen. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Hans Berger gilt als pragmatischer Schaffer. Das ist unspek­takulär, aber wirkungsvoll. Ausdauer: Diese wird Berger erst noch beweisen müssen. Nach knapp vier Jahren im Amt wäre er jetzt warmgelaufen, um auf die Langstrecke einzubiegen. maz

Grosse Brocken für den AmtsjüngstenChristian Gerber, EDU, Hochbau/Planung, im Rat seit 2016

Wichtige Geschäfte: Die Leuchttürme in Sachen Hochbau und Planung betreut in Steffisburg der Gemeindepräsident als Profipolitiker. Mit der Sportraumplanung oder dem Thema Verdichtung hat indes auch Christian Gerber als amtsjüngstes Gemeinderatsmitglied Projekte in Arbeit, die das Potenzial haben, dereinst das Gesicht des Dorfes zu verändern. Umsetzung der Kerngeschäfte: Umgesetzt hat Gerber in seiner kurzen Amtszeit zusammen mit seinem Team noch nichts. Die Sportanlagenplanung ist indes auf guten Wegen; mit der Sanierung des Eichfelds und der Umzonung in der Schönau sind erste Meilensteine geschafft. Wirkung im Dorf: Sport- oder Mehrzweckanlagen wirken sowieso – wenn sie gebaut werden oder auch nicht. So gesehen prägt die Arbeit von Christian Gerber auf jeden Fall. Wie wird sich zeigen müssen. Einsatzfreude/ Lernbereitschaft: Auch Christian Gerber wirkt gerne abseits des Rampenlichts. Dort nimmt er aber dem Vernehmen nach aktiv Einfluss auf das Geschehen. Ausdauer: Im Gemeinderat ist Christian Gerber der «Frischling». Dass er Ausdauer hat, hat er indes in ­seiner langjährigen Tätigkeit im Grossen Gemeinderat (GGR) bereits beweisen. maz

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 08.09.2018, 07:03 Uhr

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